Телеграми графа О. Черніна, представника Австро-Угорщини, та інших осіб з дипломатичних питань, 07.11.1917-06.06.1918, 118 арк.

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Архів: tsdavo_scraperОпис: 3Фонд: 1063
Назва фонду
Перейменування: 03.07.1917-09.01.1918 Генеральний Секретаріат Центральної Ради, м. Київ.; 09.01.1918-29.04.1918 Рада Народних Міністрів Української Народної Республіки, м. Житомир, з квітня - м. Київ
Анотація
Постанови Генерального Секретаріату, протоколи, журнали (оригінали) засідань Генерального Секретаріату та додатки до них Меморандум (копія) представників державних утворень України, Білорусії, Дону та Кубані до держав Антанти щодо їхнього державного устрою, боротьбу з більшовизмом та з ін. питань Угода про перемир’я між російською та румунською арміями Румунського фронту та німецько-австро-болгаро-турецькими військами (російський переклад з французької); запис розмови по прямому дроту О. Шульгина з А. Галіпом про переговори Центральних країн з російською армією Румунського фронту, зустріч з французьким посланцем та з ін. питань Мирний договір УНР з Німеччиною, Австро-Угорщиною, Болгарією та Туреччиною, підписаний в Брест-Литовську Щоденник мирної делегації УНР про перебіг мирних переговорів у Брест-Литовську, телеграма генерала Гренера про розташування німецьких військ в Одесі та з ін. питань Записи розмов по прямому дроту генеральних секретарів УЦР М. Порша, М. Ткаченка, О. Шульгина з членами української дел
Історична довідка
Перейменування: 03.07.1917-09.01.1918 Генеральний Секретаріат Центральної Ради, м. Київ.; 09.01.1918-29.04.1918 Рада Народних Міністрів Української Народної Республіки, м. Житомир, з квітня - м. Київ
Назва справи
Телеграми графа О. Черніна, представника Австро-Угорщини, та інших осіб з дипломатичних питань, 07.11.1917-06.06.1918, 118 арк.
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Розпізнаний текст

ЦЕНТРАЛЬНИЙ ДЕРЖАВНИЙ АРХІВ ВИЩИХ ОРГАНІВ ВЛАДИ ТА УПРАВЛІННЯ УКРАЇНИ № фонду 1063 опису 3 справи 18 Med.-Dr. Eugen Stegulla Wien 18.73. Gentzgasse Nr 2/46 ärztliches Zeugnis Herr Konstantin Zelenko, Trägerdullehrer in Maraschi Alter 29 Jahre alt, geboren in Perevolocena jaw Toltawa wohnhaft in Wien XIII. B. Fellgasse Nr 4. Th. H. 13 verbrachte am 18 August 1907 an ecuter Nieren- und Darmkrankheit Entbindung (septische e: cytitis acuta) mit blutigen Harnen, Klimakterie und verblieb durch drei Wochen bis zu stetiger Krankenhausaufenthalt im Krankenstande. Drei ärztliche Behandlung chledmancute kamen kost und Urlaubs- -Urlagen betragen beiläufig bis 200 Kronen. Im Oktober (Jahre 1907) konstatierte mich der Herr K. Zelenko gegen erhaltender Muskelkrampf, fiebernder Temperatursteigerung, fortdauer- ender Abmagerung, der Krankle wurde von mir auf die infekte Schlinge der H.-Hofkalk. Cpt. F.Schrotergewesen so man laut keiligen Befundes rechtswidrigen Kreis folgeschichtener dungen Arten. Erstbrach die: anstrichiert hatte. Auf Grund dieses klinischen Befundes wurde dem Kranken der Rat erteilt die entsprechende Kur so rasch als möglich durchzumachen. Zufolge möchte er einer 2 monatlichen Fibro-Inhalations-Kur im Institut des Dr. Hugo Trauer (T.H. Grogensgasse Nr 2) ambuläntlich sich unterziehen, oder eine 3 monatliche Tuberkulin Injektions-Kur in entsprechend Vors: Lorium oder Antelo - Nervose durchmachen. Beide Kurmethoden, wären sie längere Zeit in Anspruch nehmen und mit grossen Geldauslagen verbunden. Ausserdem soll der Kranke eine kräftige erforderliche Fast (Reich, Eier, Milch) durch mindestens 3 Monate in gewisser Dienste zu sich nehmen, wodurch die Auslagen bedeutend erhöht sein werden. Der Krankle bedarf demnach vermehrt Winterkleider, Winterschuhe um gegen Erkältung geschützt zu werden. Auch der Krankenstand des Herrn K. Zelenko wird nicht derart verbleibende das keine vollkommene Ausheilung der begonnenen Lungenkrankheit in Folge von Fieber und bei ihm nicht mehr möglich sein wird, sondern im Gegenteil, dass die Lungeninfektion durch manchmalige Ernährung (kleine doch männliche ärztliche Behandlung sich sehr rasch ausbreiten wird, fern davon sind angesichts dem der Herr Konstantin Zelenko von der russischen Regierung eine Unterstützung von beinahe 1000 Kronen erhalten möchte. Kommt er in das Lager Korne, die vorhandene Kur durchmachen, die Krankle wird bedeutend verbessern, die Winterkleider zu können. und andere Auslagen bestreiten zu können. Wien am 7. November 1907 Dr. Eugen Stegulla Med.-Dr. Gentzgasse 2/46 Telegramm. Ottokar Graf Czernin, Bukarest,8.März 1918. Nr.127. Chiffre. Für Gesandten v.Wiesner. Geheim. Zu B.E.Tel.Nr.156. Ich kann mich mit der laut der zwei letzten Absätzen des genannten Tel. lediglich mündlich gegebenen Zusicherung der deutschen Regierung nicht begnügen, dass das in Rede stehende Dokument bei Nichteinhaltung der Lieferungsverpflichtung sei- tens der Ukraine vom deutschen Ausw.Amt ausgefolgt werden wür- de. Mündliche Zusicherungen haben nur relativen Wert und auch diesen nur solange, als die Regierung, die sie gegeben hat, am Ruder bleibt. Ich werde trachten hier bei Herrn v.Kühlmann zu erreichen, dass die in Rede stehende mündliche Erklärung auch schriftlich formuliert werde. Ich wünsche, dass parallel hiemit eine gleiche Einwirkung in Berlin bei den zuständigen Stellen durch den k.u.k. Botschafter erfolge. Ich ersuche daher Prinzen Hohenlohe unter ausführlicher Darlegung des Sachverhaltes im vorstehenden Sinne zu instruieren. -0-0-0-0-0- TELEGRAMM. Graf Forgach, Kiew, 25. März 1918. Nr. 50/297. Statt der abermals um zwei Tage aufgeschobenen ersten gemeinsamen Kommissionssitzung fand gestern ein von der ukrainischen Regierung, der deutschen Delegation und uns gegebenes Bankett mit etwa 130 Personen statt. Nach den üblichen, von dem Präsidenten der ukrainischen Kommission Herrn Porsch, Botschafter Baron Mumm und mir gehaltenen und in warmen Wünschen für unsere gemeinsame kulturelle und wirtschaftliche Arbeit ausklingenden Aussprachen fanden die gegenseitigen ausgezeichneten Beziehungen und deren politischer Ausbau mit Hochdruck betonende Tischreden statt. Ein ukrainischer Sprecher schlug hiebei auch sehr scharfe sozialdemokratische Tonart an. Vor dem Bankette hatte zu Ehren des ersten, an die Ostfront abmarschierenden ukrainischen Regiments eine nationale Feier in der Oper stattgefunden, zu der die deutschen obersten militärischen Stellen, Feldmarschallleutnant Langer und ich eingeladen und in den Proszeniumlogen placiert wurden. Der Präsident der Rada Hruszewski hielt von der Bühne an das im Theater versammelte Regiment eine anfeuernde, die Geschichte der letzten Monate und die Wiedergeburt des freien ukrainischen Staates in interessanter Weise darlegende Rede. Wiederholt gedachte er in sehr korrekter Weise der neuen Freunde, Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, welche der Ukraine auf ihre Bitte zu Hilfe geeilt seien. Die auf innere Politik bezüglichen Stellen waren ein schrifes, beinahe leidenschaftliches Bekenntnis zu allen sozialrevolutionären Grundsätzen, besonders bezüglich der Agrarpolitik. Das Publikum bestand ausschliesslich aus den neuen offiziellen Persönlichkeiten und Militär. Keinerlei bürgerliche Kreise waren vertreten. - - 2 - chen Regierung nur möglich ist, wenn dieselbe sich in gesamter Beziehung unseren Wünschen und unserer Leitung unterordnet. In dieser Hinsicht scheinen nun zwischen ihm, dem deutschen Bot- schafter und dem Militärbevollmächtigten Differenzen zu beste- hen, da letztere mehr temporisieren und die gegenwärtige Re- gierung stützen wollen. Dieser theoretisch richtige Standpunkt dürfte meiner Ansicht nach nicht ausführbar sein, weil wir für die Lebensmittelbeschaffung wegen Kürze der Zeit unbedingt mit rücksichtsloser Energie vorgehen müssen und weil die Regierung zu jeder wirklichen Tat unfähig und zu schwach ist und zum Beispiel sich noch immer nicht getraut, der Rada und der Oef- fentlichkeit bekanntzugeben, dass die deutschen Truppen über Bitte der ukrainischen Regierung in das Land eingerückt sind. Die Kundmachung dieser Tatsache wird deutscherseits gefordert. General Groener las mir im strengsten Vertrauen ein Privatschreiben vor, das er an General Ludendorff gerichtet und in welchem er vor der weiteren planlosen Wirtschaft in der Ukra- ina nachdrücklich warnt und Klarheit und Energie fordert. Mein deutscher Kollege teilte mir mit, er habe gestern nach Berlin telegraphiert, um die politischen Richtlinien zu erfahren, nach welchen Deutschland in der Ukraine vorgehen will. TELEGRAMM. Graf Forgach, Kiew, 22.März 1918. Nr.31/168. Einer langen Unterredung mit dem deutschen kommandie- renden General entnahm ich, dass sowohl er, als auch die poli- tischen Vertreter der deutschen Regierung, mit denen er übri- gens starke Divergenzen zu haben scheint, gänzlich ohne Instruk- tionen und Orientierung über die Ziele sind, welche die deu- tsche Politik in der Ukraine anstreben will oder soll. General der Infanterie von Groener ist sehr besorgt, dass die Unter- nehmung, in die man ziemlich planlos eingestiegen ist, immer grössere Dimensionen annehmen und stets grössere Truppenmassen in Anspruch nehmen wird. Gegenwärtig sei bekanntlich das östli- che Ziel die Eisenbahnlinie Charkow-Krim. Doch sei es bereits klar, dass die Ukraine ohne das Dongebiet und dessen Kohlen überhaupt nicht existieren könne. Die schleunige Besetzung dieses Gebietes werde von der hiesigen Regierung gewünscht, um Kiew und alle Städte, Elektrizitätswerke, Fabriken etc. vor einer Katastrophe zu bewahren, dürfte auch durchgeführt werden müssen und werde starke österreichisch-ungarische und deutsche Truppenmengen in Anspruch nehmen, da Schützengrabenkämpfe mit Kosaken und grossrussischen Elementen nicht ausgeschlossen sei- en. Es müsste daher von den leitenden Stellen Klarheit darüber geschaffen werden, welche Ziele anzustreben seien und ob die Besetzung dieser weiten Strecken nur zum Zwecke der momentanen Ausbeutung erfolge oder mit weiteren, heute kaum auszudenkenden Zielen verbunden sei. Bei den so schwierigen Aufgaben, denen wir hier gege- nüberstehen und entgegengehen, teilt der General vollkommen meine Auffassung, dass ein Auskommen mit der hiesigen so schwa- Anlage 1. Die Lösung der Krise. /:Auszug aus der Kiewer Zeitung "Rabotschaja Schisn", Organ der russischen S.-D., scharfe Opposition, vom 21.März 1918.: Das neue Ministerium hat sich gebildet. Wie wir erwar- teten blieb die Krise selbst unentschieden, nur die Personal- zusammenstellung des Ministeriums hat sich verändert, während das Programm dasselbe geblieben ist. Dass sich trotzdem die Bahnen, innerhalb welcher sich dieses Programm bewegen wird, etwas verändert haben, verspricht der unerwartete Eintritt des früheren Mitgliedes des Unabhängigkeitspartei, jetzigen Sozial- Föderalisten, Scheluchin. Kurz nach dem Eintritt in das neue Ministerium beleuchtete Stepanenko das Wesen der Unabhängig- keitspartei und führte aus, dass dieselbe das nationale Pro- gramm über alles stellt und selbst vor einem Ueberfall auf die nationale Minderheit nicht zurückschrecken würde. Es handle sich jetzt darum, ob ein Kompromiss mit Scheluchin vonseiten der Regierung zugleich ein Kompromiss mit der Unabhängigkeits- partei bedeute oder nicht. Die Unabhängigkeitspartei hat schon jetzt bedeutende Gelegenheit gehabt, einen Druck auf den Gang der Regierungsgeschäfte auszuüben, immer vom rein national- agressiven Standpunkt. Wenn man jetzt noch hinzufügt, dass als Minister des Innern Herr Tkatschenko erscheint, dessen hart- näckige Verteidigung des national-aggressiven Systems kein Ge- heimnis ist, so kann man von dem neuen Ministerium kaum be- geistert sein. So bleibt alles beim alten, nur in einem etwas anderen Verhältnisse. Die ukrainischen Sozialdemokraten haben ihre Vertreter aus dem Ministerium zurückgezogen, um nicht die Verantwortung für ihre Arbeit tragen zu müssen. Trotzdem ist die Meinung dieser Sozialdemokraten nicht durchgedrungen, ja die Lage hat - 2 - sich sogar verschlechtert. Denn an Stelle zweier Sozialdemo- kraten haben wir jetzt drei im Ministerium ( Tkatschenko,Ko- liuch und Michailow),anstatt eines Kompromisses mit den ukra- inischen Sozialrevolutionären haben wir eine Strömung zum Kom- promiss mit der Unabhängigkeitspartei, ein Ergebnis, das am Anfang der Krise niemand erwartet hätte. Was bedeutet dieser Umschwung? Wie soll man ihn ver- stehen? Im allgemeinen haben die Demokraten und die ukraini- schen S.-D. im besonderen verspielt. Es steht ein Aufblühen der national-agressiven Richtung trotzdem bevor, und das alles mit Unterstützung der offiziellen Kreise der ukrainischen SD. In diesem ganzen traurigen Gemälde kann als einzige Genugtuung nur der Protest klingen, den einige ukrainische SD., aus der Rada-Fraktion eingebracht haben. Zum mindesten ist es sehr gut, dass sich eine neue Strömung inmitten der ukraini- schen SD. bemerkbar macht, was man als einziges positives Er- gebnis dieser so erfolglosen Krise betrachten kann. -.-.-.-.-.-.-.- Beilage 2. Eine Kombination. /:Auszug aus der Kiewer Zeitung "Rabotschaja Schisn" vom 15.März 1918.:/ In hiesigen ukrainischen Kreisen geht folgendes Dokument von niemanden unterzeichnet, von Hand zu Hand, das wir in Aus- zug wiedergeben: "Die Unabhängigen haben durch ihr Blut am Kampfe mit den Bolschewiken bewiesen, dass sie wahre und aufrichtige Söhne der Ukraine sind. Über die ganze Ukraine braust jetzt ein Meer der Anarchie, die uns die ungezügelten Banden der Grossrussen, Juden und Deserteure ins Land gebracht haben, Der Bestand des ukrainischen Reiches wird durch diese Anarchie mächtig bedroht, uns fehlen wirkliche Kräfte, Truppen, eine feste Regierung, ein "Arbeitsministerium". Mütterchen Ukraina muss laut dem Handelsvertrage den Deutschen und Oesterreich-Ungarn Brot, Zucker und Erz liefern. Sie haben die Ukraine gerettet, unsere lieben Nachbarn die Deutschen und Oesterreicher. Um uns nicht in Abenteuer zu stürzen in dieser schweren Zeit, wo die Ukraine im Feuer steht, um die Vorschläge der Zentralrada im sogenannten 4.Universal zu verwirklichen, endlich um neue Wahlen durchzuführen, halten wir Unabhängigen es für unbedingt notwendig klar und offen darauf hinzuweisen, dass für den Kampf mit den Bolschewiken, gegen die Anarchie, für die Ausführung der geplanten Reformen und zum Aufbau unserer Wehr- macht unbedingt ein Hetman ernannt werden muss. Dem Hetman wir als Höchstkommandierenden der ganzen Ukraine die gesammte militärische Macht übertragen, zum Schutze der Ukraine vor den Bolschewiken. Es muss ein "tätiges" Ministerium eingesetzt werden. - 2 - Denn da die Minderheiten die Ukraine verraten und sich selbst in Bolschewiken verwandelt haben, müssen die Minister der Min- derheiten abgesetzt werden. Bis unter die Mauern von Kiew streichen die von der Stadtduma bewaffneten und der Ukraina feindlichen Truppenteile herum, die offiziell zu den Bolschewiken gehören. Kommt aber kein Hetman und verlassen unsere Freunde, die Deutschen und unsere Blutsbrüder, die Ruthenen, die Ukraine dann beginnt das alte Spiel von Neuem, nämlich ein allgemeines Gemetzel der Ukrainer und aller derer, die für die Ukraine ein Empfinden haben. Ohne Hetman, der allein imstande wäre ein nationales Reich zu gründen und eine Wehrmacht zu schaffen, ist das ukrai- nische Volk und das ukrainische Reich verloren. Beilage 4. Vor der Lösung. /:Auszug aus der ukrainischen Zeitung "Nowa Rada" vom 21.März 1918.:/ Am 20.November vorigen Jahre wurde die unabhängige Ukra- inische Republik ausgerufen, am 9.Februar d.J.ist zwischen die- ser Republi und den Zentralmächten der Friede geschlossen wor- den und dadurch wurde dieser Republik die internationale Sankti- on gegeben. Wir haben also eine selbstständige Nation, ein eige- nes Territorium und eigene Regierung / Zentralrat und Ministe- rium /, die drei wichtigsten Faktoren, woraus der Staat beste- hen muss. Kein Jurist darf jetzt abstreiten, dass die Ukraine als selbstständiger Staat nicht existiert. An das Dasein des ukrainischen Staates glauben auch die Ukrainer selbst, doch die selbstständige Ukraine bestand weder früher, noch jetzt. Das Schild ist da, aber dahinter steckt nichts. Die glänzende "blau- gelbe" Fata Morgana ist sichtbar, doch der 20.November 1917 hat den ukrainischen Staat ebenso wenig geschaffen, wie der 5.No- vember 1916 den polnischen Staat schuf. Dass dort die Schöpfer die Fremden und hier die Eigenen gewesen sind, kann man nur aus Eigenliebe sagen, doch ändert das an der Sache nichts. Es ist nicht wahr, dass der Schlussakt des historischen Dramas "Wiedergeburt" der Ukraine schon herangekommen ist. Nein, die Aktion hat nur die höchste Spannung erreicht, es ist die Pause zwischen dem vierten und dem fünften Akt eingetreten. Der Vor- hang ist noch gesenkt und hinter demselben steckt entweder ein effektvolles Ende oder eine Katastrophe, wie es noch keine ge- geben hat. Mit Angst und Schmerz erwarten wir diese Katastrophe in demselben Momente, wo unsere Lage schon lange nicht mehr so glänzend war, wie eben jetzt. Wie durch eine chinesische - 2 - Mauer sind wir von Russland und russischen "Selbstbestimmungs- rechten" getrennt, wir haben Nachbarn, die zu viel im Westen beschäftigt sind, um Annexionen im Osten anzustreben. Wir haben die Minderheiten, die vor der durchgeführten ukrainischen Unab- hängigkeit als fertiger Tatsache stehen, wir haben als Cholm- land, und die damit die Gefahr der jagiellonischen Idee besei- tigt und selbst die Frage der Teilung Galiziens hat aufgehört als Utopie betrachtet zu werden. Eine glänzende Lage, - doch die Katastrophe ist unvermeidlich, wenn die Dinge so weiter ge- hen sollten, wie bis jetzt. Nicht wegen den schönen Augen der Ukrainer haben die Deutschen die Intervention gewagt. Der Gedanke der Zerstörung Russlands war für sie immer fremd, auch während des Krieges wollten sie irgend einen Modus finden, um sich gemeinsam mit dem östlichen Nachbar gegen den Hauptfeind -England frei bewe- gen zu können. Seit dem Jahre 1914 ist Napoleon der nationale Held in Deutschland geworden und seine Idee des kontinentalen Bündnisses gegen England hat sich zu einer der populärsten Kon- zeptionen des deutschen Volkes entwickelt. Eine der Säulen die- ses Bündnisses sollte Russland mit Deutschland versöhnt bilden. Wie im Jahre 1866 Oesterreich, so sollten Russland die besten Friedensbedingungen angeboten werden, um sich aus dem gestrigen Feind den morgigen Freund und Bundesgenossen zu machen. Eine solche russophile Richtung herrschte in Deutschland bis zu jener Zeit, wo die Nachbarkesen Salkind und Radek zur Macht gekommen sind, und überhaupt die ganze societes anonyme internationale die jetzt in Russland regiert. Als das erfolgt war und Russland angefangen hat in Teile zu zerfallen, erst dann und nicht frü- her hat sich die deutsche Regierung zu dem Programm entschlos- sen, Russland zu teilen. Seit dieser Zeit datieren auch nicht nur platonische ukrainische Sympathien. Grosse historische Kon- zeption - politische Sonderung des sogenannten westlichen Russ- lands ,von welcher Karl X.,Karl XI. und Mazeppa träumten,diese /. - 3 - Konzeptionen haben sich jetzt die Deutschen als Richtlinie für ihre Politik ausgewählt. Auf wie Lange? Das wird wohl von uns abhängen. Gelingt es uns auf der Stelle eine politische Körperschaft zu bilden, dann werden wir in Berlin einen aufrichtigen Bundesgenossen haben, wenn nicht, d.h.wenn anstatt des neuen Zentrums, des politischen Willens in der Ukraine eine Leere, so wären die Folgen unberechenbar. Natura horret vacuum - und wenn ein solches Vacuum in der Ukra- ine entsteht, wird es denselben Moment von Osten, Süden,Norden ausgefüllt werden. Konkret gesagt wird es im besten Falle zu einer österr. deutschen Okkupation kommen, mit irgend welchen, den Warschauer Puppen ähnlichen Ministergestalten - oder verschlingt uns wie- der Russland. Die Deutschen haben ihren Friedensvertrag loyal eingehalten. Wenn wir nun ihn nicht einhalten, dann werden wir hiezu von den Verhältnissen gezwungen werden, d.h. es wird eine Krise in der Cholmer und in der galizischen Frage erfolgen.Dann werden wir es nicht einmal wagen, jemanden anzuklagen. Das wäre in dieser chaotischen Lage noch nicht einmal das Schlimmste.Weit trauriger wäre es, wenn der zerzauste russische Adler seine Schwingen wieder über Ukraina ausbreiten würde. Dies zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Und wenn es für die Zentralmächte möglich wäre um einen solchen Preis einen all- gemeinen Frieden zu schliessen oder mit dem neukonsolidierten Russland friedliche Beziehungen wieder anzuknüpfen, so kann man nicht zweifeln, dass sie sich nicht weigern würden es zu ma- chen. Ein Uebergang zur alten Richtung könnte noch leichter durchgeführt werden, wie zur neuen. Es ist nicht der Zweck die- ses Artikels zu zeigen, auf welchem Wege aus diesem Chaos man sich herausfinden könnte, sondern nur darzulegen, dass die jetzige Lösung der ukrainischen Frage nur provisorisch ist und dass in jedem Augenblick eine andere kommen kann. Wir stehen /. - 4 - vor der Gefahr der Zerstörung unseres jungen Staates, welcher wie ein Meteor verschwinden kann, um sich nie mehr am politi- schen Himmel zu zeigen. Der Vorhang ist aufgehoben. Der fünfte Akt des Dramas beginnt. Von uns hängt ab, ob es so, wie wir es wünschen, en- digt, oder mit einer in unserer Geschichte beispiellosen Kata- strophe. Obwohl die Leute, welche der Zufall an die Spitze der ukrainischen Regierung gestellt hat, das verstehen wollen? Anlage 3. Memorandum der ukrainischen Juristen. /:Auszug aus der Kiewer Zeitung "Kiewskaja Mysl", vom 15.März 1918.:/ Die ukrainischen Juristen sind gelegentlich ihrer all- gemeinen Versammlung am 12.III. bei der Beurteilung der augen- blicklichen Lage in der Ukraine zu folgenden Forderungen gelangt 1).Unverzügliche Einberufung des Parlamentes. 2).Schaffung einer festen nationalen Regierungsgewalt, die eine Realpolitik auf breiter demokratischer Grundlage füh- ren muss. 3).An die Spitze der Truppen muss sofort ein Militarist treten, der ukrainischer Geburt ist und mit weitgehenden Voll- machten zu Kämpfe gegen die Anarchie auszustatten wäre. 4).Umbildung des Kabinetts, da das jetzige den Partei- strömungen nicht mehr entspricht und keine Autorität besitzt. 5).Unbedingt schleunigste Entfernung des Justizministers Tkatschenko, der den ukrainischen juristischen Organisationen offensichtlich feindlich gegenübersteht. 6).Zusammentritt eines völlig neuen Arbeitskabinetts aus Spezialisten ihrer Fächer, die sich nicht nur von den Par- teiinteressen leiten lassen. 7).Bei Auswahl des neuen Justizministers sei die Auf- merksamkeit der Zentralrada darauf gelenkt, inwieweit der be- treffende Kandidat im Sinne der nationalen ukrainischen Kultur- arbeit und als Richter hervorgetreten ist und inwieweit er in den ukrainischen Juristenkreisen Achtung besitzt. 8).Sofortige Lösung der Ernährungs- und Agrarfrage. Besserung der wirtschaftlichen Lage auf Grund der sozialen Evo- lution. - 2 - 9). Schaffung einer Nationalarmee, ohne die der Aufbau des Staates undenkbar ist. 10). Inangriffnahme der kirchlich nationalen Fragen. Zum Schutze der nationalen staatlichen Grundlagen der Republik fordern die Juristen folgendes: 1). Energischer Kampf mit der gegen die Republik gerichteten Agitation. 2). Erlass eines Gesetzes, dass im Staatsdienste nur ukrainische Bürger, die der ukrainischen Selbstständigkeit Treue geschworen haben, verwendet werden. Alle anderen sind sofort zu entlassen. 3). Staatssprache ausschliesslich die ukrainische. 4). Gesetzliche Festlegung dessen, dass an die Spitze aller staatlichen, städtischen, ländl. und anderen Körperschaften nur Ukrainer oder die der ukrainischen Sache geneigt sind und die Sprache beherrschen treten dürfen. 5). Auf die Agitation, die in den Kreisen der Stadtverwaltung sich gegen den ukrainischen Staat und die ukrainische Sache sich überhaupt richtet, wird besonders aufmerksam gemacht. 6). Für den Fall, dass den vorstehenden Forderungen nicht Folge geleistet wird, sagen die Juristen der Regierung Opposition an. - Telegramm Hughes in claris. An Major Br.Mirbech, Brest-Litowsk. 23.II.1918. Erbitte sofortiges telegrafisches Aviso, sobald fest- steht, wann Gesandter v.Rosenberg und deutsche Fachreferents dort eintreffen. Wiesner. Tel.in Ziffern. Graf Ottokar Czernin, Bukarest. Wien,25.II.1918. Mit Bezug auf vorgestrige Demarche Gesandten v.Wiesners bittet mich Ministerpräsident v.Seldler nachstehendes Tele- gramm an E.E. weiterzuleiten (offenbar als Antwort auf E.E. Tel.aus Czegled vom 22 d.M. Nr.2.): Graf Czernin. Da ich die Deklaration unterschrieben habe, so würde ich mich im Falle einer formellen Anfrage in einer sehr schwierigen La- ge befinden. Schweigen ist leicht, die Unwahrheit zu sagen, schwer. Auch würde ich zwischen zwei Stühlen auf der Erde sitzen, wenn aus der Ableugnung einer Abmachung geschlossen würde, dass die Regierung innerpolitisch in der Sache selbst eine ablehnende Haltung einnehme. Ich würde daher antworten, es sei selbstverständlich nicht richtig, dass im Vertrage die Teilung vereinbart worden sei. Ebenso selbstverständlich sei An Grafen Czernin, Bukarest. Wien, am 23.II.1918. Zu B.E. Tel.Nr.1.aus Czegled vom 22.Februar. Geheim. Laut telefonischer Mitteilung Herrn v.Rosenberg reist Herr Sewrjuk heute Abend von Berlin nach Brest ab, so dass ich diesen in Berlin nicht mehr erreichen könnte. Herr v.Rosenberg unterlässt, wie er mir mitteilte, mit Rücksicht auf die Kürze der ihm zur Verfügung stehenden Zeit jede Demarche bei Sewrjuk und verschiebt die Angelegenheit bis zu seinem Einlangen in Brest, wo er dieselbe gemeinsam mit mir durchführen will. Aus diesem Grunde muss ich die mir aufgetragene Reise unterlassen und Durchführung bis zum Eintreffen in Brest (voraussichtlich Dienstag oder Mittwoch) verschieben. Ich bitte gleichzeitig Beren Mirbach dahin zu wirken, dass Sewrjuk in Brest bleibt, falls dieser die Absicht hätte vor unserem Eintreffen dortselbst abzureisen. Herr v.Rosen- berg berichtet in der Sache an den Staatssekretär. Telegramm. Ottokar Graf Czernin, Bukarest,8.März 1918. Nr.128. Chiffre. Streng geheim. Für Ministerpräsident Dr.v.Seidler. Wie E.E. schon bekannt sein dürfte, wurde die den Ukr- ainern von uns gegebene geheime Deklaration im deutschen Ausw. Amte deponiert. Das bei Uebergabe an den Vertreter des deutschen Ausw. Amtes verfertigte Protokoll hat folgenden Wortlaut: /Inseratur Text dortamtlichen Tel.Nr.156 vom 8.d.M.: In Aus- führung des Punktes ..... bis Brest-Litowsk, am 4.März 1918/. Unterschrieben ist das Protokoll vom deutschen Gesandten v.Ro- senberg, Ges.v.Wiesner und den ukrainischen Bevollmächtigten. Ges.v.Wiesner meldet mir im Gegenstande weiter wie folgt:/Inser. dortemtl.Tel.Nr.156 v.8.d.M. von: Ich hatte in dem Protokoll- entwurf ... bis was er zur Kenntnis genommen/. Ich will mich mit vorstehend erwähnter mündlicher Erklärung nicht begnügen und telegrafiere daher an Ges.v.Wiesner: Ich kann mich mit der mündlich/A gegebenen Zusicherung nicht begnügen, dass das in Rede stehende Dokument s.f. im heutigen Tel.Nr.127.... Ueber den Fortgang der bezgl. Verhandlungen werde ich E.E. am Laufen- den erhalten. Ich möchte noch besonders betonen, dass alles Vorstehende streng geheim und nur für E.E. Information bestimmt zu betrachten ist. Bitte daher Inhalt dieses Tel. niemandem ge- genüber zu erwähnen. -0-0-0-0-0-0-0-0- Telegramm. Prinz Hohenlohe, Berlin, 11.März 1918. Nr.149. Chiffre. Streng geheim. Zu E.E.Tel.Nr.120 v.9.d.M. Das in obzitierten Tel.von E.E. erwähnte Protokoll ist bisher im Ausw.Amte noch nicht eingetroffen und befindet sich wohl noch bei Herrn v.Rosenberg in Bukarest. Ich habe Herrn v.Bussche den Wunsch E.E. mitgeteilt, es möge auch noch schriftlich festgestellt werden, dass der ganze Friedensvertrag mit der Ukraine samt der Geheimdeklaration bei Nichteinhaltung der Lieferungsverpflichtungen seitens der Ukra- iner hinfällig werde, so dass die bewusste Geheimdeklaration auch in diesem Falle seitens des Ausw.Amtes an uns auszufolgen sei. Herr v.Bussche erklärte, er sehe hiegegen keinerlei Be- denken und meinte, dass Herr v. Kühlmann und Herr v.Rosenberg, die ja beide in Bukarest wären, gewiss ebensowenig gegen die schriftliche Festlegung dieser Eventualität etwas einzuwenden haben werden. Gleichlautend Bukarest. Telegramm in Ziffern. Adresse: Prinz Hohenlohe, Berlin. Graf Czernin, Bukarest. Wien, am 9. März 1918. Streng geheim. Wie E.H. bekannt, habe ich aus Anlass des ukrainischen Friedensschlusses mit den Delegierten der ukrainischen Republik eine geheime Deklaration, betreffend den beiderseitigen Minoritäten­schutz ausgetauscht, welche die auf österreichischer Seite bestehende Absicht, bis 29. Juli 1918 ein Kronland aus Ostgalizien und der Bukowina zu errichten, schriftlich festgelegt. Diese Deklaration bildet einen integrierenden Bestandteil des Friedensvertrages mit der Ukraine und wird hinfällig, wenn die Ukraine die von ihr im Friedensvertrag übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllt, insbesondere auch, wenn sie die in einem besonderen Geheimprotokoll eingegangene Verbindlichkeit, bis 31. Juli an die Mittelmächte eine Million Tonnen Getreide zu liefern, nicht einhalten sollte. Da die ukrainischen Delegierten, wie mir mitgeteilt wurde, die Verpflichtung zum Stillschweigen über diese Abmachung nicht eingehalten haben, seh ich mich veranlasst von der ukrainischen Delegation anlässlich ihrer letzten Anwesenheit in Wien eine sichere Verwahrung des in ihren Händen befindlichen Exemplares der fraglichen Deklaration zu erwirken. In der Folge habe ich den Gesandten v. Wiesner beauftragt bei seiner letzten Anwesenheit in Brest-Litowsk von der ukrainischen Delegation zu verlangen, dass sie diese Urkunde dem deutschen Ausw.Amte zur Verwahrung übergebe, womit sich Herr v.Kühlmann mir gegenüber einverstanden erklärt hatte. Diesem Wunsche haben sich die ukrainischen Delegierten nach längeren Verhandlungen - 2 - gefügt, bei denen im Auftrage Herrn v.Kühlmanns auch Gesandter v.Rosenberg beteiligt war. Anlässlich der Übergabe dieser Ur- kunde an Herrn v.Rosenberg wurde folgende, von diesem, vom Ge- sandten v.Wiesner und von den drei ukrainischen Delegierten un- terfertigtes Protokoll aufgenommen: " In Ausführung etc. ..... bis ..Brest-Litowsk, 4.März 1918./Protokoll bereits übertragen/. In dem Entwurfe zu diesem Protokoll hatte Herr v.Wies- ner auch den eingangs erwähnten Fall vorhergesehen, dass der ganze Friedensvertrag samt der in Rede stehenden geheimen De- klaration infolge Nichteinhaltung der Lieferungsverpflichtungen der Ukraine hinfällig würde und dass bei Eintritt dieser Eventu- alität die fragliche geheime Deklaration vom deutschen Ausw. Amte gleichfalls an uns auszufolgen wäre. Die ukrainischen De- legierten hatten aber aus innerpolitischen Gründen abgelehnt diese Klausel in das Protokoll aufzunehmen, jedoch diese Bedin- gung mündlich als selbstverständlich bezeichnet. Hiervon hatte Herr v.Wiesner den Gesandten v.Rosenberg bei Übernahme der Urkunde in Kenntnis gesetzt und festgestellt, es bestehe Ein- vernehmen darüber, dass in diesem Falle die mehrerwähnte Dekla- ration nicht an die Ukraine, sondern an uns auszufolgen sei. Mit dieser lediglich mündlichen Zusicherung des deutschen Ausw. Amtes vermag ich mich nicht zu begnügen, da sie nur relativen Wert hat und ihre Dauer von der Existenz der derzeit bestehen- den Regierung abhängt. Ich werde demnach trachten bei Herrn v.Kühlmann zu erreichen, dass die in Rede stehende Feststellung auch schriftlich formuliert werde, bitte jedoch, dass E.E. gleichzeitig bei dortigem Ausw.Amte in gleichem Sinne einwirken. Der Berichterstattung E.E. über das Ergebnis Ihrer Schritte sehe ich entgegen. C z e r n i n , m.p - 2 - es aber, dass sich die Regierung in Bezug auf die innerpolitische Behandlung der Angelegenheit vollkommen freie Hand wahren müsse. Seidler. Telegramm. Graf Ottokar Czernin, Bukarest, am 7. März 1918. Chiffre. Nr.107. Geheim. Für Gesandten v.Wiesner. Ich bitte Euer Hochwohlgeboren um telegrafische Übermittlung des Textes jener Bestätigung, welche den Ukrainern für die Aushändigung des gewissen geheimen Briefes gegeben worden ist. Streng geheim. Euer Exzellenz] Erlaube ich mir in der Anlage die gewünschten Kopien der Geheimaabmachungen mit der Ukraine vorzulegen u.zw. sub.1.: Die geheime Deklaration, betreffend die Abtrennung Ost- galiziens. sub.2.: Das Protokoll, betreffend die Hinterlegung der stb 1. genannten Urkunde bei der deutschen Regierung und sub 3.: Das Protokoll , womit festgestellt wird, dass der Frie- densvertrag nichtig wird, falls die Lieferung von 1 Million Tonnen Getreide nicht bis 31.Juli effektuiert wird. Gehorsamst Wiesner. II. Protokoll. In Ausführung des Punktes 1 des am 19.Februar 1918 in Wien aufgenommenen Protokolles, wonach die ukrainische Volksre- publik sich zu einer sicheren Verwahrung der in den Händen ihrer Delegation in Brest-Litowsk befindlichen Deklaration de dto Brest-Litowak 9.Februar 1918,verpflichtet, welche Deklaration gewisse, in Oesterreich in Aussicht genommene Massnahmen zum Schutz der ukrainischen Bevölkerung in Oesterreich betrifft, wird Folgendes vereinbart: Die ukrainische Delegation übergibt und der kais.deu- tsche Gesandte und bevollmächtigte Minister Dr.v.Rosenberg übernimmt die fragliche Urkunde in die Verwahrung des kais.deu- tschen Ausw.Amtes nach Massgabe der folgenden Bestimmungen: - 2 - 1./Das kais.deutsche Ausw.Amt folgt die fragliche Dekla- ration dem k.u.k. Ministerium des Äussern nach vorheriger Zu- stimmung der Regierung der ukrainischen Volksrepublik zur Ver- nichtung aus, wenn die in diesem Dokument erwähnten Massnahmen zum Schutze der ukrainischen Bevölkerung in Oesterreich zum 20. Juli 1918 durchgeführt sind. 2./Falls diese Massnahmen zum Schutze der ukrainischen Bevölkerung in Oesterreich bis zum 20.Juli 1918 nicht durchge- führt sind, wird die erwähnte Urkunde der ukrainischen Volksre- publik nach vorheriger Verständigung des k.u.k. Ministerium des Äussern ausgefolgt werden. Ausgefertigt in drei Exemplaren, von denen je eines dem k.u.k. Ministerium des Äussern, dem kais.deutschen Ausw.Amte und dem Volksministerium des Äussern der ukrainischen Volkere- publik übergeben wird. Brest-Litowsk, am 4.März 1918. Wiesner m.p. Sewrjuk m.p. Rosenberg m.p. Mykola Lewyckyj m.p. - 2 - und die im allgemeinen von Tarnograd bis Bilegraj und dann längs der Westgrenze des Cholmer Gouvernements verlaufen wird. Gedacht ist hiebei, dass die westlichen Teile des Cholmer Gebietes, die überwiegend polnisch sind, bei Polen verbleiben sollen, während die östlichen ukrainischen Gebiete der Ukraine zufallen sollen. Durch eine entsprechende Darlegung dieses Gedankens in der Oef- fentlichkeit wird versucht werden die zu gewärtigende Erregung der polnischen Kreise über diese Bestimmung, die sich an das Schlagwort vom Selbstbestimmungsrecht der Völker hält, zu däm- pfen. Zusatzabmachung: 1/. Die Räumung der besetzten Gebiete der ukrainischen Republik, also hauptsächlich Wolhynien und Cholmer Landes soll zwar unverzüglich" nach Ratifikation des Friedensvertrages er- folgen, doch ist Durchführung der Räumung einer Kommission über- tragen, die nach stillschweigender Übereinkunft die Räumung in einem späteren Augenblicke und auch da nur sukzessive durchfüh- ren wird. Diese Bestimmung bietet uns die Handhabe, die Räumung hinauszuziehen, solange es uns beliebt. Die Ukraine selbst wünscht Besetzung noch längere Zeit aufrecht erhalten zu sehen, da sie sich nicht die Kraft zutraut Organisation zu übernehmen. Die Kriegskosten und Kriegsschäden werden gegenseitig aufgehoben. Für die Handelsbeziehungen wird folgendes Regime ge- schaffen: Bis zum 31.Juli d.J. tauschen die Mächte des Vierbun- des einerseits und die Ukrainische Volksrepublik andererseits g e s a m t e Überschüsse an landwirtschaftlichen und in- dustriellen Produkten aus. Diese Überschüsse sind sofort nach Unterzeichnung des Vertrages durch eine Kommission, die in Kiew zusammentritt, festzustellen. Diese Kommission wird auch sofort den Modus der Aufbringung und des Abtransportes vereinbaren. /. - 3 - 2/. In einem geheim zu haltenden Protokoll wurde beur- kundet, dass die Kommission sofort feststellen wird, dass die Ukraine einen Überschuss von mindestens einer Million Tonnen Brotgetreide besitzt, welche sie den Mächten des Vierbundes zur Verfügung zu stellen hat und dass wir bei Organisierung des Transportes mitzuwirken haben, wobei an eine sehr weitgehende Mithilfe durch Beistellung von militärischem und technischem Personale gedacht ist, so dass Aufbringung in unsere Hände kommen wird. Ausbedingungen ist in diesem geheimen Protokolle, dass wir erst denn zur Ratifikation bereit sind, wenn diese Kiewer Kommis- sion Detailbeschlüsse in diesem Sinne gefasst hat. Nach dem 31.Juli bis 6 Monate nach Abschluss des allge- meinen Friedens herrscht im allgemeinen das Regime unseres alten Handelsvertrages mit Russland. Für die Zeit nach dieser Periode ist ein neuer Handelsvertrag abzuschliessen. 3/. In einem grossen Zusatzvertrage, der noch nicht unter- schrieben, jedoch fertiggestellt ist, und nächster Tage zur Un- terzeichnung gelangt, werden alle administrativen, rechtlichen und sonstigen Details geregelt. Wichtig an diesen Bestimmungen ist, dass ein Ersatz der Kosten für die Erhaltung der Kriegsge- fangenen gegenseitig nicht stattfindet, dass dagegen die in ihren Privatrechten im Hinterlande geschädigten Privatpersonen Ersatz ihrer Schäden erlangen. 4/. Im Zusammenhange mit dem ganzen Friedensvertrage steht eine geheime Deklaration, die nur zwischen mir und den ukrainischen Delegierten ausgetauscht wurde, in welcher wir sagen, dass die künftigen freundschaftlichen Beziehungen da- durch gefördert werden, dass die polnischen, deutschen und jüdi- schen Minoritäten in der Ukraine und die ukrainische Bevölkerung in Oesterreich in ihrer kulturellen und nationalen Entwicklung gesichert werden. Ich meinerseits nehme zur Kenntnis, dass die Ukraine Gesetze in dieser Richtung erlassen hat; die ukrainischen /. - 4 - Delegierten nehmen zur Kenntnis, dass S.k.u.k. Apost.Majestät bei Regierungsentritt und in Tronrede Ausbau der in Oesterreich bestehenden Einrichtungen in Aussicht gestellt und dass Öst.Re-gierung demnach entschlossen ist bis spätestens 20.Juli d.J. Gesetzentwürfe einzubringen, womit "die von überwiegend ukrainischer Bevölkerung bewohnten Gebiete Ostgaliziens vom Königreiche Galizien abgetrennt und mit der Ukraine (soll wohl heissen Bukowina) zu einem einheitlichen Kronlande vereinigt werden" und dass "Österreichische Regierung mit allen ihr verfassungsmässig zur Verfügung stehenden Mitteln dafür eintreten wird, dass diese Vorlage Gesetzeskraft erhält." In einer Schlussklausel wird erklärt, dass diese Deklaration geheim zu halten ist und dass sie nichtig ist, wenn die Ukraine auch nur eine Bestimmung des Friedensvertrages nicht erfüllen sollte. Hiermit ist die Zusage der Schaffung eines neuen Kronlandes bestehend aus Ostgalizien und der Bukowina an die Bedingung geknüpft, dass die Ukraine bis 31.Juli mindestens eine Million Tonnen Getreide an die Mittelmächte abliefert. Ich ersuche E.E. von Vorstehendem S.k.u.k. Apost.Majestät und die beiden Ministerpräsidenten mit der Bitte in Kenntnis zu setzen, meine kommentierenden Bemerkungen und weiters insbesondere die Mitteilung über die Abmachung betreffend Ostgalizien als eine ausschliesslich persönliche und absolut geheim zu haltende betrachten zu wollen. Text des Friedensvertrages und der Deklaration folgt, sobald Kopien hergestellt, mit Kurier. UNSERE POLITIK IN DER UKRAINE. Die Meldungen, die über die Lage in der Ukraine einlaufen, lassen von Tag zu Tag deutlicher erkennen, dass wir exten- siv und intensiv über das bisherige Ausmass der militärischen Okkupation des Landes hinauszugehen gezwungen sein werden, wenn wir das Hauptziel der ganzen Aktion annähernd erreichen wollen : die Aufbringung und den Import des für die Fortfüh- rung des Krieges und die Abwendung von katastrophalen Erschei- nungen in unserem Hinterlande unerlässlich notwendigen quan- tums von Lebensmitteln. Wir beschränken uns derzeit auf die militärische Okku- pation und die Verjagung von Truppen der Bolschewiken, die Verwaltung des Landes überlassen wir aber grundsätzlich der Rada und ihren Organen. Wie sieht nun diese Verwaltung aus ? Ist das heutige Regime - von der Frage des guten Willens abgesehen - fähig, uns die nötigen Lebensmittel zur Verfügung zu stellen oder auch nur innere Zustände zu schaffen, die uns im Wege des An- kaufes ihre Beschaffung ermöglichen ? Dass die Rada durch ihre eigenen Organe die Aufbringung und, was ebenso wichtig ist, den Abtransport sichert, ist wohl als ausgeschlossen zu betrachten, da es ihr an einer ge- ordnet und sicher funktionierenden Organisation gänzlich fehlt. Dies wird sich auch nicht so bald ändern, denn die Rada hat weder Geld noch eine durchgreifende Exekutivgewalt, (Militär, Gendarmerie, Gerichte, Polizei) zu ihrer Verfü- gung, und wir können dieses Manko, solange wir dort nicht ein grösseres Machtaufgebot entfalten und überhaupt nicht über die reine Okkupation hinausgehen, nicht wettmachen. - 2 - Vor allem steht der Rada ihr eigenes Programm hin- dernd im Wege. Der leitende Gedanke der herrschenden sozialrevoluti- onären Partei ist die Aufhebung des individuellen Eigentums, die Konfiskation alles privaten Besitzes zugunsten des Staa- tes, auf der einen Seite und gleichzeitig der Anspruch jedes einzelnen an den Staat auf eine gleichmässige auskömmliche Exi- stenz andererseits. Das Resultat ist naturgemäss der Stillstand jeder wirt- schaftlich produktiven Tätigkeit. Niemand arbeitet, denn nie- mand ist sicher, dass er die Früchte seiner Arbeit behält und jeder erwartet von der Allgemeinheit, dass sie im Notfall für ihn sorgen wird. Der Bauer bestellt nur soviel seines neuer- worbenen Grundes, als er zum notwendigen Unterhalt für sich und seine Familie braucht. Er weiss ja nicht wer ernsten wird. Bergwerke, Fabriken stehen, der Handel ruht, die allgemeine Unsicherheit, die nicht nur eine Folge der Ohnmacht der Regie- rung, sondern eine unausweichliche Konsequenz des Kardinal- punktes ihres Programmes ist, lähmt alles wirtschaftliche Leben. Da kann die Militärmacht der Mittelmächte, selbst wenn sie auf das nötige Mass erhöht würde, allein nicht durchgrei- fend Wandel schaffen. Eine starke Exekutivgewalt kann eben nur dann dem Chaos und dem Lähmungszustand ein Ende machen, wenn sie der Vollstrecker einer festen und lebensfähigen Rechtsord- nung ist. Solange wir unseren Truppen die Aufgabe zuweisen, nur den Willen und das Programm der Rada, also des Kommunismus, zu verwirklichen, kann von einer Besserung nicht die Rede sein Solange bleibt es aber auch ausgeschlossen, dass wir, sei es durch die Rada selbst, sei es auf dem Wege des Ankaufes, auch nur annähernd jene Quantitäten von Lebensmitteln aus der Ukra- /. - 3 - ine herausbringen, die wir brauchen und die heute vielleicht noch dort vorhanden sein mögen. Um uns die Lebensmittel auf dem Wege der reinen Gewalt, wie etwa im Kriege im Feindesland, zu verschaffen, dazu sind wir heute nicht nur militärisch zu schwach, sondern dies würde, ganz abgesehen von schweren Rück- wirkungen auf internationalem Gebiet und im eigenen Lande, voraussichtlich an der passiven Resistenz und schliesslich an gewaltsamen Widerstande scheitern, zu dessen Niederringung wir wohl auch in einem späteren Zeitpunkte – nach Freiwerden der gegen Rumänien verwendeten Truppen – bei der ungeheueren Ausdehnung des Gebietes keine ausreichenden militärischen Kräfte besässen. Die Linie, die wir heute in der Ukraine verfolgen, liegt zweifellos zu weit links. Wir unterstützen nicht nur militärisch, sondern wir finanzieren auch – und zwar mit einem automatisch steigendem Aufwand – ein rein Kommunistisches Re- gime. Dies hat drei schwere Nachteile : 1) dass seine unver- meidliche Folge, die Unsicherheit des Besitzes und der fehlen- de Zwang zur Arbeit, unser Ziel, die Getreidebeschaffung, er- schwert wenn nicht vereitelt; 2) dass das unausweichliche Missl lingen des kommunistischen Experimentes auf unserer Konto fal- len wird; 3) dass wir gezwungen sind, die grossen wirtschaft- lichen Interessen vollkommen zu ignorieren und hiedurch in einen Konflikt mit den Polen geraten, den wir innen- und aus- senpolitisch vermeiden müssen. Verhaltens Die Linie unseres Verhältnisses in der Ukraine müs- te also unbedingt nach rechts gerückt werden. Für diese Ver- rückung nach rechts liegt die Grenze aber in der Tatsache, dass wir auf die Mitwirkung weiter Kreise der Bevölkerung, deren Interessen mit dem gegenwärtigen Regime bis zu einem gewissen Grade verknüpft sind, angewiesen sind. Diese Inte- ressen müssen berücksichtigt werden, sollen wir nicht einem - 4 - erbitterten und unüberwindlichen Widerstand gegenüberstehen. Konkret gesprochen: die Bauern haben heute das ganze, den Gutsherren abgenommene Land und so ziemlich sämtliche Getrei- devorräte in ihrem Besitze. Sie bilden die überwiegende Masse des Volkes. Innen den neuerworbenen Grund und Boden wieder ab- zunehmen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ebenso undurchführ- bar ist es, die Getreidevorräte gewaltsam herauszubekommen. Es gibt nur ein Mittel: die Bauern an dem möglichst vollstän- digen und intensiven Anbau des gesammten Bodens und an dem Ver- kauf ihres Getreides wirtschaftlich zu interessieren. Dies kann nur dadurch geschehen, dass ihnen der Besitz des Bodens, das Erträgnis der neuen Ernte sowie der Erlös aus dem verkauf- ten Getreide rechtlich - durch die gesetzliche Anerkennung als individuelles Eigentum - und faktisch - durch militäri- schen Schutz gegen Raub etc. - gesichert wird. Von einem Widerstand der Bauern kann natürlich trotz aller sozialistischen Theorien nicht die Rede sein. Sie sind durch die Revolution zu Besitzenden geworden und haben für kommunistische Ideen gewiss keine Neigung mehr, sondern im Ge- genteil ein brennendes Interesse daran, dass das Prinzip des individuellen Eigentums wieder zur Geltung gelange. Neben diesem Hauptpunkte, der Agrarfrage, treten alle an- deren Fragen mehr in den Hintergrund. Die Wiedereinführung des individuellen Eigentums wird hier gewiss Schwierigkeiten be- reiten, aber keine unüberwindlichen. Die vorgeschlagene Lösung der Bodenfrage stösst aber auf ein ernstes Hindernis: die Frage der Entschädigung des früheren Besitzers. Hier kommen zwei Umstände speziell für uns in Betracht: die Interessen der Polen und unser eigener Bedarf an grossen Summen in Rubeln für die Bezahlung der Getreidekäufe sowie /. - 5 - jener der ukrainischen Regierung für die Verwaltung des Lan- des, für die Aufrechterhaltung der ganzen staatlichen Maschi- ne, an der wir auch interessiert sind. ( z.B. Transportwesen). Die Rücksichtnahme auf die Polen, denen der Grundbesitz in einem grossen Teile der Ukraine gehört, verlangt, dass wir wenn schon nicht für Wiedereinsetzung in den früheren Stand, so doch wenigstens für eine angemessene Entschädigung eintre- ten. Keinesfalls können wir an der Durchführung der reinen Konfiskation uns aktiv beteiligen, ohne uns die Polen zu Fein- den zu machen. Nicht in derselben Lage ist allerdings Deutschland, das eine ausgesprochen ukrainophile Politik verfolgt, mit dem klar erkennbaren Ziel, gegen die Polen ein möglichst starkes Gegen- gewicht im Osten zu schaffen. Insbesondere die rechtsstehen- den und militärischen Kreise in Deutschland betrachten Polen als einen voraussichtlich feindlichen Faktor und man ist in Deutschland offenbar wenig geneigt, sich in der Ukraine durch Rücksichten auf die Polen stören zu lassen. Diese Politik kön- nen wir aus verschiedenen Gründen nicht mitmachen, ja wir wer- den sogar später vielleicht genötigt sein, für die Polen und gegen die Ukrainer zu optieren. Der zweite Punkt bezieht sich auf die Notwendigkeit, grosse Summen von Rubeln aufzubringen. Nach übereinstimmenden Meldungen ist der Papierrubel, obwohl er durch die ungeheuren Beträge, die zunächst das zaristische Regime und in noch höhe- rem Masse die revolutionären Regierungen während des Krieges emittiert haben, fast wertlos geworden ist, in der Ukraine fast gänzlich aus dem Verkehr verschwunden; es wurden offenbar enorme Summen, und zwar hauptsächlich von den Bauern the- sauriert. Infolgedessen herrscht in der Ukraine ein ausser- ordentlicher Mangel an Zahlungsmitteln und der notgedrungen /. - 6 - angewendete Ausweg der Zahlung mit Kronen und Mark hat eine Kurssteigerung des Rubels zur Folge, die uns natürlich nicht erwünscht sein kann. Die Aufbringung der sehr bedeutenden Beträge, die wir für unsere eigenen Zwecke ( Getreideeinkäu- fe ) und für die ukrainische Regierung ( z.B. Bezahlung der Eisenbahner ) benötigen, ist unter diesen Umständen ungemein schwierig. Der Vorschlag für Kronen und Mark einen Zwangkurs zu normieren, erscheint, abgesehen von anderen Bedenken ge- gen den Umlauf von Millionenbeträgen in Kronen in der Ukrai- ne, insoferne als ein fragwürdiges Auskunftsmittel, als es wohl recht zweifelhaft ist, ob der "auer trotz des Zwangs- kurses gegen Bezahlung in Kronen oder Mark zum Verkauf seines Getreides bereit sein wird. Dagegen ist ein Gedanke, der laut Meldung des Grafen Forgach im Kreise unserer und der deutschen Fachdelegierten in Kiew aufgetaucht ist, sehr beachtenswert. Er geht dahin, dass den Bauern das Eigentum, an dem von ihnen heute besesse- nen Grund und Boden gesetzlich gesichert werden soll, jedoch gegen eine angemessene Bezahlung. "Iezu werden sich die Bäu- ern wohl nur dann verstehen, wenn ihnen kategorisch erklärt würde, dass ohne eine solche Bezahlung ihnen der Grund nicht belassen werden wird, sei es, dass er Eigentum des Staates bliebe oder dem früheren Besitzer restituiert würde. Diese Vorgangsweise würde auch die Möglichkeit zu einer Entschädigung der polnischen Gutsbesitzer und zur Be- schaffung der notwendigen Summen von Rubeln bieten. Wir könnten nämlich die Entschädigung der polnischen Gutsbesitzer zu unseren Lasten übernehmen, -was durch Aus- gabe von Wertpapieren in Kronen geschehen könnte, - und hie- für dem ukrainischen Staate gegenüber deren Ansprüche gel- tend machen, so zwar, dass dieser uns die von den Bauern ge- zahlten Summen zum grössten Teile überlässt. Mit diesen Be- trägen in Rubeln würden wir sodann unsere Getreideeinkäufe /- - 7 - soweit sie nicht durch Import von Waren gedeckt werden, be- zahlen, während der Rest von der ukrainischen Regierung für ihre Verwaltungszwecke verwendet werden könnte. Die erste und unbedingte Voraussetzung einer solchen Aktion – wie überhaupt einer jeden Gesundung der Verhältnisse in der Ukraine – ist jedoch, dass das Prinzip der Nationali- sierung von Grund und Boden in der Ukraine aufgegeben und auch sonst das individuelle Eigentum wieder eingeführt werde. In dieser Richtung müsste eine Aktion eingeleitet werden, um die Rada, die ja schliesslich in jeder Hinsicht von uns und unserem Schutze abhängt, zur Annahme dieses Standpunktes zu bestimmen. Sollte dies aber nicht gelingen, dann müsste wohl erwogen werden, ob nicht ukrainische Elemen- te, die nicht kommunistisch gesinnt sind, – und solche müssten sich nicht nur unter den Intellektuellen und den besitzenden Klassen, sondern nach dem Gesagten auch in grosser Zahl unter den Bauern finden, – an die Macht zu bringen wären. Selbstverständlich wäre eine vorausgehende Einigung und ein einvernehmliches Vorgehen mit Deutschland die unum- gängliche Voraussetzung einer solchen Aktion. K.u.k. Armeeoberkommando. Op.Nr.141.365. An k.u.k. Ministerium des Äussern. Feldpost II. am 2.April 1918. Wien. In der Anlage gelangt ein Bericht über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Ukraine zur Ausgabe. Erhalten k.u.k. Min.d.Äussern, k.k. und k.u.Handelsmin. AOK.Quabt.,Na-abtg,Chef d.FEW.,2.AK.,I.und 7 AK.,Genkdo.- 1.Beilage. Waldstätten, GM. Bericht über die Verhältnisse in der Ukraine. Das gegenwärtige Regime in der Ukraine wird durch die Rada und das Ministerium repräsentiert. Beide sind nicht als Vertreter des Volkswillens anzusehen, sondern haben sich ganz willkürlich konstituiert. Die grosse Rada zählt 800 Mitglieder und entstand durch den Zusammentritt der Mitglieder der bestehenden Räte /Arbeiter- Bauern-und Soldatenräte/, der Vertreter verschiedenen Nationa- litäten, einzelner professioneller Verbände,etc. Die grosse Ra- da, deren Präsident Hruschevsky ist, tagt gegenwärtig nicht; aus ihrer Mitte wurde ein Ausschuss von 80 Mitgliedern /kleine Rada/ gewählt, welcher unter dem Vorsitz Hruschevskys alle 2 Ta- ge eine Sitzung abhält. - 2 - Das Ministerium, an dessen Spitze Holubowitsch steht, ist seiner Zusammensetzung nach beinahe gänzlich sozialrevolu- tionär. Es ist beinahe in allen Bevölkerungskreisen im ganzen Lande durchaus unpopulär und wird ausschliesslich durch die Macht der Zentralkräfte gehalten. Die gemässigten Parteien sind im Kabinett nicht vertre- ten. Die wenigen Anhänger, welche die Regierung zählt, rekrutie- ren sich aus jenem kleinen Kreise, der bereits im Frieden ukra- inisch separatistische Ideen verfolgte, ukrainisch national ge- sintt war und seit jeher eine Vereinigung aller Ukrainer in ei- nem selbstständigen Staatengebilde anstrebte. Ausser diesen zählen nur noch eine Anzahl von Doktrinären und Kathedersozia- listen zu ihren Anhängern. Die Mitglieder der Regierung und die Beamten sind mit wenigen Ausnahmen unreife, meist sehr jugendliche Elemente, Theoretiker, welche zwar wohl im Stande sind Schlagworte zu prägen und utopische Programme aufzustellen, denen aber die Fähigkei- ten mangeln ihre Theorien zu realisieren. Bis zum Ausbruch der Revolution haben diese Leute im öffentlichen Leben keine Rolle gespielt, sind daher in weites- ten Kreisen völlig unbekannt. In den meisten Fällen besitzen sie wohl den guten Willen, es mangelt ihnen aber die nötige Vor- bildung. So war zum Beispiel Finanzminister Katschenko früher Solizitor eines Advokaten. Mehr noch als der Mangel an Sach- kenntnis macht sich jedoch das Fehlen jeglicher Organisations- fähigkeit geltend. Nach Ausbruch der Revolution und nach Selbstständigkeits- erklärung der Ukraine ging die "Regierung daran, sich in Anlehnung an das Bestehende einen Apparat zu schaffen, welcher infolge der Belassung der meisten Beamten und vielleicht auch infolge der Trägheit noch ganz leidlich weiter funktionierte. Mitgewirkt mag wohl auch der Umstand haben, dass die russ.Verwaltung, welche wie keine andere zentralisiert war, infolge der grossen Entfer- - 3 - nungen der Zentralstellen und der Langsamkeit der Beamten be- reits im Frieden gewohnt war weiter zu arbeiten, auch wenn Ent- scheidungen und Weisungen längere Zeit ausblieben. Die Vertrei- bung der Regierung durch die Bolschewiki brachte die Zertrümme- rung dieses Apparates mit sich. Die Beamten wurden verjagt, die Kanzleien und Ämter bis auf die nackten Wände ausgeplündert, die Akten vernichtet, die Verbindungsmittel zerstört. So stand die Regierung nach ihrer Rückkehr tatsächlich vor dem Nichts und hätte Neues schaffen müssen. Dieser Aufgabe zeigte sie sich keineswegs gewachsen. An Stelle der getöteten und geflohenen Beamten wurden sowohl in den Zentralstellen wie auch in der Provinz meist junge unerfahrene Leute eingesetzt. Häufig griff man auch auf solche, die, wegen ihrer politischen Bestrebungen aus Russland verbannt, jahrelang im Auslande gelebt hatten und nun den Weg zur Rückkehr offen fan- den. Diese Leute sind natürlich weder über die wirtschaftlichen noch politischen Verhältnisse des Landes ausreichend unterrich- tet. Die von Regierung angeblich zur Überwachung /bisjetzt aber Verhinderung/ der Ausfuhr in die Grenzorte und Eisenbahnstatio- nen entsendeten Kommissäre sind meist ganz minderwertige Ele- mente. Es sind sogar Schmierenschauspieler darunter. Sie stehen im direkten telephonischen Verkehr mit den Ministern und sind von der Wichtigkeit ihrer Persönlichkeit vollauf eingenommen. Sie halten sich doch meist des durch Truppen bewachten Bahn- hofes auf, weil sie, sobald sie sich am flachen Lande zeigen, befürchten müssen von der Bevölkerung ermordet zu werden. Das Beiseitedrängen aller reiferen, erfahreneren Ele- mente, die Ausschaltung aller gemässigten Parteien von der Mit- arbeit am staatlichen Leben, das sozialistische Programm der Regierung und ihre absolute Unfähigkeit Ruhe und Ordnung zu schaffen, machen sie in weitesten Kreisen unpopulär. Die ganze Bewegung und Selbstständigmachung der Ukraina geht, wie bereits erwähnt, von einer kleinen Anzahl von Leuten - 4 - aus, die zum grossen Teile der studierenden Jugend angehören. Weder der Bauer, noch der Städter, noch der Grossgrundbesitzer oder die Beamten fühlen sich als Ukrainer. Sie alle sind Russen bzw. Polen. Auch die Offiziere denken zum grössten Teile insgeheim grossrussisch und geben sich, vermutlich nur um eine Existenz zu finden, zu ihrer Rolle her. Die ukrainische Sprache wird beinahe von niemandem be- herrscht und .Is ein künstliches Erzeugnis betrachtet. Filmvor- führungen mit Texterklärungen in ukrainischer Sprache verursa- chen in den Kinos nur Heiterkeitserfolge. Von einem ukrainischen Nationalbewusstsein kann daher überhaupt nicht gesprochen werden. Aus allen Kreisen der Bevölkerung vernimmt man die immer wie- derkehrende Ansicht, dass die selbstständige Ukraine ein Phan- tom sei und dass sie über kurz oder lang wieder an Grossruss- land fallen müsse. Die Mehrheit der Bevölkerung dürfte wohl auch ein monarchisches System dem jetzigen Zustande vorziehen; es wird immer wieder betont, dass es allen unter dem früheren Regime viel besser ging. Zu Beginn der Revolution standen einige bedeutende Per- sönlichkeiten an der Spitze der Bewegung. Diese zogen sich mit der Zeit zurück, wobei sie erklärten, die Verantwortung für die "Dummheiten", die hier gemacht würden", nicht tragen zu wollen. Die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit führt zu einem ständigen Wechsel innerhalb des Ministeriums. Es vergeht beina- he kein Tag, der nicht neue Minister bringt. Der Anstoss hiezu geht wohl zum Teil auch von den bürgerlichen Elementen aus, möglichst bald wenigstens halbwegs geordnete Zustände zu schaf- fen. Da ein Sturz der Regierung, solange diese von den Zentral- mächten gehalten wird, ihnen nicht möglich erscheint, so versu- chen sie wenigstens eine Umbildung des Ministeriums zu errei- chen. So trachten sie an Stelle dieses rein politischen und arbeitsunfähigen Ministeriums ein neutrales arbeitsfähiges zu /. - 5 - setzen. Die Einberufung der Konstituante wird zwar immer wieder erwähnt, doch werden hiefür keinerlei Vorarbeiten getroffen. Die Regierung fürchtet augenscheinlich, dass bei den Wahlen die wahre Volksstimmung zum Ausdruck kommt, womit naturgemäss ihr Schicksal besiegelt wäre. Die heikelste Frage, welche ein Zusammengehen der Regierung mit den Zentralmächten auf die Dauer unhaltbar macht, ist ohne Zweifel die Agrarreform. Im 3. Universale hat die Regierung die Enteignung von Grund und Boden ausgesprochen und die Verteilung des toten und lebenden Inventars der Grossgrundbesitzer angeordnet. Der Grund hierfür lag einerseits in dem Bestreben nicht hinter dem bolschewistischen Programm zurückzubleiben und so die Bauernschaft in die Arme der Bolschewiki zu treiben, zum grössten Teile spielen hier aber politische Beweggründe mit. Der Grossteil des Grundbesitzes befindet sich in den Händen der Polen und auch Grossrussen; diese hatten bisher im Lande die führende Rolle. Durch die Enteignung werden sie ihrer Machtmittel beraubt und verlieren jeden Einfluss im Lande, wodurch der ukrainischen Minorität die Vorherrschaft im politischen Leben gesichert wäre. Die Bauernschaft ist dieser Aufforderung der Regierung derart rasch und gründlich nachgekommen, dass alles Vieh, alle Vorräte, auch das Saatgut durch sie geraubt und verschleppt wurden. Das, was sie an totem Inventar, /Maschinen, Gebäude/ nicht mitnehmen konnten, wurde in vandalischer Weise zerstört. Bemerkenswert ist nur, dass nach mehrfachen Angaben, die ich erhielt, die Besitzungen jüdischer Pächter und Besitzer nicht devastiert wurden. Dies lässt im Zusammenhang mit zahlreichen anderen Meldungen und Aussagen darauf schliessen, dass auch in der Ukraine die revolutionäre Bewegung zum grossen Teile jüdischen Ursprungs ist. So soll die Justifizierung der Offizieren im Monate Februar und Jänner in Kiew /2.576 an der Zahl/ zum grössten Teil auf die Machenschaften einer Jüdin "Frau Bosch" zurückzuführen sein. Die Frage der Sozialisierung des Bodens war - 6 - jedoch durch bloße Erlassung dieses Manifestes nicht gelöst. Es war dieses eher einem Programm, denn einem Gesetz vergleichbar. Die Bestimmung, dass aller Boden /nur bebauter, Forste etc. ver- bleiben Staatseigentum und werden staatlich bewirtschaftet/den Bauern gehöre, wurde mit dem Vorbehalt gemacht, den Boden in allen Gemeinden nach der Kopfzahl aufzuteilen. Da hiervon auch die besitzenden Bauern, deren es eine ziemliche Anzahl gibt, betroffen erscheinen, so sind diese naturgemäss ausgesprochene Gegner der Regierung, da sie sich in ihrem Besitzstand bedroht fühlen. Von den besitzlosen Bauern will jeder die besten und ertragsreichsten Parzellen erhalten und die schlechtesten lie- ber seinem Nachbar überlassen. Es ist daher gar keine ungewöhn- liche Erscheinung, dass die Bauern und die Dörfer untereinander um den Besitz irgend eines Grundstückes oder Inventargegenstände kämpfen und sich mit Hilfe der käuflich erworbenen, gestohlenen oder einfach angeeigneten Waffen regelrechte Gefechte liefern, in welchen Maschinengewehre, Geschütze und Handgranaten eine große Rolle spielen. Die Regierung ist dem gegenüber machtlos, umsomehr da sie sich selbst darüber völlig im Unklaren ist, in welcher Wei- se der Boden verteilt werden soll. Die Frage ist bis heute noch offen geblieben und es macht den Anschein, als ob nunmehr auch die Regierung bereits zum Bewusstsein gekommen wäre, dass die Art der Agrarreform, die ihr vorschwebte, nicht durchführbar ist. Nur kann sie in dieser nicht mehr zurück, will sie nicht ihren Bestand gefährden. Schon das bloße Zögern in dieser Fra- ge hatte zur Folge, dass die Bauern eine Programmänderung wit- terten und eine feindselige Haltung einnahmen. Wenn auch die Regierung versicherte, sie werde ihr Programm unter allen Um- ständen aufrechterhalten, so ist nunmehr doch bereits das Miss- trauen der Bauern geweckt. Ganz zufriedengestellt ist daher kei- ne Partei. /. - 7 - Die Folge aller dieser Zustände ist, dass beinahe nichts angebaut ist. Der Grossgrundbesitzer ist hiezu ausser Stande, da ihm die Arbeitskräfte, das lebende und tote Inventar und das Saatgut fehlen. Er erklärt auch rundweg, dass er selbst bei Bei- stellung dieser fehlenden Dinge nicht anbauen würde, wenn nicht vorher das Besitzrecht wieder hergestellt sei. Der Bauer sei- nerseits findet keine Notwendigkeit anzubauen; von Natur aus faul, ist er nicht bestrebt durch Arbeit seine Lage zu verbes- sern. Er verfügt über genug Vorräte, um auch ein Jahr auszu- kommen, und wo dies nicht der Fall ist, baut er eben nur soviel an, als er für seine Bedürfnisse benötigt. Geld, welches nebenbei bemerkt, für ihn völlig wertlos ist, besitzt er reichlich; Be- dürfnisse, ausser Schnaps, hat er keine, /Letzteren brennt er sich aus seinen Getreidevorräten/ und die Hungersnot in den Städ- ten oder gar im Gebiete der Zentralmächte lässt ihn natürlich völlig/ kühl. Wenn nicht bald Wandel geschaffen wird, so ist zu erwar- ten, dass der grösste Teil des Landes nicht angebaut wird und nicht/ die Ukraine wird in kurzer Zeit nicht nur in der Lage sein, Ge- treide zu exportieren, sondern sie wird ihren eigenen Bedarf nicht mehr decken können. Insbesondere in den Städten wird noch grössere Teuerung und Hungersnot Platz greifen. Die Regierung ist jedenfalls nicht in der Lage hier Ord- nung zu machen und ist auch gar nicht gewillt dazu. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen stellten die Bauern ohne jede äusse- re Einwirkung vielfach den Grossgrundbesitzern das geraubte Vieh nebst Vorräten zurück. Es genügte also blosse eine Anwesenheit einer Autorität, um das Rechtsgefühl bzw. die Furcht vor Strafe in diesen Leuten wieder zu wecken. Die Regierung, welche von diesen Vorgängen Kenntnis erhielt, ordnete jedoch in einem neuer- lichen Universale, welches in jedem Dorfe sogar unter Glas anzu- schlagen war, an, dass die Bestimmungen des 3.Universals voll aufrechtzuerhalten seien. Die Bauern holten sich wieder die Sa- chen zurück.Die nächste Ernte erscheint unter diesen Verhältnis- sen ernstlich gefährdet. /. - 8 - Aber auch die Erfassung der von früheren Ernten noch im Lande vorhandenen Vorräte wird bei Nachgiebigkeit gegen die Re- und Achtung ihrer Souveränitätsrechte nur im beschränkten Masse möglich sein. Eine der wichtigsten Massnahmen hiezu wäre die Entwaffnung der Bevölkerung und die Erfassung der Vorräte im milit. Requisitionswege, wenigstens insoweit, dass den Händlern milit. Assistenz beigegeben wird, da sie sich schutzlos kaum in die Dörfer wagen dürfen. Eine Anzahlung mit Geld oder eine blosse Quittierung würde die Bauern zweifellos noch mehr ver- stimmen. Erfolgversprechend wäre wohl der Tausch durch Waren. Hiebei würde meiner Ansicht nach der Alkohol, insbesondere der Schnaps eine grosse Rolle spielen. Es wäre ein sehr gangbares Tauschobjekt. Dieser Vorgang hätte ausserdem zur Folge, dass ein grosser Teil des Getreides, der nunmehr zu Schnaps gebrannt wird, zum Vorschein käme und seiner eigentlichen Bestimmung zu- geführt werden könnte. Was die Durchführung der Agrarreform anbelangt, so wird eine gänzliche Zurücknahme der gemachten Versprechungen wohl nicht möglich sein, ohne ernstere Unruhen hervorzurufen. Nach Ansicht der Grossgrundbesitzer liesse sich diese Frage aber doch auf einem beide Teile zufriedenstellenden Wege lösen. Ein grosser Teil der Grossgrundbesitzer scheint bereit zu sein, ei- nen Teil ihres Besitzstandes gegen eine entsprechende Ablösung an die Bauern zu überlassen. Sie vertreten die Ansicht, dass der Bauer mit der Lösung gerne einverstanden wäre. Geld besitze er in Hülle und Fülle, er werde daher sehr froh sein, dieses für ihn völlig Wertlose in Grund und Boden anlegen zu können. Das System des Mir /periodisch wiederkehrende Landauftei- lung/ ist in der Ukraina gänzlich unbekannt. Der Gedanke der So- zialisierung des Bodens in dieser Form ist daher dem ukrainischen h/ Bauern durchaus nicht sympathisch. Bei seinem sprichwörtlichen Misstrauen glaubt er seine Rechte, nur wenn sie verbrieft sind, gesichert, hegt also immer die Angst, dass ihm das Geraubte wie- - 9 - der abgenommen werden wird. Wenn er jetzt die Möglichkeit hat zu annehmbaren Preisen und auf Grund des "blauen Papiers" /No- tariatsakte in Russland auf blauem Papier/ den Boden gesichert zu erhalten, so wird er mit beiden Händen zugreifen. Dieser Vorgang wäre leicht durchzuführen, da ja eine Aufteilung des Bodens tatsächlich noch nicht durchgeführt. Es hätte ausserdem den grossen Vorteil, dass die versteckten Barg geld-Vorräte wenigstens zum grossen Teil zum Vorschein kämen. Inzwischen wäre es notwendig dem Bauern klar zu machen, dass eine Agrarreform wohl durchgeführt werden wird, /in angedente- ter Weise/, dass dies aber nicht von heute auf morgen gemacht werden kann, sondern längere Erhebungen erfordert, sollen alle Teile zufriedengestellt werden. Vorläufig sei das Wichtigste den Boden zu bestellen, um einer Hungersnot vorzubeugen. Daher müsste das den Grossgrundbesitzern geraubte Gut wieder zurück- gegeben werden, dann erst wäre die Agrarreform im gegenseitigen Einvernehmen aller Betroffenen zu lösen, Diese Ansicht hat Zweifellos viel für sich; es ist nur die Frage, ob der Bauer die Einsicht hat und wirklich mit der Bestellung des Landes be- gonnen wird. Verzögert dürfte diese Sache jedenfalls nicht werden; falls es sich herausstellen sollte, dass die Bauern dazu nicht gutwillig zu haben sind, müsste auch hier mit oder gegen den Willen der Regierung die Einsetzung der Besitzer in ihre früheren Rechte und die Rückgabe des Geraubten mit Waffen- gewalt erzwungen werden, wobei ja der Gedanke einer späteren Agrarreform nicht ausgeschaltet werden muss. Gibt sich die Regierung dazu nicht her, dann muss eben an ihre Stelle eine andere, die sich in dieser Frage noch nicht blossgestellt hat. Was die Menge der im Lande vorhandenen Vorräte anbe- langt, so sind die Meinungen darüber sehr verschieden. Ostapenko /Handelsminister/ ist in dieser Hinsicht Optimist und erklärt /. - 10 - allen Anforderungen der Zentralmächte entsprechen zu können. Es muss aber berücksichtigt werden, dass Ostapenko eben zu jenen zählt, die infolge langjähriger Abwesenheit von der Ukraine wohl kaum ganz zutreffend über die Verhältnisse orientiert sein dürften. Nach Ansicht der Grossgrundbesitzer war die letzte Ernte nur in Wolhynien, Podolien und dem westl. Teil des Gouv. Kiew gut, ansonsten in allen Gouvernements eher eine Missernte. Die ersten Gebiete hatten so viel wie Bessarabien, zum grösst- ten Teil die Versorgung der Armeen zu liefern. Uebermässig viel dürfte daher nicht mehr vorhanden sein. Abzüglich des Eigenbe- darfes der Ukraine schätzen diese Leute die Ausfuhrmöglichkeit auf 3-5 Millionen Pud, das sind 50.-80.000 Tonnen. Diese sind jedoch über das ganze Land verteilt, zum grössten Teil ver- steckt und wie schon erwähnt nicht leicht zu erfassen. Ausser Getreide kommt zunächst Zucker für die Ausfuhr in Betracht. Wenn der Bedarf daran in der Monarchie auch kein unbedingt dringlicher ist, so kann er doch als Kompensations- objekt in unserem ausländischen Handel mit Vorteil verwendet werden. Die Ukraina lieferte im Frieden 85% der gesammten Zuckerproduktion Russlands (ca 85,000.000 Pud) wovon ca 20,000.000 in der Ukraine selbst konsumiert werden. In den Kriegsjahren sank die Produktion um 50%, der Grossteil der aufgestapelten Reserven wurde verbraucht. Seit 1914 sind die Arbeitslöhne in den Fabriken fabelhaft gestiegen, die Arbeits- zeit wurde immer kürzer und der Ertrag immer geringer. Eine genaue Statistik über die Menge der derzeit vorhandenen Vorräte fehlt, doch dürfen bei einer Erzeugungsbasis von 4,000.000 Pud monatlich /Eigenbedarf abgerechnet/ in allen Fabriken ins- gesamt 15,000.000 - 20,000.000 Pud vorrätig sein, welche aus- geführt werden könnten. Der Ertrag der Kampagne 1918/19 wird mit Rücksicht auf die herrschenden Verhältnisse mit höchstens 10,000.000 Pud /. - 11 - eingeschätzt. Der Boden ist zwar bereits und der Samen vorrätig, doch fehlen die Maschinen und Arbeitskräfte. Vieh ist reichlich vorhanden, da der Viehstand durch den Krieg nur wenig gelitten hat. Stellenweise sollen die Verhältnisse besser sein, als vor dem Kriege. Das ganze Vieh ist aber auch bei den Bauern verteilt. Die Regierung beabsichtigt den Außenhandel grösstenteils zu monopolisieren. Solche zentral bewirtschaftete und von Regierung zu Regierung gehandelte Artikel sollen sein: Getreide, Oelsaaten, Zucker, Tabak, Salz, Speck, Fette, Leder, Kohle, Textilwaren etc. Ebenso sollen auch die Importe, welche welche für die bäuerliche Bevölkerung bestimmt sind /landwirtschaftliche Maschinen, Sensen, Sicheln, Werkzeuge etc./ von Regierung zu Regierung gehandelt werden und durch die Regierung gehandelt werden und durch die Regierung im Lande verteilt werden. Nur jene Waren, bei denen die Lieferungsmöglichkeit zweifellos den Bedarf reichlich zu decken im Stande sein wird, sollen frei gehandelt werden dürfen. Dieser Vorgang wäre in einem völlig geordneten Lande mit ordentlichem Verwaltungsapparat gewiss ganz gut, hier aber erscheint er undurchführbar. Weit über empfiehlt sich die Ausnützung bereits bestehender industrieller und kommerzieller Vereinigungen. So wird von dieser Seite die Bildung eines Syndikates aus den Banken, Grossgrundbesitzern und Industriellen unter Patronanz der Regierung angeregt. Dieses Syndikat sollte bei einer an die Regierung zu leistenden Abgabe den gesamten Außenhandel in die Hand nehmen, wobei es sich keineswegs um eine reine Monopolisierung handeln soll, sondern dem freien Handel volle Entwicklungsmöglichkeit geboten werden soll. Dieser Vorgang würde auch unseren Geschäftsleuten relativ mehr Sicherheit bieten, als ein Zusammenarbeiten mit der ukrainischen Regierung. Die finanzielle Lage der Regierung und des Landes kann /. - 12 - als trostlos bezeichnet werden. Die Regierung verfügt über kei- nerlei Mittel. Als Zahlungsmittel wird russ. Geld aller Art, Coupons der inländischen und ausländischen Anleihen, Briefmarken etc. in Zahlung genommen. Für keines dieser Zahlungsmittel ist ir- gend eine Deckung vorhanden, ebenso auch nicht für das neu zur Ausgabe gelangende ukrainische Papiergeld, welches infolge Man- gels von Maschinen im Ausland gedruckt werden muss. Hartgeld ist überhaupt keines im Umlaufe. Weberall macht sich der emp- findliche Mangel an Bargeld bemerkbar. 8-10 Milliarden sollen bei der Landbevölkerung zurückgehalten werden. Der Geschäfts- verkehr wird dadurch schwer geschädigt. Sowohl die privaten, wie auch die staatlichen Unternehmungen waren bis in letzter Zeit ausserstande den Arbeitern und Beamten Löhne auszuzahlen. So sind in der Zuckerindustrie die Arbeiter seit Monaten nicht entlohnt. Die Folge davon ist, dass die Arbeitszeit immer kür- zer, die Arbeitsleistung immer geringer und die Lohnforderun- gen immer höher werden. Die Fabriken besitzen zwar durchwegs grosse Guthaben in den Banken, diese aber sind ausserstande sie zu realisieren. Es besteht die Gefahr, dass die Arbeiter sich an den Vorräten schadlos halten, wobei sie wahrscheinlich nicht nur den ihnen zukommenden Teil, sondern vermutlich alles nehmen werden. Die Eisenbahner erhielten seit 3 Monaten keine Bezahlung; ein Ausstand war stündlich zu erwarten. Nach langwierigen Ver- handlungen erst war die Regierung zu bewegen, dass die Eisen- bahn von uns gezahlt werden, wobei die Auszahlung aber durch ukrainische Beamte erfolgen muss, um nur ja nicht den Schein eines Eingriffes in die Souveränitätsrechte der Regierung zu erwecken. Die derzeitige einzige Einnahmequelle der Regierung ist das Zuckermonopol, welches vor einem Jahre eingeführt wurde. Der Verkaufspreis wurde mit 48 Rubel per Pud - 13 - normiert, doch wurde bezüglich des Preises, den die Regierung den Fabrikanten zahlen soll, noch keine Einigung erzielt. Es wurde den Fabrikanten vorläufig 15 Rubel per Pnd versprochen, aber auch diese wurden nicht gezahlt. Die Preise aller Bedarfsartikel sind mehr in die Höhe gegangen. Hierfür seien einige Beispiele angeführt. Es kosteten: Rubel Frieden jetzt Herrenanzug ............ 100 ................... 900 Herrenschuhe .......... 15-20 .................. 100-150 Damenschuhe ........... 18-25 .................. 150-200 Herrenhemd ............. 6 ....................... 20 Herrenhut .............. 12-15 .................. 40-45 Pfund Waschseife ...... 0.30 ................... 3 1 St. Toilettenseife ... 0.20 ................... 4-5 1 Pfund Tee ............ 3.25 ................... 15-20 " " Kaffee ............. 0.60 ................... 10 Weizenmehl ............ 0.05 .................. 1.40- 1.50 Schmalz ............... 0.60 ................... 12 Rindfleisch ............ 0.13 ................... 2 Kartoffel .............. 0.005 .................. 0.35 1 Ei ................... 0.015 .................. 0.25 Was Verkehr und Transportmittel anbelangt, so hat die- ser Apparat nie völlig zu funktionieren aufgehört. Die Zustände haben sich allerdings im Laufe der Zeiten geradezu chaotisch verwirrt, doch haben sie sich in überraschend kurzer Zeit ge- bessert und wieder regelmässige Formen angenommen. Das Verdienst hiefür fällt allerdings nicht der Regierung zu, sondern den Eisenbahnen. Als oberste Eisenbahnbehörde fungiert ein noch in Bildung begriffenes Eisenbahnministerium, welches ebenso un- fähig ist wie die übrigen Ministerien. Hingegen haben sich die im Fircden bestehenden Institutionen vollauf bewährt. Es sind dies die Betriebsdirektionen und die ihnen unterstellten Be- triebsleitungen. /. - 14 - Über den Zustand der Bahnen im Bereich der Direktionen Charkow, Jekaterinoslaw und Kursk fehlen alle Daten. Die Bahnen westl. des Dnjepr sind in einem guten Zustande. Der bauliche Bestand ist in allen Belangen voll erhalten und in gutem Zustande, das Personal ist vollzählig vorhanden, nur einige ausgesprochen gross.russ. Beamte wurden entfernt. In Hinkunft sollen nur mehr Ukrainer angestellt werden. Die Beamtenschaft ist überaus willig, was sich hauptsächlich dadurch erklärt, dass sie uns dankbar sind wieder geordnete Verhältnisse geschaffen zu haben. Wieviel rollendes Material erbeutet wurde, ist noch nicht völlig geklärt. Da Kohlen infolge der Absperrung der Kohlengebiete gänzlich mangeln, erfolgt der Betrieb der Lokomotiven mit Holzheizung. Die Leistungsfähigkeit der Lokomotiven wird hiedurch sehr herabgesetzt und damit auch die Leistungsfähigkeit der Bahnen überhaupt. Der Mangel an Reparaturmaterial und die geringe Leistungsfähigkeit der Werkstätten /6 stündige Arbeitszeit; Akkordarbeit wird durch Regierung nicht zugelassen/ vermindert die Leistungsfähigkeit der Bahnen noch weiter. Abhilfe wäre eventuell zu finden, indem man die ziemlich leistungsfähigen Werkstätten der stillstehenden Zuckerfabriken in Reparaturwerkstätten umgestaltet. Da 2/3 der Zuckerfabriken mit Geleiseanlagen versehen sind, so wäre dies unschwer durchführbar. Eine andere Frage bleibt jedoch die Aufbringung qualifizierter Arbeiter. Hierfür wäre womöglich votzusorgen. Bezüglich der milit. Verhältnisse und des Heerwesens in der Ukraine wird gesondert berichtet werden. Anmerkung: Wieder ein Fall, wo uns ein anonymer Bericht mitgeteilt wird.- Vertreter des k.u.k.Ministeriums des Äussern beim k.u.k. Armeeoberkommando. Nr.28.287. Baden, am 4.April 1918. Gegenstand: Politische Lage in der Ukraine. An Seine Exzellenz den Herrn Minister des kaiserl. und königl. Hauses und des Äussern Ottokar Grafen C z e r n i n . Über seine ersten Eindrücke bei der Ankunft in Kiew er- stattet der Bevollmächtigte des k.u.k. Armeeoberkommandos bei der ukrainischen Regierung nachstehenden, lesenswerten Bericht: "Meine bisherige dreitägige Anwesenheit in Kiew verwer- tete ich zur Fühlungnahme mit den leitenden ukrainischen und deu- tschen Stellen. Im Nachfolgenden fasse ich die hiebei gewonnenen Eindrücke kurz zusammen. In der Grenzstation Woloçyska und bei meiner Ankunft in Kiew liess ich mich durch die ukrainische Regierung offiziell empfangen und begrüssen. Der Kriegsminister und der Minister des Auswärtigen bemühten sich persönlich um meine Unterbringung. Der wegen der unsicheren Verhältnisse ständig in seinem Salonwagen mit dampfender Lokomotive am Bahnhof wohnende Präsi- dent der Rada, Hruszewskyj, bat mich sogleich nach meiner Ankunft zu sich. Ein hilfloser, bedeutungsloser Greis, der den jungen Ehrgeizlingen der Rada als ehrwürdiges Aussenschild dient. Als er mir gleich eingangs die Schwierigkeiten seiner Lage schilder- te, versprach ich, ihn im Falle der Gefahr unter meinen Schutz zu stellen. Zum Empfang des tags darauf gleichfalls in Kiew einzie- - 2 - henden GO.v.Linsingen hatte sich, scheinbar infolge eines Verse- hens im deutschen Arrangement, niemand von den leitenden Ukra- inern eingefunden. Gelegentlich meines Ministerbesuches fand ich nur zwei Männer von Bedeutung, denen die Fähigkeit zur Lei- tung eines grossen Befehls-oder Verwaltungsapparates zugespro- chen werden kann. Es sind dies: Gn.Sliwinskyj, der Chef des Generalstabes und Gn.Bronskyj, kommandierender General von Kiew. Beide junge, willensstarke und militärisch gebildete Männer,die schon im ehemals kaiserlich russischen Generalstabe in leiten- den Stellungen waren. Alle übrigen Minister und Parteihäupter sind durchaus nicht ernst zu nehmende, sich in undurchführbaren sozialistischen Ideen erschöpfende, meist studentisch unreife Männer, die von der Leitung eines Regierungsapparates keine Ah- nung haben. Jedes Ministerium bietet dasselbe Bild. Ein von Kon- trollorganen flankierter, ahnungsloser, junger Minister, der kei- nerlei Exekutivorgane und keinen Befehlsapparat besitzt und je- dermann wegen der kleinsten Beschwerde des täglichen Lebens per- sönlich empfangen muss. In den Vorzimmern, -nebst beschäftigungs- losen Sekretären eine Anzahl von Bittstellern aller Gesellschafts- klassen und zahlreiche mondäne Frauen, die zu den Bewunderern des betreffenden Ministers gehören. Fro Ministerium meist ein einziger Telefonapparat. Regierung und Rada geniessen in der Stadt und am Land nicht das geringste Ansehen. Beide können sich nach gegenwärti- ger Lage dauernd nur als deutsche Marionetten halten. Um unseren Einfluss hierzu sicher, wird es Geldes bedürfen. Die Deutschen haben offensichtlich auch in dieser Richtung einen grossen Vor- sprung. Ob es ratsam sein wird an die Einholung dieses Vorsprun- ges bei der gegenwärtigen ukrainischen Regierung unsererseits bedeutende Mittel anzusetzen, oder ob das geringe Ansehen der jetzigen Regierung mit der Zeit es wünschenswert erscheinen las- sen wird, eine andere Regierung zu kreieren und zu gewinnen,kann kann ich heute nicht übersehen. Die gegenwärtige Regierung ist /. - 3 - jedenfalls völlig machtlos, besitzt keinerlei Exekutivgewalt und dazu nötigen Ausführungsapparat. Sie ist ohne Geld und lebt mehr oder weniger aus deutscher Hand. Alle ihre Zusicherungen wegen Lebensmittelausfuhr u.s.w. können nicht ernst genommen werden, da die Ausführung jeglicher Requirierungsverfügung am Versagen des Verwaltungs- oder Verkehrsapparates, bzw. an der passiven Re- sistenz der Unterorgane scheitert. Das gegenüber unseren ver- schiedenen Kommissionen seitens der ukrainischen Regierung gel- tend gemachte Prinzip, alle Ausfuhrartikel für den Staat zu mo- nopolisieren, ist nur ein Modus, um ehestens Geld in die Regie- rungskassen zu bekommen. An die tatsächliche Durchführung grosser Lieferungen in absehbarer Zeit denkt von den Ukrainern selbst keiner ernstlich. Der Bauer andererseits will trotz verschiede- ner Regierungsbefehle im Frühjahr nicht anbauen, denn er hat noch von den früheren Erntevorräten, genug. Zwangsmasseregeln ge- gen die unbotmässigen Bauern kann man einer Regierung, welche schon zur Entwaffnung der Landbevölkerung weder Mut, besass, nicht zumuten. Täglich mehrnen sich die Nachrichten über zunehmende Bandenbildung auf dem Lande, da der grösste Teil der Bauenschaft aus ausgebildeten Mannschaften der demobilisierten Armee besteht und den Leuten reichliches Waffenmaterial /auch Maschinengewehre u.s.w.:/ zur Verfügung steht, kann hier der Keim zu ernsten Unru- hen liegen. In den Städten halten sich grossrussische Strömungen noch immer auf der Oberfläche. Der Grossteil der Intelligenz ist sich über die Unmöglichkeit des Fortbestandes des gegenwärtigen Regi- mes einig und leugnet die Lebensfähigkeit des ukrainischen Staats- gedankens. Allgemein ist in diesen Kreisen das Staunen, dass sich die Zentralmächte so ernstlich mit dem Aufbau dieses "Operetten- staates" befassen. Ganz Kiew ist auf der Strasse. Kein Mensch im neuen Staa- te arbeitet. 12.000 grossrussische Offiziere treiben sich Stel- len- und Gehalt-los in der Hauptstadt herum.Ihrem Politisieren /. - 4 - in zahlreichen Klubs steht die Regierung besorgt, doch machtlos gegenüber. Etwa 2.000 tschechische Offiziere und Soldaten sollen sich versteckt unter ihnen befinden. Rückgebliebene englische und französische Offiziere leiten unter ihnen Hetze und Propaganda. Zahlreiche Organe der Stadtverwaltung sind durchaus grossrussisch gesinnt, und schüren die Widerstände gegen die Rada. Inmitten dieses - den Keim weiterer Umwälzung in sich bergenden - Chaos werden Festvorstellungen in den Theatern, Festessen, Truppenparaden der neu aufgestellten ukrainischen Verbände, Fahnenweihen und dgl. Festlichkeiten mehr gehalten, um der Öffentlichkeit die sichere Stellung der Rada und den ruhigen Fortgang der Staatsgeschäfte vorzutäuschen. Inzwischen sind Rada und Regierung infolge ihrer Machtlosigkeit im Lande so lächerlich geworden, dass die so oft schon angekündigten Wahlen zur Konstituante wohl starke grossrussische, wahrscheinlich auch bolschewistische Oberströmungen ergeben würden. Die Deutschen raten deshalb von Neuwahlen ab und stützen die gegenwärtige Regierung mit allen Mitteln in der Hoffnung die jetzigen Männer allmählich zu ihren Nationetten zu machen. Ob es unsererseits noch möglich sein wird in der gegenwärtigen Rada noch entscheidenden Einfluss zu gewinnen, oder ob man sich um neue Männer umsehen muss, vermag ich gegenwärtig noch nicht zu übersehen. Sicher aber ist, dass auch die Deutschen trotz ihres derzeit dominierenden Einflusses im Wege der Kommissionen und Einkaufsgesellschaften in Kürze die Vorräte des Landes nicht erfassen können. Das Jawort der machtlosen ukrainischen Regierung allein vermag eben die passiven Widerstände sowie die Unzulänglichkeit des Verwaltungsapparates nicht zu überwinden. Alles Kommissionieren ist meiner Ansicht nach nur Zeitverlust, die Hoffnung auf baldiges handelsmässiges Erfassen der Vorräte durch Einkaufskartelle u.s.w. ohne jede Aussicht. Der einzige - 5 - Weg in nächster Zeit die reichen Vorräte des Landes in die Hän- de zu bekommen, ist :Einmarsch starker Heereskörper in die Ukra- ine und die Aufbringung der Vorräte durch diese. Auch deutscherseits scheint diese Lage bereits erkannt und sind weitere Truppenverstärkungen /2 Divisionen/ gegen die Ukraine im Anrollen. Die noch weiter andauernden Kommissionierun- gen der Deutschen verschleiern vorerwähnte Absicht und dienen wohl auch dem Zweck, - bereits für die fernere Zukunft vorden- kend - den diesjährigen Anbau in der Ukraine in eigener Hand zu organisieren. C. Trauttmansdorff. TELEGRAMM. Graf Forgach, Kiew,4.April 1918. Nr.127/1139. In heutiger Sitzung Getreideausschusses wurde Übereinstimmung über vän uns aufzustellende Organisation erzielt, deren Tätigkeit sich im allgemeinen auf Uebernahme ukrainischerseits zu liefernder Menge erstreckt. Uebernahme erfolgt an den Abgangsstationen, worauf unsererseits wegen Beschleunigung und Verteilung der ohnedies militärisch zu führenden Transporte bestanden wurde. Hiebei schwebte uns gleichzeitig Ziel vor, Ueberblick über örtliche Vorrate zu gewinnen und uns schädigende Bestrebungen zu Gunsten Lieferung an Russland abzuwehren. Ueberdies wurde durchgesetzt, dass Aufkaufstätigkeit unserer Kommissionäre unter Heranziehung des ukrainischen Handels dort eintreten kann, wo die ukrainische Organisation nicht recht funktioniert. Ukrainischerseits wurde bekanntgegeben, dass der gestrige Ministerrat die Errichtung eines Staatsgetreidebüros beschlossen habe, das in kürzester Zeit im Auftrage des Ernährungsministeriums und unter dessen Kontrolle den Ankauf und die Vermahlung von Getreide für Handelszwecke durchzuführen habe. Dieses Büro, das aus Vertretern des Handels, der Genossenschaften und Mühlenbesitzer zusammengesetzt sein soll, werde durch Errichtung von Zweigstellen seine Tätigkeit in alle in Betracht kommenden Provinzorte hineintragen. Ukrainischerseits gemachter Versuch uns durch Hinweis auf doppelte Heranziehung ukrainischen Handels und dadurch hervorgerufene Konkurenzierung von selbstständiger Organisation abzuhalten, wurde von uns nachdrücklich mit Bemerkungen abgewehrt, dass Errichtung ukrainischen Büros immerhin gewisse Zeit in Anspruch - 2 - nehmen würde, während unsere Hilfsorganisation grösstenteils be- reits vorbereitet. Es ergab sich schliesslich auch Einvernehmen, dass Vertreter unserer Organisation der Kiewer Hauptstelle und den Filialen zugeteilt werden. In Sitzung, bei der ukrainischerseits offenbar unter dem Drucke unserer letzten nachdrücklichen Vorstellungen eine wesent- lich entgegengekommene Haltung beobachtet wurde, machte der vorsitzende Kommissionspräsident Porsch unter anderem Mitteilung, dass an die Gouvernements Cherson und Taurien die Weisung ergan- gen sei, 25 Millionen Pud Getreide zur Lieferung an die Mittel- mächte vorzubereiten und dass gestern 90 Waggons und heute 130 Waggons Getreide an die Grenze bereits abdirigiert worden seien. Telegramm in Ziffern an Grafen Forgach, in Kiew,Nr.84. Wien,am 3.April 1918. Streng vertraulich. Eben erfahre ich, General Ludendorf hätte nach Kiew den telegraphischen Befehl erteilt, das System der Requirierung den Ukrainern gegenüber einzustellen und sie "sehr freundschaftlich" zu behandeln. Ich ersuche Euer Exzellenz zunächst festzustel- len und mir zu melden, ob obige Nachricht, in der Form, den Tatsachen entspricht und möchte bei dieser Gele- genheit betonen, wie sehr ich - worüber Euer Exzellenz sich gewiss auch selbst im klaren sind - engste,fort- währende Fühlungnahme mit ihrem deutschen Kollegen zur Erreichung unseres Zieles in der Ukraina -der Lebens- mittellieferung - für unerlässlich halte. Der Tenor Euer Exzellenz sämmtlicher bisheriger Meldungen ist der, dass Euer Exzellenz sich nur von rücksichtsloser auf Militärmacht gestutzter Energie Erfolg versprechen. Dieser Weg wird, wie Euer Exzellenz meinen Wei- sungen entnehmen können, nunmehr von uns verfolgt und wird auch weiter verfolgt werden. Dessengesachtet würde es mich interessieren, Euer Exzellenz Ansicht über den eingangs erwähnten Be- fehl Ludendorfs und Beweggründe, die ihn hervorgeru- fen haben, kennen zu lernen. Gewärtige auch hierüber Drahtbericht. Nr. 5717. TELEGRAMM. Dep.15. Ref.I. Indiziert 8.April 1918. Bevollmächtigter Generalstabsoffizier Major J oh n ddto Kiew, 5.April 1918. Nr.54/II. aufg. 7 U.40 M.p.m. einget.ll " -- " p.m. In heutiger finanzieller Kommissionssitzung teilte Finanz- minister mit, dass Ministerrat ihn beauftragt habe, über einen Vorschuss für die Eisenbahngestellten zu verhandeln und den von uns vorgeschlagenen Kurs von 1.33 Mark oder 2 Kronen gleich ei- an/ nem Rubel als Basis nehme. Zur Wahrung der Würde der Republik mö- ge von der von uns verlangten Kontrolle der Auszahlung abgesehen werden. Das Geld werde nach persönlicher Zusicherung des Finanz- ministers ausschliesslich an Eisenbahnpersonal zur Auszahlung gelangen. Nachdem die Angestellten aller Staats- und Privatbah- nen in Betracht kommen, wurde um Erhöhung des Vorschusses auf hundert Millionen angesucht. Das Geld sei nicht an die Bahkdirek- tionen, sondern an die Reichsbank in Kiew einzuzahlen. Die militärischen und Regierungsvertreter Deutschlands und Oesterreich-Ungarns erklärten, dass sie nicht ermächtigt sei- en über einen Vorschuss von hundert Millionen zu verhandeln und nur einen Vorschuss von fünfzig Millionen ₽ und zwar für die Mo- nate April und Mai zusichern könnten. Die Annahme des Kurses wur- de begrüsst, der Zinsfuss über Ersuchen der Ukrainer auf sechs von hundert festgesetzt. Diese Vorschläge werden in heutiger Minister- rada beraten und dürfte der Vertrag morgen unterzeichnet werden. Hierüber werde ich melden. Gleiches Armeeoberkommando, Quartiermeisterabteilung und Chef des Feldeisenbahnwesens, 2.Armeekommando, 4.Armeekommando und Aussenministerium. Exzellenz Graf Forgach ist in Kenntnis. -.-.-.-.-. Nr.5782. TELEGRAMM. Ref.I. Dep.15. Indiziert 8.April 1918. Bevollmächtigter Generalstabsoffizier Major J o h n, ddto Kiew, 6.April 1918. Nr.64/IV. aufg. l U. --M.p.m. eignet. 3 " --f p.m. Im Verfolg meiner gestrigen Meldung Nr.54/II.melde ich, dass der gestrige ukrainische Ministerrat beschlossen hat dem Vorschuss zur Entlohnung der Eisenbahngestellten abzulehnen und das Personal aus eigenen Mitteln bezahlen will. Die finanziellen Verhandlungen werden fortgesetzt, da der vorgeschlagene Kurs 1.33 Mark oder 2 Kronen gleich einem Ru- bel von der Rada angenommen wurde. Die beiden Fachvertreter neh- men an diesen Verhandlungen weiter nicht mehr teil. Der Stand- punkt, dass sich die beiden Heeresleitungen das Recht der Ent- lohnung vorbehalten, bleibt weiter aufrecht. Gleiches Armeeoberkommando, Quartiermeisterabteilung und Chef des Feldeisenbahnwesens, 2.Armeekommando, 4.Armekom- mando und Aussenministerium. Exzellenz Graf Forgach ist in Kennt- nis. Nr.5484. TELEGRAMM. Dep.15. Indiziert Ref.I. 8.April 1918. Armeeoberkommando, Chef des Generalstabes, ddto Baden, 2.April 1918. Nr.Qu.35603. aufg. 9 U. 10 M.p.m. einget.ll " -- " p.m. Bevollmächtigter Chef des Bildeisenbahnwesens in Kiew drahtet auf Grund von mit Wissen Grafen Forgach geführten Ver- handlungen mit ukrainischem Minister Holubowitsch: Zur Auszahlung eines Vorschusses an ukrainisches Bahn- personal von etwa 200 Rubel pro Person benötigt ukrainisches Eisenbahnministerium 2i Millionen Rubel und erbittet hiezu von uns acht, von Deutschland 13 Millionen. Beträge wären an Betriebs- direktionskassa Kiew zu Handen Präsidenten Kirilowitsch einzu- zahlen, der nach Einlangen des Geldes Interimsquittung ausstellt, die später durch Originalquittung der ukrainischen Regierung er- setzt wird. Da es sich hienach um ein Darlehen an die ukrainische Regeirung handelt, zu dessen Erteilung Heeresverwaltung nicht zu- ständig/ ist, werden Aussenministerium und beide Finanzministe- rien dringend eingeladen, zu dieser Frage sogleich Stellung zu nehmen, ihre Stellungnahme ehestens higher drahtlich mitzuteilen und weitere Verhandlungen eventuell im Einvernehmen mit deutscher Regierung selbst zu führen, beziehungsweise zu veranlassen. Armeeoberkommando fügt bei, Vorschusserteilung an Bahn- personal sei notwendig, um ukrainische Bahnen betriebsfähig zu erhalten, was im Interesse der Warenaufbringung für Monarchie dringend geboten. Höhe des Vorschusses ist ohne Kenntnis des Standes Eisenbahnpersonals und seines Gebührenschemas nicht zu beurteilen, für prinzipielle Entscheidung aber irrelevant, weil ukrainische Regierung zweifellos nicht bloss diesen Vorschuss, /. - 2 - sondern zur finanziellen Fundierung ihrer Staatsgewalt weitere grössere Anleihen benötigen wird. In Berücksichtigung unseres eigenen staatlichen Geldbedarfes, insbesondere an Rubeln für Kriegsgefangenenfürsorge und militärische Käufe in der Ukraine, wäre Gewährung des Darlehens seitens des Privatkapitals durch Banken - eventuell unter staatlicher Garantie - in Erwägung zu ziehen. Vertreter Armeeoberkommandos in Kiew wurde gleichzeitig angewiesen festzustellen, ob ukrainisches Eisenbahnministerium mit gleicher Forderung auch an Deutsche herangetreten und wie sich diese hierzu verhalten. Gleichlautend an Aussenministerium, k.k. und kgl.Finanz- ministerium, dann schriftlich zur Kenntnis an Kriegsministerium 15/b.Abt. und 2.Armeekommando. Der Vertreter des k.u.k. Ministeriums des Äussern beim k.u.k. Armeeoberkommando. Baden, am 10.April 1918. An Seine Exzellenz den Herrn Minister des kais.und königl. Hauses und des Äussern Ottokar Grafen C z e r n i n . vorgelegt 5 Beilagen. Trauttmansdorff. 1.Beilage. K.u.k. Armeeoberkommando. Nachrichtenabteilung. Na.Nr.7712. Lage in der Ukraine. An Vertr.d.Min.d.Aeuss.b.AOK. Standort, am 7.April 1918. Von einem Organ der NA. des AOK. ist aus Kiew nachfol- gender Bericht vom 28.ü.M. über die Verhältnisse in der Ukraine eingetroffen: Politisches. a).-Allgemeines.Die Rekonstruktion des Ministerkabinetts ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Veränderungen auf den einzelnen Ministerposten haben den Gesamtcharakter der Re- gierung nicht wesentlich geändert. Die neue, von der Rada am 24/III. angenommene Ministerliste lautet: /. - 2 - Holubowitsch - Präsidium und Äussere. Tratschenko - (Ukrainischer S.-D.) - Inneres. Scheluchin - (Selbstständigkeitspartei) - Justiz. Schukowsky - (Ukrainischer S.-R.) - Krieg und Marine. Sakowitsch - (Ukrainischer S.-R.) - Verkehr. Sidorenko - (Selbstständigkeitspartei) - Post und Telegraph. Kowalewsky - (Ukrainischer S.-R.) - Agrar und Verpflegung. Perepelitza - (Ukrainischer S.-R.) - Finanzen. Prokopowitsch- (Ukrainischer S.-F.) - Unterricht. Feschtschenko-Tschopiwsky- (S.-F.) - Handel. Christiuk - (Ukrainischer S.-R.) - Generalsekretär. Leiter der Ministerien: Lubinsky -(Ukrainischer S.-R.) - Auswärtiges. Michailow-(Ukrainischer S.-D.) - Arbeit. Koliuch - (Ukrainischer S.-D.) - Verpflegung. Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Holubowitsch: "Verbesserungen auf dem Gebiete des Post-Telegraphen- und Eisenbahnwesens. Im Aussenhandel Staatsmonopol oder wenigstens vollkommene Staatskontrolle. Im Innenhandel Privatinitiative und Genossenschaftswesen. Staatsaufsicht der Banken. Die Verpflegkommissionen werden durch besondere Bevollmächtigte der Regierung ersetzt werden. /:Also Ausschaltung der Selbstverwaltungsorgane und Bürokratisierung des Ernährungswesens:/.. In der Agrarfrage wird sich die Regierung auf die Universale stützen, zur Regelung der neuen Agrarverhältnisse jedoch Agrohome und technisch gebildete Personen kommandieren. Weitgehendste Förderung der ökonomischen Interessen der Arbeiterschaft, (Wahrung des Arbeitsvertrages, der Schiedsgerichte), jedoch vollständige Eliminierung einer politischen Einflussnahme der Arbeiterorganisationen auf das Staatsleben. Aufgabe des Kriegsministeriums ist die Bildung einer Übergangsarmee, die nachher in eine Milizarmee umgewandelt werden soll. Die reguläre Armee wird auf demokratischen Grundlagen reorganisiert. In der Aussenpolitik wird die Regierung /. - 3 - die Herstellung freundnachbarlicher Beziehungen mit den Mittel- und den übrigen Mächten anstreben. Die Selbstständigkeit der Ukraine muss von allen Mächten anerkannt werden. Wichtigste Auf- gabe der nächsten Zukunft ist ein Friedensschluss mit Russland und Verhandlungen mit Rumänien." In der Radasitzung vom 26.III.wurde beschlossen eine Debatte über die Regierungserklärung bis zur endgültigen Konsti- tuierung des Ministeriums aufzuschieben. Bezeichnend für das neue Ministerium ist eine gewisse Erstarkung des ukrainisch-nationalen Elements. Die Regierung gelangt allmählich in das Fahrwasser des Chauvinismus und wird fortwähren von den Minderheiten angegriffen. Charakteristisch für die Stellungnahme der Minderheiten zu dem noch nicht ganz vollzogenen Ministerwechsel ist ein Artikel der Zeitung "Rabo- tschaja Sychzn" vom 21.III. der in der Anlage I. im Auszug wie- dergegeben ist. Auch in der ukrainischen sozial-demokratischen Partei ist eine Unzufriedenheit mit dem jetzigen Regierungskurs wahrzu- nehmen. Einige Mitglieder der Partei sind aus der Fraktion aus- getreten und führen als Gründe hiefür folgendes an: "Schon län- ger als zwei Wochen konnte man bemerken, dass die Regierung nicht jene Politik betreibt, die dem einmal aufgestellten demo- kratischen Prinzip entsprechen würde, sondern immer mehr und mehr zur bourgeoisen-nationalen Richtung neigte? Zensur von Auf- rufen und Kundmachungen, Druck auf die Presse, Verschleppung der Konstituante, Unklarheit der Bedingungen, unter welchen die deutschen Truppen hieherberufen worden sind, die verschiedenen Er lässe der Regierungsbeamten betreffend das Verbot von Ver- bänden, Versammlungen und Tätigkeit verschiedener Arbeiterorga- nisationen, Ignorierung der professionellen Verbände durch die zentralen Regierungsstellen, Nichteinhaltung des Prinzips der kollektiven Arbeitsverträge, das verlangen nach politischer Ein- wandfreiheit der Arbeiter d.h.Nichtbeteiligung am Bolschewismus. - 4 - Alle diese angeführten Tatsachen sind geeignet, in Anbe- tracht der ohnehin unsicheren Regierungsverhältnisse und der Ab- wesenheit einer geordneten, realen Arbeit, alle erkämpften Früchte der "evolution zu untergehen, besonders aber den Be- stand des ukrainischen Staatsgebildes. Und wenn Mitglieder unse- rer Partei an dieser Politik teilnehmen würden, so führte das nicht nur eine völlige Kompromittierung der ukrainischen S.-D., sondern auch ein Anwachsen der nichtukrainischen, feindlich ge- sinnten Elemente herbei. Wir nehmen an, dass bei dieser Stellung, die unsere Par- tei bei der zweiten Abstimmung angenommen hat, sie eine der Ma- joritätsparteien werden wird und auf diese Weise kann natürlich die kleine Rada nicht als Tribüne der ukrainischen proletari- schen Bewegung angesehen werden. Daher treten wir aus der klei- nen Rada aus. M.Awdienko, L.Tschikalenko, M.Kowalsky, O.Germaise. Ich schliesse mich dieser Erklärung an. M.Jeremiew." /Rabotschaja Schisn vom 21.III.:/ Die Minoritätsparteien haben in den letzten Tagen in der Rada die Regierung wieder scharf angegriffen und ihr den Chauvinismus, zu dem sie hinneige, reaktionäre Gesinnung, sowie Passivität gegenüber Uebergriffen der deutschen und österrei- chischen Militärbehörden vorgeworfen. Die Organe der Regierungsmehrheit, besonders "Narodnaja Wolja" führen gegen die Minderheiten eine scharfe Kampagne, so dass die Kluft zwischen den ukrainischen und nichtukrainischen Elementen / welche eben die Minderheiten bilden / immer tiefer wird. Namentlich die Unabhängigkeitspartei treibt den Chauvi- nismus auf die Spitze. Der Führer dieser Partei hat vor kurzem erklärt, dass das Zusammenarbeiten der ukrainischen und nicht- ukrainischen Sozialdemokratie als ein schmachvolles Moment der Geschichte der Ukraine angesehen werden muss. Die Stimmung in /. - 5 - den Kreisen der Unabhängigkeitspartei gibt der Artikel "Eine Kombination" wieder, der als Anlage 2 beigefügt wird. Der Chauvinismus setzt sich überall durch. In den Ministerien und Ämtern werden die beamten nichtukrainischer Nation entfernt. Bezeichnend ist in dieser Beziehung das Memorandum der ukrainischen Juristen, das in der Anlage 3 beigefügt wird. Sehr verstimmt hat auch die Verfügung, wonach die Miliz der Stadt Kiew der Stadtverwaltung entzogen und dem Ministerium des Innern unterstellt wird. Die Regierung macht sich durch solche Massnahmen nur unbeliebt. In früherem Bericht wurde auf Grund von Äusserungen nichtukrainischer Elemente ausgeführt, dass man die gegenwärtige Lage der Regierung nicht für stabil ansehen kann. Das Gefühl der Unsicherheit scheint nun aber auch in ukrainischen Kreisen vorhanden zu sein. Sehr bezeichnend ist der Artikel des Sozial-Federalisten Donzow in der Zeitung "Nowa Rada" vom 21.III. Donzow erklärt darin klipp und klar, dass die jetzige Lösung der ukrainischen Frage nur ein Provisorium bedeute. Die Ausführungen Donzows sind sehr beachtenswert. Sein Artikel wird in der Anlage 4. in der Übersetzung diesem Berichte beigefügt. 1). Ministerpräsident sieht kränklich und überarbeitet aus. Eine weiche Natur, besitzt anscheinend geringe Energie. Er befürchtet nicht der Ereignisse Herr werden zu können. "Wir haben", sagte er, "die Entwaffnung der Bevölkerung anbefohlen. Die Abnahme der Waffen wird sich sukzessive vollziehen. Die Landbevölkerung hat aber noch immer genug Waffen, die sie gegen Ihre Truppen anwenden würde, falls man sie drangsalieren sollte". 2)./In der Radasitzung vom 26.III.:/ Die Rada besitzt keine hervorragende Persönlichkeiten. Die Führer der /. - 6 - Parteien sind zumeist junge Leute, nicht ohne Intelligenz und politische Gewandtheit, aber im Ganzen doch nicht über das Mittelmaß hinausragend. Der Führer der ukrainischen Sozialdemokratän Porsch hat noch den besten Eindruck gemacht. Der Präsident der Rada Prof.Hruschewsky leitet die Debatten ganz geschickt. Ich hatte das Gefühl, dass er die Diskussionen der Radanitglieder als Schauspiel betrachtet, in Wirklichkeit aber mit der Mehrheitspartei doch das durchführt, was der heutigen Regierung genehm ist. 3). Zu den im früheren Berichte angeführten politischen Parteien kommt noch die ukrainische Trudowikenpartei hinzu. Telegramm. Nr.276. von Princig Kiew, l.Mai 1918. Vertreter Skoropadskys war erst gestern 10 Uhr abends in der Lage uns mitzuteilen, dass infolge von uns gewünschter pro- nonzierter Linksorientierung neuen Kabinette designirter Minis- terpräsident Ustimowitsch zurückgetreten sei und daher Porte- feuilleverteilung und eine definitive Ministerliste noch nicht zustande gekommen sei. Bei der heute früh stattgehabten Zusam- menkunft mit Vertrauensmann Skoropadskys wurde uns zur Kenntnis gebracht, dass an der gestern vormittags in Aussicht genommenen Ministerliste folgende Aenderungen vorgenommen wurden: Professor Wassiljenko Präsidiurn, bisheriger Unterrichtsminister Prokopowitsch bleibt, bisheriger Chef des Generalstabes Sliwinski pro- visorisch Kriegsminister, behält gleichzeitig die Stelle des Generalstabachefs. Minister des Innern Lisogub, Sozialföde- ralist und bisher Präsident des Semstwo von Poltawa, Ackerbeumi- nister Kjanzin, Sozialföderalist, bisher Chef des Ernährungs- komitees von Poltawa, Handel bisheriger Portefeuilletträger Fesch- tschenko. Vertreter Skoropadskys war ferner zur Erklärung ermächtigt, dass im Falle Zustimmung des aus Poltawa per Automobil auf dem Wege befindlichen Lisogub diesem das Ministerpräsidium übergeben werde und Wassiljenko dann unter Ausscheiden Prokopowitschs das Unterrichtsporte feuille ..... würde. Lisogub würde als Ministerpräsident auch Ministerium des Innern leiten. Das unsererseits nach reiflicher Prüfung der einzelnen Kandidaten gegen die nunmehr proponierte Ministerliste keine Einwendung erhoben wurde, umso mehr als wir nicht die Verantwortung für selbige zu übernehmen wünschen, wurde unsere Zustimmung - 2 - zum proponierten Kalkül mit dem Beifügen erteilt, dass wir vorbe- haltlich der uns zugehenden Weisungen unserer beiderseitigen Re- gierungen, die ich hiermit erbite, mit selbigen in de facto Ver- kehr treten würden, sobald uns die definitive Ministerliste und der Zeitpunkt der Übernahme der Geschäfte, der angesichts des 1. Mai wegen möglicher Streiks erst für den 2. Mai in Aussicht ge- nommen ist, offiziell a eitens Skoropadskis mitgeteilt sein wird. Die voraussichtliche Kabinettzusammenstellung wird demnach fol- gende sein: Präsidium Wassiljento oder Lisogub, Finanzen: Bematze ki, Krieg: Sliwinski provisorisch, Äusseres: Loski, Unterricht: Prokopowitsch oder Wassilenko, Inneres: Lisogub, Ernährung:Soko- lowski, Marine: Koltschak, Handel: Festchenko, Ackerbau: Kiani zin, Justiz: Scheluchin, Arbeit: Mikowski, Öffentliche Wohlfahrt: W. Lubinskyj, Generalkontrollor: Athanasiew, Eisenbahn: Botenko, Post und Telegramen: Statkewitsch. Telegramm. Herrn v. Prinsig, Kiew, 3. Mai 1918. No. 236/27 V.B. Verfolg gestrigen Telegrammes. Heute wird folgende mit der mir gestern offiziell über- reichten identische Zusammensetzung Kabinetts verlautbart : Vorsitz und Äusseres provisorisch und Unterricht definitiv Wassiljenko. - Inneres sowie provisorisch Post und Telegraphen Lysogub. - Finanzen Kapetsky, Handel Gutnik, Ackerbau Kianit- zyn, Justiz Sokolowsky, Arbeit Wagner, Sanität Dr. Lubinsky, Eisenbahn Butenko, Kontrolle Athanasiew, Staatssekretär Gi- zycki, Kriegsministerium vorläufig verwaltet durch Gstbchef Sliwinski. Zusammensetzung neuen Kabinetts stellt ziemlich star- ke Orientierung nach rechts dar, da sozialistische Parteien durch autokratischen Ton der Proklamation neuen Hetmans, und dessen ausgesprochen konservative Richtung abgeschreckt, trotz nachdrücklicher Einwirkung deutscherseits abgelehnt haben an Ka- binettsbildung teilzunehmen. Wassiljenko ist früherer Gehilfe Unterrichtsministers im russischen Kabinett Kerenskij, Gutnik Präsident Odessaeer Körsenkomitees, übrige Mitglieder ausser Lysogub, dem Ruf tüchtigen und energischen Administrators vo- rausgeht, ziemlich unbekannt, Letzterer wird demnächst das Mi- nisterpräsidium selbst übernehmen, sobald für eines der von ihm provisorisch verwalteten Ressorts Kandidaten gefunden sind. Wassiljenko hat gestern Baron Mumm aufgesucht, und war heute bei mir. Ich nahm Gelegenheit, dem interimistischen Ministerpräsiden- ten unzweideutig zu erklären, dass wir allergrössten Wert da- rauf legten, dass die Verpflichtungen, welche die Ukraina im Wirtschaftsvertrage übernommen hat, restlos und pünktlich ein- gehalten werden, insbesondere Ausfuhr von Brotgetreide glatt von statten gehe. Es müsse vorher die erste Sorge der Regierung - 2 - sein, das Finanzabkommen mit uns definitiv abzuschliessen und die Agrarreform in die Wege zu leiten. Auch müsse die Anbahnung eines langfristigen Wirtschaftsabkommens baldigst in die Wege gesetzt und überhaupt alles aufgeboten werden, damit im Lande völlige Ruhe und Ordnung eintrete. Ich versicherte dem Minister- präsidenten und ersuchte ihn, dies sowohl dem Hetman wie seinem eigenen Nachfolger im Amte des Ministerpräsidenten mitzuteilen, dass ich auf eine gegenseitige vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle dieses vielgeprüften Landes besonderen Wert lege, und dass ich stets gerne bereit sein würde, meine Hilfe zur Verfü- gung zu stellen wo immer dies nötig sei, ich aber auch mit al- ler Energie gegen jeden Versuch auftreten würde, der geeignet wäre, die Konsolidierung der Verhältnisse im Lande und dadurch die Versorgung der Monarchie mit Lebensmitteln in Frage zu stellen. Wassiljewko war sichtlich erfreut über meine Auffassung und versicherte mir, dass das neue Kabinett mit Ausschluss al- ler politischen Treibereien es sich zur Aufgabe gestellt habe, mütliche Arbeit zu leisten und den eingegangenen Verpflichtun- gen nachzukommen. Wie ich von Generalleutnant v. Grünner erfahre, wollen die vereinigten Sozialisten nun doch noch den Ver- such machen, an der Regierung teilzunehmen und beabsichtigen sie, persönlich dem Hetman die Bedingungen zu unterbreiten, unter de- nen sie in das Kabinett eintreten und einige der noch freien Portefeuilles akzeptieren würden. Der Vertreter des k.u.k. Ministeriums des Äusseren beim k.u.k. AOK. No. 29.244. Gegenstand: Politische Vorgänge in Kiew. 3 Bäilagen. Baden, am 3. Mai 1918. An S. Exzcel. den Herrn Minister des k.u.k. Hauses und des Äussern, Baron Burian von Rajecz. Ich unterbreite im Anbuge eine sehr übersichtliche Zusammenfassung der dem AOK. aus Kiew zugekommenen Meldungen über die dortigen Ereignisse am 23. bis incl. 30. April 1918. Trautmannsdorf. ad No. 23.244. k.u.k. AOK., Op. Geh. No. 1517. Vorgänge in Kiew I. GFM, v. Eichhorn gab Anfang April einen Befehl an die Truppen heraus, dass aller Grund und Boden zu bebauen ist, wobei den Grundbesitzern die Versicherung zu geben wäre, dass sie auch die Ernte einheimsen werden. Gegen diesen Befehl lehnte sich die Rada, die eine A- grarreform ( Aufteilung des Grundbesitzes ) anstrebt, auf und verpflichtete die Landbevölkerung zur Nichteinhaltung des Be- fehls. Der deutsche Militärbevollmächtigte unternahm Schritte bei der ukrainischen Regierung, diesen Rada beschluss ungültig zu erklären, jedoch ergebnislos. Am 23. April fand in Kiew eine Sitzung statt, an der folgende Personen teilnahmen: Glt. Gröner, Obst. Stolzenberg, / - 2 - der Vorsitzende der deutschen Wirtschaftskommission, Graf For- gach und Maj. v. Fleischmann. Das am 24. zusammengestellte Proto- koll enthielt folgende Forderungen der Deutschen : a) Eine Zusammenarbeit mit der gegenwärtigen ukrainischen Regie- rung ist bei ihren Tendenzen nicht möglich; die Einrichtung von Generalgouvernements ist aber noch nicht geboten. Daher ist die gegenwärtige Regierung so lange als möglich beizubehalten . Sie muss aber von den deutschen und öster.-ung. Oberbefehlshabern in ihrem Handeln abhängig gemacht werden, und darf die militä- rischen und wirtschaftlich Anordnungen nicht hindern. An diese Regierung seien demnach die folgenden Forderungen zu erheben : b) Solange deutsche und k.u.k. Truppen im Lande sind, darf kein Herr in der Ukraine gebildet werden. Nur die Aufstellung einer Polizeitruppe im beschränkten Umfange ist im Einvernehmen mit den Oberbefehlshabern zulässig. c) Die deutschen und k.u.k. Feldgerichte sind für alle Vergehen und Verbrechen zuständig, die gegen das deutsche und k.u.k. Mili- tär begangen werden. Die ukrainische Justiz ist gegen den Ter- ror politischer Organisationen sicherzustellen. d) Alle staatlichen Verwaltungsorgane sind von unsauberen Ele- menten zu säubern. Die Landkomitees sind aufzulösen und durch zu- verlässige staatliche oder kommunale Verwaltungsorgane zu er- setzen. e) Da in der Ukraine ein Kriegeleistungsgesetz nicht besteht, wird das deutsche und österr.-ung. Kriegeleistungsgesetz in An- wendung kommen. f) Aufhebung aller den Handel mit Lebensmitteln und Rohstoffen und ihre Ausfuhr behindernden Verordnungen zugunsten Deutsch- land und Oesterr.-Ungarn, insbesondere Zulassung des Freihandels unter gemeinsamer Kontrolle der Verbündeten und der ukraini- schen Regierung, Aufhebung der Ausfuhrverbote sowie aller Eisen- - 3 - bahnkontrollen. Eine gemeinsame Grenzkontrolle wird eingeführt. g) Lösung der Agrarfrage durch Wiederherstellung des Eigentums- rechtes und Bezahlung des den Bauern bei der Landverteilung au- fallenden Landes, demzufolge Erhaltung der landwirtschaftlichen Grossbetriebe, bis zu einer gesetzlich festzulegenden Höchstgren- ze des einzelnen Besitzes im Interesse der Exportfähigkeit der Landwirtschaft. h) Regelung der Finanz- und Verwaltungsfragen im Sinne und im weiteren Ausbau der bereits paraphierten Vereinbarungen. Ein offizieller deutscher Protest gegen den Radabe- schluss über den Eichhornschen Anbaubefehl sollte in gemildeter Form erfolgen. In der Nacht zum 25. wurde der Bankier Dobryj, der in deutschem Solde stand, von der Partei "zum Schutze der Ukraine" verhaftet. Daraufhin erliesse GFM. v. Eichhorn mit Maueranschlag am 26. folgenden Aufruf : 1) Jeder Terrorismus gegen deutschfreundliche Elemente und sonstige Gesetzlosigkeiten werden dort, wo sich deutsche Trup- pen befinden, durch die deutschen Militärbehörden verhindert werden. 2) In Kiew werden alle Vergehen gegen die öffentliche Ord- nung, dann gemeingefährlicher Art und alle gegen die Truppen der Zentralmächte oder deren Angehörige gerichtete strafbare Handlun- gen vom deutschen Feldgerichte geahndet. 3) In Kiew ist jede Störung der öffentlichen Ordnung ver- boten, ebenso Zusammenrottungen auf der Strasse. 4) Jeder Versuch, durch Verletzung - mündlich oder schrift- lich - oder sonstwie die Ordnung und Sicherheit in Kiew zu ge- fährden, wird unteragt. Dagegen verstossende Zeitungen werden gesperrt. Die deutsche Forderung nach Rücknahme des Radabeschlusses /. - 4 - über den deutschen Anbaubefehl wurde überreicht. Der Minister- präsident beabsichtigte, einige den deutschen nicht genehme Mi- nister zu entlassen und sich von nun an - statt auf die starke sozialrevolutionäre Partei - auf eine gemässigt nationale Par- tei zu stützen. Gegen die deutsche Gerichtsbarkeit in Kiew agitierten Strasse und Presse und gaben der schlappen Regierung die Schuld, Die Sozialföderalisten und die Sozialdemokraten wollten ihre Minister aus dem Kabinett zurückziehen. Die Befürchtung gewann Boden, dass ein Übergang in die endgiltige Okkupation bevor- stehe. Die Regierung gab darauf-hin zunächst an die Äusser Del legierten den Befehl, den Frieden mit Nordrussland eiligst ab- zuschliessen. GFM. v. Eichhorn verlangte weiter die sofortige Entfer- nung der ukrainischen Brigade Batyjew aus der Krim. Diese bezüg- liche Proteste der ukrainischen Regierung wurden abgelehnt, die Zurückziehung der Brigade schliesslich verfügt. In der Nacht auf den 27. wurde die aus den Kriegsge- fangenen zusammengestellte I. ukrainische Division entwaffnet und aufgelöst. Für den 28. war unter deutscher Patronanz eine Demonstra- tion des kleinen Grundbesitzes auf Zurückziehung des Bodenver- teilungsuniversales geplant, die auch für die Schaffung einer strafferen Zentralmachtsgewalt Propaganda machen sollte. Am 28. fasste die Rada in einer Geheimsitzung folgende Beschlüsse : 1) Erstattung eines telegrafischen Protestes in Berlin über den Eichhorn'schen Befehl wegen deutscher Gerichtsbarkeit in Kiew. 2) Verlangen der sofortigen Abberufung Eichhorns. 3) Anschlag eines öffentlichen Aufrufes mit der Ungiltig- keitserklärung des Eichhorn'schen Befehles. - 5 - Diese Beschlüsse gelangten zur Kenntnis der Deutschen. Deutsche Truppen verhafteten den Minister für Krieg, Aeusseres und Agrarwesen wegen hetzerischer Reden, weiters ei- nige unbedeutende Persönlichkeiten. Wegen Übereifer der Truppen wurde die Rada in offener Sitzung unbeabsichtigt zersprengt. Rada und Ministerpräsident legten förmlichen Protest ein. K.u.k. Truppen waren nicht beteiligt. In der Nacht zum 29. fanden zahlreiche Versammlungen statt, darunter eine von 8.000 zu Demonstrationszwecken einge- langten Bauern, die über die Gegenmassnahmen zur Wahrung der Souveränität der freien Ukraina berieten. 29. April 1918. Beyer m.p. Oberst. ad No. 29.244. K.u.k. AOK., Op. Geh. No. 1526. Operationsabteilung. Abschrift. Vorgänge in Kiew II. 29. April. Der ukrainische Gesandte in Jassy, Galagan, telegrafierte an Holubowitsch, dass die dort weilende ukrainische Friedensde- legation ihr ganzes Geld vergeudet hat, ohne etwas auszurichten. Galagan bat um Entsendung einer anderen Delegation. Über die Vorfälle am 28. herrschte unter den Radamit- gliedern grosse Erregung. Mitglieder der Selbständigkeitspartei- en liessen sich zur Bemerkung hinreissen, unter solchen Umstän- - 6 - den auf selbständige ukrainische Republik zu verzichten und mit Russland zusammenzugehen. Der deutsche Gesandte Humm hatte sich gleich nach der Radasprengung am 28. bei Holubowitsch entschuldigt. Der kommandierende General gab am 29. in der Vormittagssitzung der Rada eine bedauernde Erklärung ab. Am Nachmittage wurde unter deutscher Patronanz und unter dem Schutz eines deutschen Truppenkordons der General Skoropadsky zum "Hetman Ukrainas" ausgerufen und dieser "historische Akt" durch ein TeDeum gefeiert. Der Hetman wohnt im keiserlichen Schloss, von einigen Hundert Paladin (meist russische Offiziere) umgeben. Die Rada erklärte sich bereit, ihre Macht in die Hände der Sozialföderalisten und selbständigen Parteien (beide monarchiefreundlich) abzugeben, beschloss hierauf einstimmig die Schaffung eines Staaterates und einer gemässigten Konstitution. Um gegen den Schutz Skoropadsky durch deutsche Bajonette Einspruch zu erheben, entsendete sie zum Generalstabchef der Heeresgruppe Eichhorn, Delegierte, die aber abgewiesen wurden. In der Nacht zum 30. fanden Schiessereien zwischen den Kadatruppen (3 Baone siteschowi strilci, meist aus österr.-ung. Kriegsgefangenen bestehend) und den Anhängern des Hetmans statt. Der Hetman dürfte - ausser beim Grossgrundbesitze - im Lande kaum festen Fuss fassen. 30. April 1918. - 7 - Ad No. 29.244. K.u.k. AOK. Op. No.Geh. 1529. Operationsabt. Die Vorgänge in Kiew III. 30. April. Der Hetman erliess an "seine Ukrainer" eine Proklamation. Inhalt: Auflösung der Rada, der Agrarkomitees, Entlassung aller Minister, Schaffung eines Wahlgesetzes für den ukrainischen Landtag, Wiederherstellung des Eigentumsrechtes, massvolle Agrarreform und Arbeiterfürsorge. Der Gatschef der GFM. Bichhorn, Glr. Gröner hatte dem Hetman vor Aufstellung der Hetmanschaft folgende Bedingungen gestellt: "Ich erkläre mich bereit, die Regierung nach nachstehenden Gesichtspunkten zu führen und erwarte dafür als Gegenleistung von der deutschen Regierung, dass sie mich mit ihren militärischen und wirtschaftlichen Machtmitteln unterstützt. 1) Anerkennung des Friedensvertrages von Brest-Litowsk. 2) Die Rada wird aufgelöst, die einberufene Konstituante tritt nicht zusammen. Neuwahlen für gesetzgebende Körperschaften erst nach völliger Beruhigung des Landes. Zeitpunkt hierfür nach Vereinbarung mit dem Oberkommando. 3) Es wird eine ukrainische Armee gebildet. Umfang und Art der Verwendung wird im Einvernehmen mit Oberkommando festgesetzt. 4) Alle zuständige Gerichte für alle strafbaren Handlungen gegen Angehörige der verbündeten Truppen und gegen Verordnungen der Militärbefehlshaber der verbündeten Mächte werden bis auf weiteres nur deren Feldgerichte anerkannt. Die ukrainische Justiz wird gegen willkürliche Eingriffe irgendwelcher politischen - 8 - scher Organisationen sichergestellt. 5) Alle unlauteren Persönlichkeiten sollen aus der staat- lichen Verwaltung entfernt, die Land- und sonstigen Komitees aufgelöst und durch zuverlässige staatliche und kommunale Ver- waltungsorgane ersetzt werden. 6) Solange kein Kriegsleistungsgesetz in der Ukraine besteht, werden die betreffenden heimatlichen Gesetze der ope- rierenden Armeen angewendet. 7) Aufhebung aller den Handel mit Lebensmitteln und Roh- stoffen und ihre Ausfuhr behindernden Verordnungen zugunsten von Deutschland und Österreich. Ungern insbesondere Zulassung des freien Handels unter gemeinsamer Kontrolle der verbündeten und der ukrainischen Regierung ; Aufhebung der Ausfuhrverbote sowie aller Eisenbahnkontrollen; eine gemeinsame Grenzkontrolle wird eingerichtet. 8) Lösung der Agrarfrage durch Wiederherstellung des Ei- gentumsrechtes und Bezahlung des den bei der Landesverteilung auffallenden Landes durch diese, Erhaltung der landwirtschaftli- chen Grossbetriebe bis zu einer gesetzlich festzulegenden Höchst- grenze des einzelnen Besitzes im Interesse der Exportfähigkeit der Landwirtschaft. Wesentliche Beschneidung des bisherigen Grossgrundbesitzes wird zugesagt. 9) Regelung der Finanz- und Valutafraje im Sinne und weiteren Ausbau der bereits mit der jetzigen Regierung para- phierten Vereinbarungen. 10) Für die militärische Hilfeleistung in der Ukraine wird Entschädigung geleistet werden, deren Feststellung nach Art und Umfang besonderen Vereinbarungen vorbehalten bleibt. Zu diesem Zwecke wird in erster Linie ein Militärkommen abge- schlossen, das auch alle weiteren militärischen Einzelheiten zu regeln hat. Ausserdem wird ein wirtschaftliches Übereinkommen für eine Reihe von Jahren abgeschlossen, das die Ueberschüsse an - 9 - Lebens- und Futtermitteln sowie von Rohstoffen aller Art zu- gunsten von Deutschland und Oesterr-Ungarn zur Verfügung stellt. In letzteren sollen auch Vorzugsbedingungen für die verbündeten Mächte hinsichtlich Zölle, Tarife aufgenommen werden." Der Hetman antwortete hierauf: "Ich erkläre, dass ich es für meine heiligste Pflicht halte, alle Verpflichtungen des Brester Vertrages auf mich zu nehmen. Mit allen Kräften werde ich bestrebt sein, alle in den Paragrafen 2, 3, 4, 5, 6, 8, und 10 dieser Erklärung bezeichneten Massnahmen der inneren Politik ins Leben zu rufen. Mit Punkt 7) bin ich in dem Sinne einverstanden, dass die Freiheit des Handels genehmigt, alle Schwierigkeiten, die bei der Erfüllung des Brester Vertrages gemacht werden, besei- tigt und neue Hindernisse nicht in den Weg gelegt werden, 28. 4. 1918. Glt. Skoropadsky." Ziffer 9) wurde ganz, von 10 wurden die Sätze "Aus- serdem wird ein wirtschaftliches Abkommen ..... bis zum Schlusse gestrichen. Diese Antwort des Hetman wurde in der gemeinsamen Bera- tung am 30. - über Wunsch der deutschen Vertreter - durch nach- folgende Erklärung der Ukrainer ergänzt: "Zu Ziffer 9) erklären die Vertreter der neuen Regie- rung: Da General Skorppadsky und die Vertreter der neuen Re- gierung bisher noch nicht in der Lage waren, in die mit der bis- herigen Regierung paraphierten Vereinbarungen Einblick zu neh- men, wird zugesagt, dass die bisher papaphierten Vereinbarungen in der ersten Sitzung des Ministerrates zur Entscheidung gelan- gen werden. Im Uebrigen wird schleunigste Regelung aller Fi- nanz- und Valutafragen zugesagt. Zum 2.Teil der Ziffer 10 er- klären die Vertreter der neuen Regierung, dass sie angesichts der wirtschaftlichen Lage einerseits der Mittelmächte, anderere - 10 - seits der Ukraina und der Notwendigkeit, die wirtschaftlichen Beziehungen untereinander auf längere Zeit festzulegen, im Prin- zip bereit sind, den baldigen Abschluss eines langfristigen wirtschaftlichen Abkommens mit den Vertretern der Mittelmächte im allgemeinen Sinne der Ziffer 10, Absatz 2, herbeizuführen. Es wird dies eine der ersten und wichtigsten Aufgaben der neu- en Regierung sein." Der 30. April war den Versuchen gewidmet, ein Kabinett zu bilden. Hierzu kamen der Glt. Grüner, die Vertreter der Zen- tralmächte und des Hetman zusammen. Da die vom Hetman'schen Ministerpräsidenten Ustymowitsch vorgeschlagene Ministerliste als zu sehr rechts gerichtet und daher als der revolutionären Genesis der Ukraina zur Zeit nicht angemessen befunden wurde, bekam der Hetman den Auftrag, sein Kabinett mehr dem Zeichen der Zeit entsprechend links gerichtet, zu gruppieren. Die so im neuen Kabinett ergebende Parteischattierung veranlasste den Eintagspräsidenten Us tymowitsch zu demissionie- ren, worauf Wassilenko zum Premier ernannt wurde. Ratapräsidcnt Bruschewsky und Ministerpräsident Holubo- witsch haben ihre Macht in die Hände der Parteien zurückgelegt und erklärt, an der Regierung nicht teilnehmen zu wollen. Sozialrevolutionäre wollen bereits alles angesetzt haben, um durch aufs Land entsendete Kommissare gegen den Hetman zu hetzen Skoropadsky ist in das Regierungspalais eingezogen, wo sich nun in den Vorräumen statt der Proleten des Holubowitsch z zahlreiche zum engsten Anhang des Hetman zählende Offiziere der russischen Garde und Kosaken aufhalten. Die Strassen zeigen das gewohnte Bild. Die radatreuen Sitschowi strilui und in ihrer Mitte Bruschewski wurden ohne Blutvergiessen in die östliche Vorstadt von Kiew gelockt und dort konsigniert. Das Gebäude der Rada ist von der weissen Garde Skoropadsky's besetzt. Telegramm. Nr..... Chiffre. v.Princig, Kiew,5.Mai 1918. Bulgarischer Gesandter Schischmanoff ist hier eingetroffen. Ich habe mich seiner angelegentlichst angenommen und werde ihm bei Einführung bei Regierung sowie in allen anderen Belangen behilflich sein, was ich auch ohne die Überflüssige, mir durch Major Fleischmann übermittelte Weisung des AOK von selbst getan hätte. Möchte bei diesem Anlasse bitten zu veranlassen, dass mir derartige Weisungen nicht vom AOK., sondern von E.E. direkt zukommen, denn ich glaube kaum, dass umgekehrt irgend eine der hiesigen militärischen Stellen sich durch meine Vermittlung Weisungen E.E. würde erteilen lassen. -.--.--.-- Telegramm in Ziffern. Bezug auf E.E.Telegramm ohne Nummer vom 5.d.M. Ich kann nicht annehmen, dass das kuk.AOK tatsächlich die Absicht gehabt hätte E.E. einen Auftrag zu erteilen:ich vermute vielmehr, dass es sich um ein Ersuchen handelt, das an Sie gerichtet werden sollte, das aber von Major v.Fleischmann nicht ganz in der vom AOK intentionierten Art E.E. übermittelt wurde. Jedenfalls könnte ich erst dann im Sinne des von Ihnen geäußerten Wunsches beim AOK Vorstellungen erheben, wenn mir in konkreter und detaillierter Form die Gründe Ihrer Beschwerde bekannt sein werden. Hierüber wollen E.E. mir gegebenenfalls schriftlichen Bericht vorlegen. Sollte darnach tatsächlich ein gewiss auch nach meiner Auffassung unzulässiger Auftrag seitens der Militärstellen an E.E. gerichtet worden sein, werde ich sicherlich für entsprechende Abhilfe Sorge tragen, Telegramm. von Princig, Kiew,6.Mai 1918. Nr.312. Heute suchte mich der nunmehr zum Kabinettschef be- stellte Herr Lysogub auf, der mir als ernster, sachlich den- kender und mit den Verhältnissen des Landes vollkommen ver- trauter Mann einen ungemein günstigen Eindruck macht. Er ist sich ohne weiteres der Pflichten bewusst, die seine Regierung den Mittelmächten und besonders uns gegenüber zu erfüllen hat, und zeigt volles Verständnis für die dringende Notwendigkeit der raschesten Lieferung von Lebensmitteln, besonders Getrei- de, an uns. Nach Erhebungen, die er gemacht zu haben angibt, seien die von der Ukraina im April vertragsmässig zu liefernden Getreidemengen bereits .......*), hätten jedoch vielfach wegen Kohlenmangel an den Grenzstationen nicht zur Verfügung gestellt werden können. Der Premier hat daher bei den Deutschen nach- drücklichst auf erhöhte Kohlenzufuhr gedrungen und Zusage er- halten, dass dem Ersuchen werde entsprochen werden, so dass die Transporte nun bald abrollen dürften. Ausserdem versprach er, dass die dringende Angelegenheit der Getreidelieferungen womöglich in morgiger Sitzung des Ministerrates in Fluss ge- bracht werden wird. Wie bei seinen Kollegen und beim Hetman, habe ich auch beim Premier Aufklärungen über unsere Haltung zur Regierung und über die Erfüllung unserer Wünsche gegeben. Herr Lysogub klagte mir, dass ihm der Befehl Feldmarschall Eichhorn's, wonach Bauern Ertrag der von Grundbesitzern wider- rechtlich entzogenen Boden eingebauten Aussaat als Eigentum zu erkannt wird, ernste Sorgen bereitet,welI Sabotageakten sei- tens geschädigter schwere Steuerlast tragender Grundbesitzer - 2 - befürchtet, die nächstjährigen Ernteertrag ernstlich schädi- gen müssten. Da Befürchtungen des mit hiesigen Grundbesitzer- verhältnissen sehr vertrauten Premiers teile, habe mit General Gröner und Botschafter Mumm diesbezüglich Rücksprache gepflogen und ist zu hoffen, dass, wenn auch nicht Marschallbefehl zu- rückgezogen, so doch geeigneter Ausweg gefunden werden wird, um dem Wunsche Premiers zu entsprechen. Vielleicht nehmen E.E. Anlass in Berlin darauf hinzuwirken, dass deutscherseits mit Rücksicht auf Gefährdung nächstjähriger Ernte Bedenken Pre- miers "echnung getragen werde. Heute hat auch von mir veran- lasste Aussprache zwischen Finanzminister und unserem Finanz- delegierten stattgefunden, die den ersten über alle Finanz- fragen sehr eingehend orientiert haben; auch wurde Finanzmi- nister für die Idee gewonnen, vor Beginn der Friedensverhandlun- gen zwischen Ukraina und Grossrussland Beratung mit uns und Deutschland zu pflegen und zu den Verhandlungen das dem finanz- ministerium anzugliedernde Finanzkomitee, dem unsere und deutsche Finanzdelegierte angehören werden, an den Friedensverhandlungen teilnehmen zu lassen. Habe auch deutschen Botschafter mit die- sen Ideen, wodurch unsere Finanzdelegierten Möglichkeit hätten an erwähnten Friedensverhandlungen teilzunehmen, vertraut ge- macht. Finanzminister hat Perfektionierung Finanzabkommens so- fort nach Feiertagen zugesagt. K.u.k. öst.ung.Vertrretung, Kiew,12.Mai 1918. Nr.19/pol. Gegenstand: Regierungserklärung des neuen Kabinetts. 2 Beilagen. An das kuk.Ministerium des kuk.Hauses und des Äussern in W i e n . Im Amtuge unterbreite ich eine deutsche Übersetzung der heute verlautbarten Erklärung der neuen Regierung über ihre politischen Ziele und ihr Tätigkeitsprogramm. Der kuk. Gesandte: Princig. Beilage ad Bericht Nr.19/pol. Regierungserklärung. Die Regierung erhält die Nachricht, dass Agitatoren, denen es hauptsächlich darum zu tun ist, im Lande Unruhe und Anarchie zu verbreiten, böswillige Gerüchte ausstreuen als würde in der Ukraine die vom Volk gestützte Selbstherrschaft wieder hergestellt und als ob der Hetman ein neuer Selbstherr- scher wäre, dass die neue Regierung sich auf den Weg der Re- aktion begebend danach strebe das Volk seiner politischen und bürgerlichen Freiheiten zu berauben, dass die Regierung ausschliesslich aus Grossgrundbesitzern und Kapitalisten beste- hend, sich keineswegs um die Befriedigung der Landnot der ukrainischen Bauernschaft und um die gerechten sozialen For- derungen der arbeitenden Klasse kümmern werde, und schliess- lich, dass die neue Regierung aus Feinden der ukrainischen Nation und der jungen, noch unbefestigten Selbständigkeit des Landes bestehe. Bei der ungenügenden Aufklärung der breiten Massen könnte eine derartige böswillige Agitation Erfolg ha- ben und Unruhen hervorrufen, deren Unterdrückung im Interesse der staatlichen Ruhe und Ordnung schwere blutige Opfer im Ge- folge haben könnte. Die Regierung hält es daher für ihre Pflicht sich an die Bevölkerung der Ukraine mit der Erklärung zu wenden, dass alle diese Gerüchte nur böswillige Verleumdungen seitens jener denen die Interessen des ukrainischen Volkes fremd sind und die zur Erlangung der Macht auch unwürdige politische Mittel nicht scheuen, oder aber die Frucht von Missverständnissen, die sich aus ungenügend durchdachter Stellungnahme zu den letzten Ereignissen ergeben. Der Hetman strebt nicht darnach, Selbstherrscher zu sein, die Hetmanswürde ist die Verkörpe- rung der Unabhängigkeit und Freiheit der Ukraine in ihrer his- - 2 - torischen und nationalen Form. An der Spitze der ukrainischen Regierung stehend, verbürgt und befestigt der Hetman den Gedan- ken der unveräusserlichen Freiheit des Volkes und der Kosaken- schaft. Das Manifest des Hetman, das den Grund zu einer neuen Epoche in der Geschichte des ukrainischen Staates gelegt hat, beweist, dass nicht die Rede sein kann von Bestrebungen der ne neuen Regierung zu Unterdrückungen der ukr., wie sie das Land noch nie durchlebt hat. Ebenso falsch sind die Beschuldigun- gen gegen die Regierung, dass sie dem Interessen der Gross- grundbesitzer diene und der Not der Bauernschaft vergesse.Ein wirtschaftlich kräftiger Bauernstand bildet die Grundlage des Volkswohlstandes in einem ackerbautreibenden Lande wie die Ukraine es ist und die Regierung hat bereits mit der Ausarbei- tung eines Planes zur Agrarreform begonnen, der sich zum Ziele setzt die Landnot der wenig begüterten und landlosen Bauern zu befriedigen. Die Regierung ist entschlossen weder den Weg der Ne- gierung des Eigentumsrechtes, noch jenen von gefährlichen Experimenten, die noch kein Kulturland durchgeführt hat,noch auch den der Zerstörung der Agrarkultur, die die Grundlage der Volkswirtschaft der Ukraine bilden, zu betreten. Aber die Regierung wird vor keinem Opfer zurückscheuen, um in der Ukra- ina einen gesunden, ausreichend mit Land versehenen und zur höchsten Entwicklung der Produktion befähigten Bauernstand zu schaffen. Jene Ländereien aus Privatbesitz, die zur Ver- wirklichung dieses Zieles ohne Schädigung der Landeskultur enteignet werden müssen, werden vom Staate gekauft und den Bauern zu mässigen Preisen verkauft werden. Die Einzelheiten der auf diesem Grunde aufgebauten Agrarreform werden gewis- senhaft unter Teilnahme von erfahrenen und sich des Vertrau- ens der Bevölkerung erfreuenden Persönlichkeiten ausgearbei- tet werden. /. - 2a. - Nationalität, Sprache, Kultur und Staatlichkeit. Im Gegenteil die Regierung wird ohne Gewalt, ohne jähes Vorgehen die Idee weiterer und allseitiger Ausgestaltung der ukrainischen Kultur, der Sicherstellung der Rechte der ukrainischen Sprache in Schule, Staat und Gesellschaft und der Befestigung aller Formen der ukrainischen Staatlichkeit, energisch wahrnehmen. Hierbei erkennt die Regierung die Rechte aller anderen auf dem Boden der Ukraine lebenden Nationen an und wird ihre Kultur in vollem Masse achten und keinerlei Massnahmen der Unterdrückung und Unduldsamkeit gegen irgend einen Teil der Bürgerschaft anwenden. Die Hauptaufgabe der Regierung, die provisorischen Übergangsscharakter trägt, liegt darin, in der Ukraine die staatliche Ordnung zu befestigen und das Land in voller Ruhe und wahrer Freiheit bis zu dem Augenblicke zu führen, dem eine Volksvertretung, die den wahren, durch keinen Druck von irgend einer Seite verfälschten Willen des ukrainischen Volkes darstellt, zusammentritt und über die künftige staatliche Ordnung der Ukraine beschliesst. Die Ausarbeitung des betreffenden Wahlgesetzes ist eine der nächsten Aufgaben der Regierung und sie rechnet in dieser wichtigen Sache auf die Unterstützung von Männern mit politischer Erfahrung und wissenschaftlicher Bildung. Die Städte- und Semstwoautonomie liegt der Regierung, in welcher Persönlichkeiten mit langjähriger Tätigkeit auf diesem Gebiete Platz gefunden haben, warm am Herzen und jener Verdacht, als wolle die Regierung die Selbstverwaltungsrechte einschränken oder breite Schichten der Bevölkerung von ihr ausschliessen, muss daher entfallen. Aber die Erfahrung der letzten Zeit gat gezeigt, dass eine zweckmässige Selbstverwaltung nur möglich ist, wenn an ihr besonders dazu vorbereitete Elemente teilnehmen; es ist daher notwendig, - - 2b. - unter Wahrung des allgemein demokratischen Charakters der Selbstverwaltungskörper – in das Wahlgesetz für diese Insti- tutionen solche Aenderungen einzuführen, welche eine durch- dachte und fruchtbringende Arbeit zum Wohle der örtlichen Bevölkerung garantieren. Die „egierung beabsichtigt keine Attentate auf ir- gendwelche bürgerliche Freiheiten, aber in der schweren Zeit, die unser Vaterland durchlebt, nach so vielen erduldeten schweren Prüfungen muss die Wahrung der staatlichen Ordnung an erster Stelle stehen; aber in allen jenen Fällen, in denen im Namen der höchsten staatlichen Interessen die Regierung genötigt sein wird strenge Massnahmen zu ergreifen, wird dies nur zeitweilig sein, bis zur Einführung der Ruhe im Lande und der Wiederaufrichtung der normalen Vorbedingungen für wirke- same staatliche Arbeit, deren uns so grosse bevorsteht. Nicht Kritik, sondern Unterstützung ist die Regierung zu erwarten berechtigt, bei ihrer maslos schweren Aufgabe, die sie zu erfüllen hat unter so schweren Umständen, /. (.) - 3 - In gleicher Weise werden die gerechten Forderungen der Arbeiter, die nicht auf den Ruin der vaterländischen Industrie hinzielen, stets Unterstützung und Schutz der Regierung finden. Auch werden die Berufsorganisationen, insbesondere sie sich mit der Vertretung beruflicher Interessen befassen, sich voller Anerkennung der Regierung erfreuen. Die Regierung hält es nicht für notwendig ein umfangreiches Programm der gesetzgeberischen Arbeiten zu veröffentlichen, da diese schon der künftigen Volksvertretung zufallen werden. Aber die Regierung hält sich für verpflichtet schon jetzt jene gesetzgeberischen Verfügungen zu treffen, die zur Wiedereinführung der Ordnung im Lande, zur Befestigung der Gewalt und zur Einführung normaler Zustände im Lande, in der Verwaltung und in der Volkswirtschaft unaufschiebbar erscheinen. Aus allem Gesagten ist klar, wie falsch alle die Gerüchte sind, welche im Volk verbreitet werden und von welchen geheimen Motiven, die nicht auf das Wohl des Volkes, sondern nur auf neue und schwere Prüfungen desselben anziehen, jene Agitatoren sich leiten lassen, die diese Gerüchte im Lande verbreiten. Die Regierung, die vor keiner Massnahme der Bekämpfung dieser schädlichen Tätigkeit zurückschrecken wird, ruft alle verständigen und staatstreuen Elemente zur unermüdlichen aufbauenden Arbeit zur Rettung des Landes vor dem Verderben, der Anarchie, des Raubes, der Gewalt, des Mordes und der gewissenlosen Verschleuderung des Volksvermögens sowie zur Errichtung einer festen staatlichen Ordnung, die auf dem Gesetz und wahrer Freiheit sowie der Achtung der heiligsten Menschenrechte, die so lange und straflos verletzt wurden, beruht. Nur im gemeinsamen friedlichen Bemühungen aller die- - 4 - ser Elemente der Gesellschaft wird es gelingen eine freie unabhängige und mächtige Ukraine aufzubauen. Gezeichnet: Ministerpräsident und Minister des Innern: F.A.Lisogub. Minister der Volksaufklärung, Leiter des Ministeriums des Aeussern: N.Wassiljenko. Finanzminister: A.K.Rshepezky. Minister für Handel und Industrie: S.M. Gutnik. Ernährungsminister und Leiter des landwirtsch.M.;J.Sokolowski. Verkehrsminister: B.Butenko. Arbeitsminister: J.Wagner. Justizminister: M.Tschubinski. Minister für Volksgesundheit: W.J.Ljubinski. Leiter des Kriegsministeriums: Ataman Liegnau. Kiew, am 10. Mai 1918. Telegramm. Graf Fergach, Kiew, 9. Juni 1918. Nr.542. Im südöstlichen Teile des Gouvernements Kiew, speziell im Kreise Zwinigorod, sind stärkere Bauernrevolten ausgebrochen. Mehrere deutsche Kompanien wurden abgeschnitten. Zur Nieder- werfung der Unruhen wurden deutscherseits energische Massnahmen getroffen und beträchtliche Truppenmengen aus Kiew entsendet. In unserem Besetzungsgebiete finden endauernd mit Kämpfen ver- bundene Unruhen und Bandenbildungen bei Elisabethgrad statt. Der Vertreter des k.u.k.Ministeriums des Äussern beim k.u.k. Armeeoberkommando. Nr.30.862. Baden, am 30.Juni 1918. Gegenstand: Nachrichten aus der Ukraine. l.Beilage. An Seine Exzellenz den Herrn Minister des kais.und königl.Hauses und des Äussern Grafen B u r i e n . Das Armeeoberkommando hat mir eine auf Grund tele- graphischer Meldungen der letzten Tage aus Kiew heute ver- fasste Zusammenstellung zur Verfügung gestellt, die ich im Anbuge unterbreite. Trauttmensdorff. Ad.Nr.30.862. K.u.k.Armeeoberkommando. Operationsabteilung. Streng vertraulich, nicht für Deutsche.- Vertrauliche Nachrichten. Deutscher Botschafter Mumm soll am 27.Juni dem Hetman ein Handschreiben Kaiser Wilhelms überbracht, worin Hetman /. - 2 - zur Ukrainisierung der Kiewer Regierung aufgefordert wird. Am selben Tage besuchte Legationsrat von Berchem den Aussen- minister Doroschenko, bei welchem sodann eine längere Konfe- renz stattfand, an welcher Fürst Dimitr Urusow, Baron Stein- gell, Staatssekretär Kistlakowskyj, Professor Eichelmann und der Führer der ukrainischen Friedensdelegation Scheluchin teilnahmen. Man beschloss angeblich fest alle Minister ausser Doroschenko, Wasylemko und Rzepeckij zu entlassen; als Kandi- daten für das neu zubildende Kabinett werden genannt: Dr.Don- cow - Aeusseres, Feschtschenko- Handel, Doroschenko - Inneres, Scheluchin - Justiz, Wasylemko oder Efremow - Unterricht, Porsch (soz.dem.) soll Arbeitsministerium übernehmen. Winni- tschenko soll jede Teilnahme im neuen Kabinett abgelehnt ha- ben. Aus diesem Anlass erregte Stimmung unter den russischen offiziellen Kreisen. Trepow mit hiesiger Mission angeblich unzufrieden, verliess vorgestern Kiew und hat bei der Durchreise in Char- kow sogar die dortige russische Delegation nicht empfangen. Feldmarschall Eichhorn soll in den nächsten Tagen ab- reisen. Glt.Grüner nicht mehr nach Kiew zurückkehren. Von Mumm angeblich Demissionsgesuch eingereicht. In Kiew seit einigen Tagen Telefonzensur durch Het- man'sche Raswjedka eingeführt. In deutschen Militärkreisen, sowie in Hetmans Umgebung angeblich grosse Aufregung wegen täglich wachsender Populari- tät Erzherzogs Wilhelm ( vom Volk Prinz Wasyl genannt). Heute fand im Sophiendom Seelenmesse für den Zaren Nikolaus statt, wobei Zarenhymne am Sophienplatze gesungen wurde. Militär zer- streute auf Befehl des Hetmans die Demonstranten. Geht an Militärkanzlei Seiner Majestät, Vetr.d.Min. d.Aeussern, AOK.Ukr.Abh. Oberst Beyer und Pressereferent. Abgeschlossen 30.Juni 1918. Aussern Minlst Win indiziert 4.Jul.1918. 28.VI.18. 5 Kyew ez 2757 28 2,-40. No.614. Zu telegr e e no 472 vom 23,-sten welches erst gestern hyer ejngetrofn euser sejmem persenlychu Besuche richtete hr Deroschenko lejter ds minister ds aeuszern obwol ich selbst sejt den gemeldeten telefonischen ausdruck meiner misbilligung auf die angelegenheit nycht wejter zuruckkam zwej schrejbu an mych in welchu er entschuldigungen u betauern witerholte u mych vn ten in folge dr publizirung der note ergriifenen disziplina- rischn maanamen verständigte dze ganze politische Abteil jI ds kyewer ausw amtes wurde aufgelest teren lejter ejne tame frau Surawzow ejne verbissene u sehr ehauvinistlsche politikerin entl. szen u ejn ganz neues departement organisyert was tie note selbst anbelangt so enteme ich aus hrn deroschenkos neurlychn muendlichcn u schryftlychm aauszerung tas her jakowlew gelegen- lych seines letzten kyewer aufenthaltes neben seinen entrag die muendliche ermechtigung erhalten hste unsere aufmerksamkeit ≠ eventuel auch schriftljch auf tie cholmer angeleganheit zu len- ken ter Ten u form der note waren jetoch das ausschlyslche werk hern jakowlews u vielleicht ejniger untergeordneter beamter ds ausw amtes der minister hate hyeon keine kentnis Fergach+ TELEGRAMM. Graf Forgach, Kiew,30.März 1918. Nr.95/746. Zu Telegramm Euer Exzellenz Nr.43 von gestern. Frage der Entlohnung ukrainischen Bahnpersonales war wegen der für unsere operierenden Truppen bedenklichen Streik- gefahr Gegenstand meiner steten Aufmerksamkeit und Sorge. Ges- tern war es mir gelungen, prinzipielle Zustimmung Ministerprä- sidenten zu direkten Verhandlungen Major Johns mit Eisenbahn- minister und Einhaltung unserer finanziellen Unterstützung zu erlangen. Es soll vorläufig jedem Angestellten eine Unter- stützung gewährt werden, ein Vorschuss, wozu 21 Millionen Ru- bel nötig, von denen 2 Drittel von Deutschland, 1 Drittel von uns angefordert werden. Major John hat hierüber AOK.berichtet. Widerstand der Regierung gegen direkte Bezahlung durch Okku- pationsmächte hängt teilweise mit Fragen der sozialdemokrati- schen Organisationen der Eisenbahner zusammen. Lage auf Eisen- bahnen, welche bis auf Militärtransporte beinahe stillstehen, und keine Einnahme haben, ist ein Glied in hiesigem Chaos und vollständigem finanziellen Zusammenbruche. Um Staatsmaschine halbwegs in Gang zu bringen, müssten Zentralmächte ausser den grossen Summen für die von den Bauern abzugebenden Getreide- vorrate noch einige Millionen Rubel aufwenden. Wenn auch die Höhe dieser Beträge in der jetzigen Zeit nicht überwältigend wäre und auch die grössten Vorschüsse und Anleihen aus diesem an Naturschätzen reichen Lande nach Jahren bei geordneten Ver- hältnissen herauszubringen wären, so stehen wir heute einem beinahe unüberwindlichen finanziellen Problem gegenüber, näm- lich dem Mangel an Wertzeichen und Papierrubel, welche von den Bauern tesauriert vollkommen verschwunden sind. Der unfundierte - 2 - und eigentlich ganz wertlose Papierrubel ist zu einer mangeln- den und daher gesuchten Ware geworden. Die Wertzeichen, welche die Regierung in Leipzig drucken lässt, werden erst im Spätsom- mer bereit sein. Unsere Kronen werden zwar angenommen, doch haben die wenigen Millionen, welche durch Grenzhandel und durch Käufe der Heeresverwaltung in das Land kamen, bereits den Kurs stark gedrückt, und in Kiew sogar unter Friedenspari- tät des Rubels gebracht. Im Interesse unserer Valuta kann von Import unseres Papiergeldes in grösseren Mengen nur abgeraten werden. Eine rationelle Lösung, Herausziehung bei den Bauern befindlicher Milliarden an Papierscheinen erfordert Zeit und eine ganz andere Staatsgewalt, als Regierung einiger jüngeren machtloser Revolutionäre und sozialdemokratischer Utopisten. Ich musste dies ausführen, weil die für unsere Truppen so wich- tige Frage der regelmässigen, Millionen erfordernden Entlohnung der Eisenbahner einen Teil der hiesigen finanziellen Krise bil- det. Nr.5389. TELEGRAMM. Indiziert 4.April 1918. Graf Forgach, ddto Kiew,l.April 1918. Nr.102/867. aufg. 10 U. -- M.a.m. einget. l " 45 " p.m. Im Nachhange zu meinem Telegramm Nr.95. Unsere militärischen und finanziellen Delegierten haben einvernehmlich mit deutschen Delegierten beschlossen ukrainischer Regierung schleunigst 25 Millionen Rubel für Entlohnung Eisenbahn zur Verfügung zu stellen. Hiervon entfallen auf uns 10 Millionen. Da Armeeoberkommando zur Vorstreckung dieser Summe bereit, ersu- che dasselbe aufzufordern, Summe schleunigst, soweit möglich in Rubeln, sonst in Kronen an Major John, Vertreter Feldeisanbahn- chefs, Kiew abzusenden. Hersendung äusserst dringend. Vertreter der Finanzministerien und Sektionsrat Gärtner bitten über Geldbedürfnisse im Sinne meiner vorangehenden bezügli- chen Telegramme Ministerpräsidenten und Finanzministerien dringend zu verständigen. Ukrainische Regierung wünscht bereits 100 Millionen Anlei- he oder Vorschuss auf Getreide, was natürlich zunächst abgelehnt wurde. Aber ohne grössere Geldbeträge wird Getreidelieferung nie in Fluss kommen und ich habe hiedurch, dass trotz wochelanger kom- missioneller Verhandlungen in Wien Finanzministerien nicht vorge- sordt haben, um Zentralen notwendig grosse Geldmittel bereit zu stellen.../Passus fehlt.../...Verhandlungen Finanzausschusses mit n/ Ukrainer über detaillierte Bedingungen noch nicht abgeschlossen, werden fortgesetzt. Ukrainer leisten hartnäckigen Widerstand ge- gen Festsetzung Kurses ein Rubel gleich 2 Kronen. ---.---.--- Nr.5414. TELEGRAMM. Ref.I. Indiziert Dep.15. 4.April 1918. Major J o h n, ddto Kiew,l.April 1918. Nt.14 /III. aufg. 5 U, 20 M.p.m. einget 9 " -- " p.m. Ukrainischer Eisenbahnminister hatte im Auftrage Regie- rung gebeten, direkte Zahlungen an Bahnpersonal einzustellen. Vertreter der k.u.k. und deutschen Obersten Heeresleitung einver- standen, falls Ukraine sofort selbst zahlt. Regierung bat darauf um Vorschuss von 50 Millionen Rubel, die auf 25 Millionen durch Besprechungen der Regierungs- und Fachvertreter herabgesetzt wur- den, was einem Monatserfordernis für 100.000 Angestellte und 200 Rubel pto Person mit einer Aufrundung von 25 von 100 entspricht; hierüber ausgearbeiteter Vorschlag wurde in einem Ausschuss von deutschen, k.u.k. und ukrainischen Vertretern durchberaten und fester Vorschlag eisenbahn und finanztechnischer Form vorgelegt, worüber Ministerrat 31.März beriet. In der Sitzung vom l.April vormittags teilte ukrainischer Finanzminister mit, dass das Angebot eines Vorschlusses zur Ent- lohnung des Bahnpersonals abgelehnt werden müsse, da die Minister- rada am gestrigen Abend wohl dankbar die Hilfe anerkannte, ande- rerseits aber hoffe, bis zum 15.April mit dem neuen, hier in Druck befindlichen eigenen Gelde zahlen zu können. Trotz der Geldnot erfolgte Ablehnung angeblich nur wegen des unannehmbaren Kurses von l.33Mark beziehungsweise 2 Kronen für einen Rubel. Regierungsvertreter der Mittelmächte hielten weitere Ver- handlungen ihrerseits für aussichtslos und beendeten weitere Be- - 2 - sprechungen. Die beiden Vertreter der Obersten Heeresleitung ver- wiesen darauf, dass Angelegenheit in erster Linie eine militäri- sche sei, und dass die beiden Heeresleitungen sich das unbedingte Recht der direkten Entlohnung der Arbeiter, eventuell durch die Komitees der Angestellten und dann natürlich zu dem angegebenen Kurse vorbehalten, da Truppeninteresse keinesfalls leiden darf. Ukrainischer Finanzminister erklärt sich nicht für be- vollmächtigt im Namen des Kriegsministers zu sprechen und gibt sodann noch bekannt, dass sich Rada gegen unmittelbare Entlohnung des Bahnpersonals durch die Mittelmächte kategorisch ausgespro- chen habe und sie verhindern würde. Dieses möchte den Obersten Heeresleitungen mitgeteilt werden. Hiezu erklären die militäri- schen Vertreter nochmals, dass die Operationen und Truppen kei- nesfalls unter weiterer Verschlechterung des Bahnbetriebes leiden dürfen und dass sie gegebenenfalls die Auszahlung vornehmen wer- den. Vorschläge die Umrechnungskurse 1.33 Mark oder 2 Kronen unbedingt festzuhalten. Wenn diese Vorschussangelegenheit so ge- regelt, werden die Heeresgruppen Eichhorn und Böhm-Ermoli eben- falls Kurse so herabsetzen. Nach vereinbartem Schlüssel sechs zu vier / letzterer österreichisch-ungarisch/ sind für Oesterreich-Ungarn sofort 10 Millionen Rubel oder entsprechende Summe in Kronen an die Opera- tionskasse der Heeresgruppe Böhm-Ermoli herzusenden. Hiedurch än- dert sich meine Anforderung von 8 Millionen Rubel vom 29.März und die Ueberweisung an mich, beziehungsweise die Betriebsdirek- tion Südwest. Auf Eb Nr.7000 Eispegel melde ich,dass Belassung Eisenbahn- direktion Odessa ebenso abgelehnt wird, wie Einstellung von ukra- inischen Eisenbahnbeamten bei k.u.k.Militäreisenbahnbhördern bei Entlohnung durch uns.Ukrainisches Eisenbahnministerium stellt auch das im Bereiche der Südwestbahnen sich aufhaltende beschäfti- gungslose polnische Eisenbahnpersonal von rund 5.000 Mann in ihren Betrieb nicht ein und denkt an dessen baldigen Abschub. Gleiches Eispegel Baden, Aussenministerium Wien. Exzellenz Graf Forgach ist in Kenntnis. -.--.--.-.-- PROTOKOLL. Bei der heutigen Sitzung der Österreichisch-ungarischen- für die Abfassung des Kollektivfriedensvertrages zwischen Deutsch- land, Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei einerseits und der ukrainischen Volksrepublik hat der Vorsitzende Gesand- ter von Wiesner folgende Erklärung abgegeben: Bei Vereinbarung der Bestimmung des Art.VII.Ziffer I., gehen die Mächte des Vierbundes auf Grund der von der ukraini- schen Delegation mitgeteilten Daten von der Voraussetzung aus, dass die in der ukrainischen Republik vorhandenen Ueberschüsse an Brotgetreide mindestens eine Million Tonnen betragen, dass die einzusetzende Kommission das Vorhandensein dieser Menge konstatieren und deren rechtzeitige Aufbringung und Abbeförde- rung binnen kürzester Frist sicherstellen wird. Diese Erklärung wurde von der ukrainischen Delegation mit folgender Bemerkung zur Kenntnis genommen: Zur Frage über die Menge an Brotgetreide, welche die ukr.Volksrepublik zu liefern vermag, glauben wir erklären zu können, dass die erwähnte Menge vorhanden ist; die Aufbringung und Abbeförderung hängen aber davon ab, dass die ukrainischen Getreideproduzenten ein entsprechendes Äquivalent von Waren, die wir benötigen, erhalten und dass die Mächte des Vierbundes bei Abbeförderung sowie auch bei Verbesserung der Transport- organisation in der Ukraine mitwirken werden. Wiesner m.p. Lubynskyj m.p. Brest-Litowsk,7.Februar 1918. Anschliessend an die in diesem Protokoll festgelegte Erklärung hat der Gesandte von Wiesner noch beigefügt, dass die / - 2 - Möchte des Vierbundes die Ratifizierung des Friedensvertrages davon abhängig machen, dass die von ihm mitgeteilten Voraus- setzungen erfüllt werden. Die ukrainische Delegation hat er- klärt, auch diese Mitteilung zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, hat sich jedoch dringend erbeten, nicht gehalten zu werden, auch diesen Teil der Erklärung des Gesandten von Wiesner mitzuferti- gen, da ihnen dies aus parlamentarischen Gründen unmöglich sei. Die ukrainische Delegation war sich, wie ausdrücklich festge- stellt wird, vollkommen klar darüber, dass der Vertrag von Sei- ten der Vierbundmächte nicht ratifiziert werden wird, wenn die von Vorsitzenden formulierte, im Vorstehenden niedergelegten Voraussetzungen nicht erfüllt werden sollten. Brest-Litowsk, 7. Februar 1918. Wiesner m.p. Privatschreiben S.E. des Herrn Ministers an S.E. den königl.bay- rischen Staatsminister a.D. Graf Podewils-Dürniz München. Wien, am 15.Februar 1918. Verehrter Graf! Aus den Verhandlungen in Brest-Litowsk ist E.E. bekannt, dass ich mich im Interesse des Zustandekommens des für uns so wichtigen Friedensvertrages mit der Ukraine genötigt gesehen ha- be mit der Delegation derselben eine geheime Deklaration abzu- schliessen, wonach unter gewissen Voraussetzungen die Schaffung eines neuen aus den von überwiegend ukrainischer Bevölkerung be- wohnten Gebieten Ostgaliziens und der Bukowina bestehenden Kron- landes in Aussicht genommen wird. Ich brauche E.E. nicht darzulegen, welche kaum absehba- ren Folgen das vorzeitige Bekanntwerden dieser Abmachung bei den Polen hervorrufen würde, welche bereits durch die Zuweisung eines Teiles des früheren Cholmer Gouvernements an die Ukraine ungemein erregt und erbittert sind. Aus diesem Grunde muss ich den grössten Wert darauf le- gen, dass die Tatsache und der Inhalt der Deklaration absolut geheim bleiben. Ich bin zwar überzeugt, dass E.E. diese Erwä- gungen ohnedies gegenwärtig sind, möchte aber doch die Bedeu- tung der Geheimhaltung jener Deklaration auf alle Fälle noch- mals betonend E.E. eindringlich bitten, gültigst auch jenen Per- sönlichkeiten in Bayern, welchen Sie über die Brest-Litowsker Abmachungen im allgemeinen Mitteilungen zu machen in die Lage kommen, die strikte Geheimhaltung jener Deklaration ans Herz legen zu wollen. Genehmigen E.E. den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung. -0-0-0-0-0-0-0-0- Protokoll aufgenommen im k.u.k. Ministerium des Äussern am 18.Februar 1918. Der Vorsitzende der ukrainischen Delegation hat an Oesterreich-Ungarn und Deutschland die Bitte gestellt der ukra- inischen Volksrepublik Waffenhilfe gegen das Vor dringen der bel- schevistischen Kräfte im Bereich der Ukraine zu leisten. Für den Fall der Bewilligung der erbetenen militärischen Unterstüt- zung durch die Streitkräfte der Verbündeten erklärt er sich, auf einen seitens der Mächte des Vierbundes ausgesprochenen Wunsch hin, namens der ukrainischen Volksrepublik bereit: 1/. Die in der Hand der ukrainischen Delegation in Brest- Litowsk befindliche von den drei ukrainischen Delegierten und dem k.u.k. Minister des Äussern unterfertigte Deklaration vom 9.Februar 1918 betreffend Schaffung eines eigenen ostgalizischen Kronlandes an einem sicheren Orte zu verwahren und sie dem kk. Minister des Äussern zurückzustellen, sobald die Schaffung des aus Ostgalizien und der Bukowina zu schaffenden Kronlandes durch geführt ist; die beiden Exemplare dieser Deklaration werden zu vernichten sein; 2/. eine zur Veröffentlichung gelangende protokollarische Erklärung abzugeben, welche von den Vertretern der Mächte des Vierbundes zu fertigen wäre und die folgende Wortlaut hätte: Zur Vermeldung von Missverständnissen bei Auslegung des Punktes 2. des Art.II des am 9.Februar 1918 in Brest-Litowsk zwischen Deutschland-Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Tür- kei einerseits und der ukrainischen Volksrepublik andererseits abgeschlossenen Friedensvertrages wird festgestellt, dass die im 2. Alinea dieser Vertragsbestimmung vorgesehene gemischte /. - 2 - Kommission bei Festsetzung der Grenze nicht gebunden ist, die Grenzlinie durch die Orte Błogoj-Szczebrzyszy-Krastostaw- Pugaszow-Radin-Meshiretschie-Sarnaki zu legen, sondern das Recht besitzt auf Grund des Art.II Punkt 2. dieses Friedensver- trages, die sich aus den ethnographischen Verhältnissen und den Wünschen der Bevölkerung ergebende Grenze auch östlich der Linie Błograj-etc.-Sarnaki zu führen. Die erwähnte gemischte Kommission wird aus Vertretern der vertragsschliessenden Teile und aus Vertretern Polens ge- bildet werden, und wird jede dieser Parteien eine gleiche An- zahl von Delegierten in die Kommission entsenden. Die vertrags- schliessenden Teile werden einvernehmlich bestimmen in wel- chem Zeitpunkte diese Kommission zusammentreten wird. Hierauf erklärt Gesandter v.Wiesner: Der von ukr.Seite geäusserten Bitte um WaffenHilfe wird von den Verbündeten willfahrt werden. Die aus den jetzigen Stel- lungen in das Gebiet der ukr.Volksrepublik vorgeschobenen Ost. ung.Truppen werden in ihre heutigen Stellungen zurückgenommen werden; sobald die Radaregierung diesen Wunsch äussern sollte. Sewrjuk m.p. Wiesner m.p. Telegramm. Nr.1. Ottokar Graf Czernin, Czagled, 22.Februar 1918. Chiffre. Für Gesandten von Wiesner. Da die ukrainische Rada das Geheimnis des Briefes wegen Gelizien nicht bewahrt (unsere Abgeordneten wissen bereits davon) und da dies gegen die Abmachung ist, so hat Herr v.Kühlmann auf meine Bitte an Gesandten v.Rosenberg telegrafiert, er möge mit grösster Energie erreichen, dass der Brief Deutschland zur Auf- bewahrung übergeben werde. Deutschland ist von mir ermächtigt, als Garant für die Ausführung unseres Versprechens zu dienen, so dass die Ukraine noch eine Sicherheit dazu erhält. Mir liegt sehr viel daran, dass obiges sofort durchge- setzt werde. Euer Hochwohlgeboren wollen s o f o r t nach Berlin fahren und sodann mit Herrn v.Rosenberg gemeinsam den Brief in deutsche Verwahrung übergeben. Im Notfalle wäre den Ukrai- nern zu drohen, dass wir, resp.Deutschland sie nicht mehr un- terstützen werden. Natürlich liegt mir sehr viel daran, dass das Exemplar des Briefes dasjenige sei, welches vom Minister- präsidenten Seidler unterschrieben ist und dass ich meine Un- terschrift zurückerhalte. Dringender Drahtbericht über Erfolg ihrer Demarche. -0-0-0-0-0-0-0- Das vorstehende ist ein Beispielfür die "Deutschfreundlichkeit" Khoropodskys im Jahre 1918. Das nächste Heft wird eine aktuelle Probe bringen. Финкфейх - рабочий-теплоработник Из телеграммы вышло командование шефа ОКГ сн. штаба мобилизации в серию РЖ с агитаторами 5/1 1918 4 - стр 4. Об увольнении ратифицирующего личного состава мледу Аб.-Капп и Радай (Министерство транспорта) 5/1 1918. Т 5-стр.1. т о д г о е - 9/II 1918. Из телеграмм вышел комитет: о висячей позиции центр департамент Украины, 8/4 1918 Т 5-стр.5 Приказ Вихорев по об отмененных и забытых угрозах Курбату (семьям). [Сергей] Е22Д-87 - стр.19 выход о комплекте на здание 24/II 1918 Т 5-стр.28-41 сообщение листку Кирпичевого архива укранист прил-вем 20/II - 1918 Т 5-стр.37. напоминание на Украину 20/II - 18 Т 5-стр.4 Дупла В. из телеграммы фон Штюрза о хорактере пропаганды Совета выявления Укр." и о поводe теле дальнейшей цензуры с "Союзом..." /Предлагаю Совету 18.000 кроч/5/III-1917г. О дальнейшем подавлении Совета выявления - "из телеграммы фон Штюрза удачу Чернищу [Северные ведомости" 21/III-1917 г., Украина и Табель] (по схеме электрическая мешанка) 20.000 кроч Совету выявления Укр". 5/Х-1917г Note an 1Ø k.k. Ministerpräsident, 2) k.kung. " Wien, am 10.Februar 1918. Ich beehre mich E.E. anverwahrt die Abschrift eines soeben eingelaufenen Telegrammes des Herrn Ministers des Äussern vom 9.d.M. mit der Bitte des Grafen Czernin zu übermitteln, die kommentierenden Bemerkungen des Herrn Ministers d.As. und insbe- sondere die Mitteilungen über die Abmachung betreffend Ostgali- ziens als eine ausschliesslich persönliche und absolut geheim zu haltende betrachten zu wollen. -0-0-0-0-0-0- Nr.286. Ottokar Graf Czernin, Brest-Litowsk, 9.Februar 1918. Chiffre. Geheim. Heute 2 Uhr morgens unterschriebener Friedensvertrag zwischen Mächten des Vierbundes einerseits und ukrainischer Volksrepublik andererseits enthält in grossen Zügen folgende Be- stimmungen: Grenze zwischen der Monarchie und der ukrainischen Völks- republik bleibt dieselbe, wie jene, die zwischen Russland und Monarchie bestanden hat. Gegenüber Polen bekommt Ukraine eine Grenze, welche im Detail erst durch eine gemischte Kommission "nach den ethnografischen Verhältnissen und unter Berücksich- tigung der Wünsche der Bevölkerung" nach bestimmt werden wird K.u.k. Vertretung Oesterreich-Ungarns in der Ukraine. Kiew, am 3. Juli 1918. Nr.60/pel. Gegenstand: Angebliche geheime Versammlungen und Pläne zum Sturze des Hetmans und seiner Ersetzung durch abgeordneten Wassilko oder Lewleki. Bezug: zu Euer Exzellenz Tel.Nr.499 vom 1.d.M. An Seine Excellenz den Herrn Minister des k.u.k. Hauses und des Äussern Stephan Grafen Burian . Die im oberwähnten Telegramm Euer Exzellenz mir mitgeteilte Nachricht wurde nicht durch den Militärbevollmächtigten, welcher damals auf Urlaub war, sondern durch seinen Vertreter an das k.u.k. Armeeoberkommando gemeldet. Da Major Fleischmann seit seiner Rückkehr an hier epidemisch aufgetretener Lungenentzündung schwer erkrankt ist, konnte ich mich behufs Ausführung Euer Exzellenz Auftrages und Berichterstattung über den Tatbestand nur bei seinem Stellvertreter Hauptmann Wonsowie informieren. Derselbe sagte mir, er habe die Nachricht von zwei Vertrauensleuten, welche der angeblich geheimen Versammlung im Walde beigewohnt hätten, erhalten. An der Richtigkeit einzelner Details z.B. der Kandidierung der Abgeordneten Lewleki oder Wassilko (!) für den Hetmanposten zweifle er selbstverständlich, aber er sei, wie er mir vertraulich sagte, doch genötigt solche confidentialie Meldungen weiter zu leiten. Ich halte das Ganze für eines der vielen Schauermär- - 2 - chen, welche täglich in schwerer Menge in Kiew kursieren und mir sowie den militärischen Stellen hinterbracht werden.Nach- dem wir uns hier auf einem revolutionär vollständig unter- wühlten Boden befinden, wo Raub, Mord, Totschlag, blutige Re- volten, Bandenkämpfe, Brände, Explosionen, standrechtliche Justifizierungen u.s.w. zu alltäglichen Erscheinungen gehören, so ist einerseits natürlich, dass alle Phantasien überhitzt sind, und die törichtesten Gerüchte Glauben finden und dass andererseits die Konfidenten leichtes Spiel haben, indem ihre kühnsten Erfindungen durch die Ereignisse noch übertroffen werden können. Was übrigens unsere sogenannten militärischen Nach- richten-Offiziere, die hier alle chauvinistische ostgalizi- sche Ukrainer sind, anbelangt, so wird ihre Naivität in Be- urteilung politischer Nachrichten nur noch durch die vollkom- mene Unfähigkeit des gleichfalls dem Militärbevollmächtigten zugeteilten Vertreters des Kriegs-Presse-Quartiers in Schat- ten gestellt. K.u.k. Vertretung Oesterreich-Ungarns für die Ukraine. Kiew, am 13. Juli 1918. Nr.66/pol. Gegenstand: Verhaftung von Militär- und Polizeifunktionären wegen Malversationen. Seiner Exzellenz dem Herrn Minister des k.u.k. Hauses und dem Aussern Stephan Grafen Burian . Die Oeffentlichkeit und die Presse beschäftigen sich seit einigen Tagen viel mit einer Reihe Aufsehen erregender Verhaftungen, die die ukrainische Regierung unter Zuhilfenahme bewaffneter deutscher Assistenz vorgenommen hat. Es handelt sich um drei voneinander unabhängige Affä- ren, denen durchwegs Missbrauch der Amtsgewalt zu gewinn- tigen Zwecken zu Grunde zu liegen scheint. Der eine Fall be- trifft den Kommandanten des Kiewer Militärbezirkes Ataman Za- rekuzza und seinen Gehilfen Seizew, die beide beschuldigt wer- den grosse Mengen von Benzol auf dem Requisitionswege zustan- de gebracht und dann für sich verwertet zu haben. Der zweite Fall ist der des Adjutanten des Kriegsministers, Pirigow,der ähnliche Schwindeleien mit Sanitätsmaterial, das er sich auf Grund gefälschter Papiere verschafft hatte, verübt haben soll. Der dritte betrifft die drei ersten Beamten der geheimen Kri- minalpolizei, nämlich deren Chef Krassowsky, samt Gehilfen Wygranow und Przygodskey, denen verschiedene Missbräuche der Amtsgewalt, sogar Morde zur Last gelegt werden. Diese letzte- - 2 - ren Funktionäre sind schon in vorrevolutionärer Zeit in wichtiger Stellung bei der Geheimpolizei tätig gewesen, haben im bekannten "Beilis-Prozesse" eine Rolle gespielt, nachdem sie Ausbruch der Revolution einige Zeit von der Bildfläche verschwunden waren, es verstanden, sich bei Neuaufstellung der Polizei- und Gegenspionageorganisationen durch die ukrainische Regierung wieder gute Posten zu sichern, um schliesslich die Führung der Kiewer Kriminalpolizei in die Hand zu bekommen. Obwohl allen diesen Verhaftungen keine politischen Motive zugrunde liegen, so sind sie doch deshalb von Interesse, weil sie ein Streiflicht auf die hier herrschenden Verhältnisse und die Schwierigkeiten werfen, denen die Konsolidierung des Staatsapparates auf Schritt und Tritt begegnet. Die alte Korruption eines grossen Teiles des russischen "Tschinowniktums", begünstigt durch ein Jahr völliger Anarchie und die in allen Betrieben eingerissene Unordnung und Kontrolllosigkeit, macht sich von neuem bemerkbar und bildet eine fast ebenso erhebliche Gefahr für den Aufbau eines geordneten Verwaltungskörpers, wie die von mir schon mehrfach betonte völlige Unfähigkeit des jungen, in der Revolution an die Oberfläche gelangten ukrainischen Elements. Bedenkt man noch, dass in Zivil- und Militärkreisen infolge der Zerrüttung des ganzen öffentlichen Lebens jeglicher Sinn für Disziplin und Pflichtgefühl, - die ja niemals die starken Seiten des russischen Nationalcharakters waren, - geschwunden ist, wofür die Erfahrungen des eben von einer Inspektionsreise zurückgekehrten Kriegsministers, der die neu aufgestellten Stäbe besuchen wollte und nahezu keinen der Herren auf ihren Posten vorgefunden hat, einen eklatanten Beweis bietet, - so kann man sich ein ungefähres Bild der Schwierigkeiten der Aufgabe machen, der die hiesige Regierung auf administrativem Gebiete gegenübersteht. Nr.8351. Telegramm. Indiziert 18.Mai 1918. von Princig, Kiew, 15.Mai 1918. No.371. Chiffre. Bei meinem gestrigen Zusammentreffen mit Hetman, dem Mi- nisterpräsident Lysogub beiwohnte, sondierte ich ihn nach ge- pflogener Rücksprache mit deutschem Botschafter über unsere Ab- sicht, vor Eintritt in die bevorstehenden Friedensverhandlungen mit Grossrussland mit uns über alle Finanz- und handelspolitisch wichtigen Fragen, die Gegenstände der Friedensverhandlungen seih werden, Einvernehmen zu pflegen, sowie auch über Beiziehung un- serer finanziellen Delegierten zu denselben. Meine beiden Mit- redner erklärten, grössten Wert auf Besprechungen mit uns vor Eintritt in besagte Verhandlungen, grössten Wert auf Rücksprache gemäss die bestimmt in Kiew stattfinden würden, zu legen, und dass diese Besprechungen demnächst im Schosse Finanzkomitees stattfinden würden. Auch würde man sehr dankbar sein, wenn wir bei den kommenden Verhandlungen selbst beratend zur Seite ste- hen würden. Deutscher Botschafter, mit dem ich nachträglich über diesen Gegenstand sprach, teilt mir mit, dass auch er in glei- chem Sinne informiert worden sei, das Finanzkomitee sich jedoch weder für die Beratungen vor den Friedensverhandlungen noch zur Teilnahme an diesen letzteren eigne, weil es zu viele Mitglieder habe. Botschafter ist der Ansicht, dass die Regierung für die Vorberatungen nur wenige Personen nominieren solle, die mit un- seren beiderseitigen Delegierten den Gedankenaustausch zu pfle- gen hätten. Auch glaubt er, dass man unsere Delegierten ohne - 2 - weiteres gleich zur Teilnahme an den Friedensverhandlungen anmel- den solle. Da die Direktoren Polak und Sebesta demnächst Kiew zu verlassen beabsichtigen, würde ich Weisungen wegen Verblei- bens wenigstens eines der Genannten oder aber Delegierung eines anderen geeigneten Finanzfachmannes erbitten. Im Verlaufe des Gesprächs mit Hetman und Ministerprä- sidenten wurde die Agrarfrage berührt, bezw. deren ich bei einer vorgängigen Aussprache mit General v.Grüner und deutschen Bot- schafter Übereinstimmung mit den von E.M. mit Tel.No.281 mir mitgeteilten Gesichtspunkten fand. Ukrainischerseits will man sich allerdings nur mit Widerwillen darein finden, auf eine Ab- änderung Befehles Generalfeldmarschall Richhorns zu verzichten, beabsichtigt aber die Bauern zu veranlassen für den Ernteertrag den Grundbesitzern je nach den lokalen Verhältnissen und den Mo- dalitäten der Aussaat abgestufte Geldentschädigung zu leisten, wobei Befürchtung vor Sabotage der Grundeigentümer das leitende Motiv ist. - Agrarreform selbst soll eine vielgegliederte Kommission beraten, und die bezgl.Gesetzbestimmungen ausarbeiten. Einver- ständlich mit deutschem Botschafter äusserte auch ich ernste Bedenken darüber, dass durch einen so umständlichen Apparat die so eminent wichtige und für die Beruhigung der Gemüter im Lande dringende Aufgabe sehr lange bis zu ihrer Lösung brauchen werde, während es aus verschiedenen Gesichtspunkten, und nicht zuletzt aus wichtigen politischen Gründen geboten erscheint, tunlichst bald mit einem fertigen Agrarreformprogramme hervorzutreten, das auf Basis eines entsprechend reduzierten Grossgrundbesitzes und Schaffung eines Kleinbesitzes durch Aneignung der freiwerdenden Besitzteile seitens der Bauern aufgebaut sein müsse, wobei der Staat als Vermittler gedacht ist, der den enteigneten Besitzern Obligationen anbietet, dagegen von den Bauern den Kaufpreis für den Boden eintreibt. Ich habe aber Eindruck, dass Durchführung dieser Agrarreform nicht so schnell als erwünscht erfolgen werde. /. - 3 - Nachdem Hetman mir gegenüber neuerlich auf die Notwen- digkeit seiner Anerkennung durch die Zentralmächte, die ihn für eine erfolgreiche Durchführung seiner Aufgabe unerlässlich er- scheint, zurückkam und mich bat, diese Angelegenheit zu befür- worten, ersuchte er mich die drei folgenden, allerdings vor- nehmlich im militärischen Interesse gelegenen Anliegen, die er auch deutschem Botschafter vortragen wird, bezüglich deren Ma- jor Fleischmann auf Grund meiner Informationen dem Armeeober- kommando telegrafisch berichten will, bei E.E. zu vertreten: II.- Die militärischen Requisitionen werden nicht plan- mässig genug durchgeführt und hindern die Regierung genauen Überblick über die Exportprodukte des Landes zu gewinnen.Hetman erklärt sich bereit jeden Wunsch nach Requirierung von Landes- produkten zu erfüllen, bittet jedoch jede Requisition einvernehm- lich mit Lokalbehörden oder Zentrale durchzuführen. II.- Dislokation der Besatzungstruppen entspricht nicht den lokalen Anforderungen. Es möge daher dahin getrachtet werden, dass Truppendislokationen tunlichst im Einvernehmen mit Lokal- behörden vorgenommen werden. III.- Hauptsorge des Hetman ist die Entwaffnung des Lan- des. Er bittet daher dringendst selbe mit aller Energie tunlichst beschleunigt durchführen zu lassen. Ich stelle es E.E. Ermessen anheim, diese Anliegen des Hetman bei Armeeoberkommando entsprechend zu unterstützen, ver- mag mich jedoch, da sie rein militärischer Natur sind, dazu nicht zu äussern. Deutscher Botschafter und ich wurden von Hetman für Mit- woch zum Abendessen geladen. Wir werden der Einladung über Wunsch im Strassenanzuge Folge leisten. -.-.-.-.-.-.- Nr.9380. Telegramm. Graf Forgach, Kiew, l.Juni 1918. No.502. Erhalten Telegramm Euer Exzellenz Nr.379 vom 29.d.Mts. Ich habe den gabzen Komplex unserer bei den russisch- ukrainischen Friedensverhandlungen zu wahrenden rechtlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Interessen mei deutschen Bot- schafter und dessen wirtschaftlichen Beirat Geheimrat Wodtfeld besprochen. Auf Basis unserer bis auf einige Details kongruen- ten Instruktionen beabsichtigen wir ein gemeinsames Memorandum auszuarbeiten, welches wir der ukrainischen Regierung vertrau- lich übergeben werden, sie aufmerksam machend, dass sie in den aufgezählten, uns interessierenden Fragen ihre Haltung bei den Friedensverhandlungen unseren Ratschlägen gemäss einzurichten hat. Nr.522. Chiffre. Telegramm. Graf Forgach, Kiew, 5.Juni 1918. Zu B.E.Tel.No.363 vom 26.v.Mts. Deutscher Botschafter teilt mir vertraulich mit, er sei von Berlin verständigt worden, die Oberste Heeresleitung beharre auf der offiziellen Teilnahme ihres Vertreters bei den ukrainisch russischen Friedensverhandlungen. Staatssekretär v.Kühlmann frug Herrn v.Mumm, wie er sich unter diesen Umständen zur weiteren Teilnahme des diplomatischen Vertreters bei den Verhandlungen stelle. Mein deutscher Kollege antwortete, dass er nach wie vor die offizielle Anwesenheit der deutschen Vertreter als überflüs- sig und verfehlt betrachte, es aber noch verfehlter wäre, den militärischen Vertreter ohne diplomatische Überwachung allein teilnehmen zu lassen, das also unter diesen Umständen die Be- trauung des Legationsrates Graf Berchem aufrecht zu erhalten wäre. Teilnahme deutscher Vertreter vollzieht sich übrigens in ziemlich unauffälliger Weise. Ihre Anwesenheit im Sitzungssaale wird in den hiesigen einer Vorzensur unterliegenden Blättern nie erwähnt und sie haben schon auch wegen der sprachlichen Schwie- rigkeiten nie das Wort ergriffen. ЦЕНТРАЛЬНИЙ ДЕРЖАВНИЙ АРХІВ ЖОВТНЕВОЇ РЕВОЛЮЦІЇ, ВИЩИХ ОРГАНІВ ДЕРЖАВНОЇ ВЛАДИ І ОРГАНІВ ДЕРЖАВНОГО УПРАВЛІННЯ УКРАЇНСЬКОЇ РСР В даній справі № 18 Фонду № 106.3 Опису № 3 Пронумеровано 118 (см) воскресная (дифрами/1 прописом) аркушів з них літерні №№ пропущені №№ Вкладена Брошури, газети: Графічні матеріали: 107 Інші особливості документів: з № 108 - світлий текст Документи із згасаючим текстом: .18. 02 19 91 р. Підпис <см> ПІДГОТОВКА СПРАВИ ДО МІКРОФІЛЬМУВАННЯ (що зроблено і вказівки оператору) . " 19 р. Підпис