Головне управління Тенерельно-
го Штабу УНР
Закордонний відділ.
Повідомленні інформаційні
посольства УНР в Києві
від 145 до 191
том 2ий
1921 р.
Того ж березня 1921 р.
Закінчив 26 червня 1921 р.
ГОЛОВНЕ УПРАВЛІННЯ ГЕНЕРАЛЬНОГО ШТАБУ УНР
Політичні інформації посольства УНР в
Німеччині №№ І45-І9І т.2-й
березень 1921р.-
26 жовтня 1921р.
на 272 арк.
ДИПЛОМАТИЧНИЙ ВІДДІЛ
ПО ОБЛАСТІ УКРАЇНЬКОЇ НАРОДНОЇ
РЕСПУБЛІКИ В НІМЕЧЧИНІ.
№ 145
KRONSTADT. Den 20. März 1921.
Gut, unterrichteter Gewährsmann gibt von der finnisch-rus-
sischen Grenze folgenden abschliessenden Bericht über den Kron-
stadter Aufstand.
Das Schicksal Kronstadts hat sich schneller erfüllt, als
anzunehmen war. Die bolschewistische Heeresleitung hat es trotz
der Transportverhältnisse zu Wege gebracht alle in der Nähe von
Petersburg befindliche Artillerie zusammenzuziehen, um mit ihr
den Generalsturm auf Kronstadt vorzubereiten. Die Gesamtstärke
der gegen Kronstadt operierenden kommunistischen Truppen wird auf
100 000 Mann geschätzt. Trotzki hatte alles, was er en verfügba-
ren Reserven zusammenziehen konnte, bei Kronstadt konzentriert,
Chinesen, Tataran, Finnen, Letten, Deutsche, Ungarn u.s.w. Ferner
trafen Kursanten aus Petersburg, Moskau, Nishnij Nowgorod, Saratow
Tambov, Tula und Orel ein; die chinesische Schutzgarde des Kreml,
Teile des Kavalleriekorps Budennij, Furitskiy und Karotzkiy, Stamm-
truppen der 5. und 11. Armee und schliesslich noch 4 000 Mann Trup-
pen der Ausserordentlichen Kommission.
In Kronstadt dagegen war die Zahl der Verteidiger klein.
An Infanterietruppen ward dort nur das Schützenregiment 580, die
Festungsartillerie und die Natonreserven der Kriegsschiffe,
aller in aller etwa 40 000 Mann.Dazu kamen bewaffnete Arbeiter,
welche sich in aufopfernder Weise an der Verteidigung Kronstadts
beteiligt haben, da sie genau wussten, dass von der Entscheidung
des Kampfes ihre Existenz abhängt. Munition hatte die Festung
genügend zur Verfügung, nur neigten sich die Lebensmittelvorräte
allmählich ihren Ende entgegen und hätte die Festung, falls sie
nicht von anderer Seite unterstützt worden wäre, wohl oder übel
nach einiger Zeit kapitulieren müssen. Nach kräftiger Artillerie-
vorbereitung begann der bolschewistische Generalangriff am 17.März
ebenfalls von Süden und Osten aus. Durch nebliges Wetter unterstützt
kamen die bolschewistischen Truppenteile fast unbehindert an die
Festung und an die verschiedenen Forts heran, dann begann ein
Kampf auf Tod und Leben. Der erste Sturm auf Kronstadt selbst
wurde fast in der Stadt selbst abgeschlagen. Nach erhehnten Ver-
stärkungen gingen die kommunisten zu ernsten Angriffen über und
drangen in die Stadt ein. Damit war das Schicksal Kronstadts be-
siegt. Was sich retten konnte, floh über das Eis nach Finnland.
Der Grund des Falles Kronstadts ist in verschiedenen Urze-
men zu suchen. Nachdem sich das temporäre Revolutionskomitee am
2.März aus Arbeitern und Matrosen zusammengesetzt hatte, bot
Koloswskij mit anderen Offizieren dem Komitee seine Hilfe und sei-
nen Rat an. Hierbei schlug er einen Angriff auf Oranienbaum vor,
in diesen Punkt nach der Einsicht als Ausgangsgebiet für weitere
Hilfe zu benutzen. Oranienbaum war deswegen gewählt worden, weil
ich dort bereits ein ähnliches revolutionäres Komitee konstituiert
hatte, mit welchem von Kronstadt aus Verbindungen angeknüpft
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wien. Später kamen die Bolschewiki diesen Komitee auf die Spur
und erschossen die Anstifter dieser Verschwörung. Mit diesen Vor-
schlägen war der temporäre Revolutionskomitee jedoch nicht einverstan-
den. Das Komitee stand auf dem Standpunkt, Petersburg würde sich in
dieser Zeit an Kronstadt anschließen. Kronstadt müsse daher eine
abwartende Haltung einnehmen und sich auf eine Verteidigung beschrän-
ken. Petersburg sollte möglichst wenig von Kronstadt aus beschossen
werden, um die unentschlossenen Elemente dort nicht in Verwirrung zu
bringen. Von Kronstadt aus wurden 2 Delegierte nach Petersburg ent-
sandt, um den Anschluss an Kronstadt zu beschleunigen, doch schei-
nen diese entweder wenig erreicht zu haben oder den Bolschewiki in
die Hände gefallen zu sein. Der Standpunkt des Komitees ist weiter
nicht wunderlich, da die Mitglieder des Komitees gewöhnliche Arbei-
ter und Matrosen waren und ihnen sowohl jede militärische als
auch allgemeine Bildung fehlte. Petrischenko selbst ist ein junger
energischer Mensch, der echt Mut und Ausdauer, aber keine Führer-
eigenschaften besitzt. Die übrigen verantwortlichen Posten beklei-
deten gleichfalls mehr oder weniger ungebildete Leute. Konlowski
oder andere frühere Offiziere, welche nur in ganz geringer Anzahl
vorhanden waren, hatten somit absolut keinen Einfluss auf den Gang
der Ereignisse.
Da nun Kronstadt auf die Defensive eingestellt war, wurden
zur inneren Verteidigung der Stadt die nötigsten Massnahmen ergrif-
fen. Zunächst wurde der grosse Fehler begangen, die Kommunisten und
Kommissare in der Festung und den Forts auf freiem Fuss zu belassen,
sie wurden nur der Aufmerksamkeit des Publikums zugeführt. Natürli-
cherweise benutzten diese die Schwäche der Kronstädter und begannen
einen regelrechten Nachrichtendienst mit Krasnaja Gorka xxl und
Oranienbaum zu unterhalten. Es wurden Lichtsignale gewechselt und
selbst telefonisch über die Lage Kronstadts Bericht erstattet.
Schliesslich merkten die Kronstädter den angehenden Verrat und ver-
hafteten einzelne Kommissare, die auf frischer Tat ertappt wurden, doch
war es in allgemeinen schon zu spät. Weiterhin strömten dauernd
Überläufer in die Festung, teils überzeugte "Antikommunisten",
teils bolschewistische Agenten. Ahnungslos wurden letztere aufgenom-
men, formierten sich zu neuen Truppenteilen und fassten offiziell
antikommunistische Resolutionen. Auf diese Weise sass der Verrat
bereits lange Zeit vor dem Rücken der Verteidiger. Als nun
die bolschewistischen Truppen ungeachtet ihrer Verluste zu wieder-
holten Stürmen ansetzten, und schliesslich in die Stadt eindrangen,
traten diese Kommunisten mit ihrer wahren Absicht hervor. Plötzlich
waren sie wieder gewaffnet, die M.G.'s begannen im Rücken der Vertei-
diger zu spielen.
Ein weiterer Grund war die ungenügende Verbindung der Forts
untereinander. Bei dem ungünstig nebligen Wetter, welch es fast die
ganze Zeit die bolschewistischen Operationen unterstützte, war eine
direkte Sichtverbindung von Fort zu Fort unmöglich. Die Nachricht-
enmittel waren zerschossen und konnten nicht ausgebessert werden.
Zähliche Revisionen von Kronstadt aus wurden durch Artilleriefeuer
verhindert. So war die Festung tatsächlich niemals über die Lage
der weiter abliegenden Forts orientiert; ebenso mussten die Forts
nichts über die Lage in Kronstadt.
Der Lebensmittelvorrat der einzelnen Forts war bald er-
schöpft und konnte frische Verpflegung aus Kronstadt nicht gesandt
werden, da sich dort bereits die Garnison mit der Bevölkerung in ihre
Lebensmittelration teilen musste. Der Munitionsvorrat auf den ein-
zelnen Forts, besonders die Infanteriemunition, ging allmählich zu
Ende. Kurz: es herrschte eine absolute Desorganisation.
Der Geist der Kronstädter Verteidigung war allerdings ausge-
zeichnet, er wusste wohl jeder, welches Schicksal die Festung bei
einem unglücklichen Ausgang des Kampfes befohre. Dass das temporäre
Revolutionskomitee einen entscheidenden Kampf gegen die Kommunisten
durchführen wollte und dass es sich auch eher an die "Kapitalisten"
um Hilfe gewandt hätte, als sich zu ergeben, bewiesen ihre Aufrufe
und Funkentelegramme. Besonders eindrücklich gibt das Komitee sei-
ne Gesinnung und sein Verhalten im letzten Aufruf vom 15. März bekannt
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eher folgendermassen lautet:
"An Euch, Ihr Völker der Erde, ist dieser Ruf aus dem ferne
Kronstadt gerichtet, welches sich gege n die empörende Gesalther-
schaft einer Verbrecherbande auflehnt, die Macht über das ge -
knechtete Russland an sich gerissen hat. Auch an Euch, Ihr Russen,
die Ihr auf der ganzen Welt verstreut seid und die Ihr nicht weniger
als wir unter den Blutvergiessen unserer Brüder für die Partei die-
ser Unmenschen leidet, auch an Euch ist dieser Ruf aus dem revolu-
tionären Kronstadt gerichtet. Mit der Lösung " siegen oder sterben"
haben wir bei uns das Joch der Kommunisten abgeschüttelt. Doch nicht
nur hierin besteht unsere Aufgabe. Wir müssen die Gesaltherlschaft
der Verbrecherbande in ganz Russland stürzen und die in Leibesge-
schaft befindlichen Bauern, Arbeiter und arbeitende Intelligenz
befreien. Dieses werden wir auch tun. Die Morgenröte der wahren
Freiheit ist in Kronstadt angebrochen und die erschütterte Stunde naht,
in welcher das ganze, auf seine Kraft vertrauende arbeitende Russ-
land mit neuen Kräften zum friedlichen Wiederaufbau des gesamten
Lebens schreiten wird. Kronstadt wird seine Stellungen nicht auf-
geben, das Blut seiner Brüder nicht verkauft. Unsere Stärke liegt
nicht nur in den uneinnehmbaren Forts, sondern auch in der grenzen-
losen Begeisterung und dem festen Glauben an die gerechte Sache,
für die wir kämpfen, Wir kämpfen augenblicklich für die Abwerfung
des Parteijoches, für die wahre Macht der Sojets. Wenn dieses er-
reicht ist, kann der freie Volkswille sich eine Regierungsform wäh-
len. Nicht wir haben mit Blutvergiessen begonnen. Wir erwarteten,
dass die Kommunisten sich besinnen würden, und dem Volke die ihm
entrisseene Macht wiedergeben würden. Als Antwort hierauf lösten sie
jedoch den ersten Schuss, wieder floss das Blut unserer armen Brüder
wir nehmen die Herausforderung an, wir haben keine Furcht vor Flug-
zeugen und 12 "Geschützen". Von der ganzen Welt abgeschnitten lei-
sten wir jetzt schon 15 Tage lang dem blutdürstigen Trotzkij und
seiner Verbrecherbande Widerstand, die uns drohten, uns in Laufs
weniger Stunden wie Schneehühner niederzuschliessen.
Petersburg, welches in ein regelrechtes Gefängnis verwandelt
ist und in dem Zehntausende unserer Brüder, Frauen und Kinder als
Geiseln geschmachten, ist augenblicklich nicht imstande uns wesentlich
zu unterstützen. Hilfe von aussen ist erforderlich. Daher senden
wir uns mit reiner Gewissen in Namen der gerechten Sache an Euch,
Ihr Völker der ganzen Welt und an Euch, Russen, die Ihr von Eurer
unglücklichen Heimat getrennt seid. Wir bitten Euch uns zu helfen
und um Lebensmittel für die Kinder der bürgerlichen Bevölkerung zu
senden. Letztere leben augenblicklich von den Vorräten ihrer helden-
haften Garnison, welche mit Freuden auf die Verkürzung ihrer Lebens-
mittelportion zu Gunsten der Bevölkerung eingegangen ist. Es kann
jedoch der Augenblick eintreten, wo auch diese Opfer nicht mehr ge-
nügen werden. Wir brauchen Arzneimittel für Kranke und Verwundete,
wir brauchen auch moralische Unterstützung. Ebenfalls kann der Fall
eintreten, dass auch militärische Hilfe nötig sein wird. Zögert
keinen Augenblick. Zögert nicht solange eine Verbindung über das Eis
besteht. Zögert nicht, damit das Blut einer kleinen Gruppe von
Helden und Verteidigern der wahren Freiheit nicht unnütz vergossen
wird. Zögert nicht, Völker der Welt, damit die Geschichte Euch kel-
nen Vorwurf machen kann. Auch Ihr, Ihr Russen zögert nicht, damit
Ihr auf die Frage Eurer Kinder: "Vater was tatst du, als das Blut
für die heilige Sache der Freiheit der Arbeiter Russlands floss?".
antworten könnt: "Ich war mit ihnen und half am Wiederaufbau des
freien Russlands". Verliert keinen Augenblick, Verbreitet unseren
Aufruf.
Kronstadt 15.3. 21.
Temporäres Revolutionskomitee.
In der Nacht von 17. zum 18. März begann der Flüchtlings-
stross in Finnland einzulanfen. Fast als erste trafen das temporäre
Revolutionskomitee und Koslowski ein, welche wohl als erste den
Fall der Festung vorausgesehen hatten. Müde, zerrissen, schmutzig
und hungrig kamen die Leute hier an. Viele waren schon gefangen ge-
wesen und schlugen sich mit List durch die kommunistischen Reihen
nach Finnland hindurch. Mehrere Soldaten kamen ohne Stiefel in
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Firland an und hatten sich unterwegs die Flüsse erfreuen, so dass
sie sofort ins Lazarett gebracht werden mussten. Ich persönlich
war am 18.März in Terrijoki und konnte mit einzelnen Leuten sprechen.
Gekämpft haben die Leute bis zuletzt, sogar haben sie die Ver-
schüsse der Geschütze mitgebracht, ausserdem Waffen, Munition,
Pferde und Train, soviel als irgend möglich war. Einzig war der
Hass gegen die Kommunisten und einmütig sehen sie ein, dass nur die
Flucht sie am Leben erhalten konnte. Dass Trotzki seine Drohung,
die er im letzten Aufruf an Kronstadt zum Ausdruck brachte, nämlich
alle Personen von 18. bis 60. Jahre erschiessen zu lassen, die wie-
sentlich am Aufstande teilgenommen hatten, ausführen würde, davon
waren alle fest überzeugt. Personen, welche noch in die Stadt ein-
dringen wollten, um ihre Familien oder ihr sonstiges Hab und Gut
zu retten, mussten umkehren, da die Erschiessungen bereits vor sich
gingen und die Strassen mit Blut bedeckt waren. Wissentlich hatte
Trotzki ja auch Chinesen, Baschkiren und sonstige fremdstämmige
Truppen zu dieser Henkersarbeit befohlen. Unter den Flüchtlingen
waren besonders viele Arbeiter, weniger Rotarmeesoldaten und sehr
wenig Matrosen. Letztere schienen sich im letzten Moment doch wie-
der besonnen und den Kommunisten die Hand gereicht zu haben. Die
Kriegsschiffe «Aespublika» und «Andrej Ferswessanny» haben aller-
dings nach vielfachen Aussagen der Flüchtlinge den Rückzug nach
Finnland mit Artilleriefeuer gedeckt. Dieses waren jedoch nur 2
Schiffe der gesamten Flotte. Von «Poltawa» und «Sewastopol» wurde
vielfach in Zeitungen geschrieben, sie seien in letzter Stunde von
der Besatzung gesprengt worden, doch entspricht dieses nicht den
Tatsachen. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge aus Kronstadt ist auf
8.000 Personen gestiegen, darunter 100 Frauen und 30 Kinder, viele
Verwundete und Kranke. An Pferden wurden im ganzen 400 mitge-
bracht. Es fiel hierbei auf, dass sie sich in einem sehr guten Fut-
terzustande befanden. Das Eis zwischen Kronstadt und der finnischen
Küste war mit Gewehren, Pistolen und Munition bedeckt, welche spä-
ter von finnischem Militär aufgesammelt wurden.
Laut «Petrogr. Prawda» vom 10. März hielt Trotzki eine
grössere Rede über die Kronstädter Ereignisse. Zunächst führte
Trotzki den Grund des Aufstandes auf ein im Auslande geschlossenes
Komplott der russischen Emigranten mit der Ententebourgeoisie zu-
rück. Weiter erklärte er, «dass die Mehrzahl der revolutionären
Matrosen, welche die wichtigste Rolle in der Oktoberrevolution 1917
gespielt haben, während der letzten Zeit mit anderen Arbeiten,
als
Marineangelegenheiten, beschäftigt worden seien. An ihre Stelle
wurden lettische, estnische und finnische Matrosen gestellt, welche
ihren Dienst nur als zeitliche Beschäftigung betrachteten und in
der Mehrzahl nicht an den Siegen der Revolution teilgenommen haben.
Die ausländischen Organisatoren benutzten die sich ergebenden Un-
einigkeiten und bearbeiteten die Matrosen solange, bis ihnen nichts
anderes mehr übrig blieb, als sich den Aufständischen anzuschlies-
sen. Bei dem passiven Verhalten der Garnison und Flotte, welche
nicht einmal wusste, worum es sich handelte, begleitigten sich die
Meuterer der Festungsartillerie und zweier Schiffe ». Als Grund
der Verzögerung der Liquidation des Kronstädter Aufstandes gibt
Trotzki an, dass er, ausser der Sehnung seiner eigenen Truppen,
auch auf die Sicherung der unschuldigen Bevölkerung bedacht war.
«Die Verluste durch die Kronstädter Artillerie sind äusserst ge-
ring gewesen. – Die historische Bestimmung der linken Sozialrevo-
lutionäre und der Menschewiki besteht nur darin, der russischen
Kontrerevolution als Agent des Weltimperialismus in den Sattel zu
helfen. Solange Russland von bürgerlichen Staaten umgeben ist, in
welchen dauernd zu neuen Angriffen gegen die Arbeiterrepublik ge-
hetzt wird, sind solche Ereignisse, wie der Kronstädter Aufstand,
unvermeidlich. Die Arbeiterrevolution jedoch wird schliesslich
mit allen Meutereien fertig, so wie sie bisher ihren Stand behaupt-
tet hat.»
So wie gewöhnlich berichtet Trotzki auch dieses Mal un-
wahr über die Ursachen des Kronstädter Aufstandes. Es ist jetzt
gewissen, dass der Aufstand in Kronstadt nicht auf Agitation der
Sozialrevolutionäre und Menschewiki zurückzuführen ist, sondern
nur auf die Unzufriedenheit der Kronstädter über Peterburg. Kron-
stadt forderte neue Wahlen zu den Sowjets unter freier und zwang-
loser Stimmangebe, weil die Sowjets dauernd mit Kommunisten besetzt
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waren und die Mannschaften allmählich eingeschlossen hatten, dass diese nicht ihren Willen wiedergeben. Da Petersburg nicht einwilligte und er oberflächliche und leere Versprechungen gab, ermannte sich Kronstadt und griff zum Schwert. Mithin ist in Kronstadt selbst der Entschluss zur Tat gereift.
Es wird nun viel darüber geschrieben und gesagt, in Kron-
stadt sei ein weisser Aufstand ausgebrochen, die Macht hätte sich in
weissen Händen befunden u.s.w. Die beste Antwort darauf geben die
Kronstädter "Iszwestija", die vom Kronstädter Revolutionskomitee
herausgegeben wurden und den Standpunkt des Komitees wiedergaben.
Die Aufständischen dachten weder an die Einberufung einer National-
versammlung, noch an die Anerkennung des Privatbesitzes, der Bour-
geoisie oder des Kapitals. Der Streit handelte sich lediglich um
reine Parteisachen, welche mit der Waffe ausgekämpft werden soll-
ten, da eine Einigung nicht zu erzielen war. Die Kronstädter Auf-
ständischen sind genau dieselben Bolschewiki, wie die übrigen unter
Gretzki, sie wollten nur das Kommunistische Joch abwerfen, weil es
ihnen nicht mehr passte. Daher der gereizte Ton der Zeitungen
gegen alles was Kommunist ist. Die Rotarmeesoldaten und Matrosen,
die hier in Finnland eintrafen sagten auch selbst: "Wir sind Bol-
schewiki, die anderen sind Kommunisten". Immerhin, wenn diese
Leute auch Bolschewiki sind, war es doch jedenfalls der erste tat-
kräftige Militäraufstand, der von innen heraus entstand und zu
welchem die Leute selbst die Initiative ergriffen. Die Befreier und
Erratter Russlands aus den augenblicklichen Zustände waren es
jedenfalls nicht. Es hätte allerdings vielleicht eine gemässig-
tere Richtung entstehen können, welche mit gebildeten Elementen
durchsetzt, Russland möglicherweise von Nutzen gewesen wäre.
ДИПЛОМАТИЧНИЙ ВІДДІЛ
ПОСОЛЬСТВА УКРАЇНСЬКОЇ НАРОДНОЇ
РЕСПУБЛІКИ В НІМЕЧЧИНІ.
№ 146
INFORMATIONEN
Von gut informierter russischer Seite wird gemeldet, dass der kommunistische Aufstand auf Grund eines Planes erfolgte, der von Gukowski, Petrow und Seminow, auf Instruktion von Litwinow hin, ausgearbeitet worden war. Die Durchführung des Planes wurde dem Oberstleutnant Grigorjew anvertraut, der im Verlauf von anderthalb Monaten die Kriegsgefangenenlager bereiste und unter den Gefangenen und Internierten Persönlichkeiten wählte, die ihm für Durchführung des Aufstandes geeignet erschienen.
Grigorjew selbst hat mit allen Haupt sowjetvertretern in den bedeutenderen Städten Deutschlands verhandelt, und deren Verbindung zum Rat der 22 in Bri. hergestellt.
Die nächsten Mitarbeiter Grigorjews (Kampfgruppe der III. Internationale Dresdenerstr. 113) sind: Leo Hirsch, Ludwig Berlach, Erich Lachmann, Josef Münchmann, Alfred Lichtenstein, Heinrich Heine Die Abtl. Alexandrinenstr. 110 hält die Verbindung nach Wien, Paris aufrecht. Agenten für Berlin-Paris sind: Adolf Zuzann, Philipp Preuss, Kraft-Kraffling, Goldstamm und Kuck haben Führung zur Mission (Fedorowskij's (Luisenstr. 28.)
Zum Generalstreik ist es nicht gekommen, weil die Arbeiter 85 Mk. Taglohn verlangten, womit das Zentralkomitee der III. Internationale nicht einverstanden war.
Der kommunistische Hauptstab arbeitet in Altämm und Stargard (Pommern). Aehnliche Aufstandsbewegungen sollen demnächst in Wien und Paris organisiert werden. Der Oberst des bolschew. Generalsabs Stepanow Udowitschenko soll bereits hinkommandiert worden sein. Er hat die nötige Führung zum "Beratenden Komite" in Paris.
Im Ausschuss des Reichsrats für Ausw. Angelegenheiten berichtete Staatssekretär Haniel über die Lage in Russland und sagte unter anderem: "Die russ. Frage ist für uns z.Zt. eine der aller wichtigsten. Die Sowjetregierung befindet sich eben in einer äußerst kritischen Lage. Die Krisis betrifft die innere Politik Russlands nicht minder als die wirtschaftliche Lage. Die Frage in Le-bensmittelversorgung hat sich derart zugespitzt, dass die Regierung sich genötigt sah, das Saatkorn unter die Bevölkerung zu verteilen. Es fehlt an Kohlen; die Fabriken können nicht arbeiten. Die Arbeiter verhalten sich ablehnend zu den Massnahmen der Sowjetregierung, wie überhaupt zur Durchführung des sozialistischen Systems. Auch die Bauern sind im Aufstand begriffen und die Regierung kann der Bewegung nicht Herr werden. An der Spitze der Meuterer in Kronstadt steht der exzentrisch eben zaristische Offizier Koslowki, von dem nur bekannt ist, dass er sich z.Zt. als einer der ersten den Bilschewiki angeschlossen hatte. Auch die Eisenbahner sin
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unruhig. Bedeutsam ist, dass die Sowjetregierung mit den Scz.-Rev.
verhandeln will. Um das Volk mit Lebensmitteln zu versorgen, soll
die Sowjetregierung 10 Millionen Rubel in Gold im Auslande depo-
niert haben und den Ankauf von Lebensmitteln planen.
Wie aus russ. Quelle verlautet, hat Kopp aus Moskau die
Weisung erhalten, die deutsche Presse betreffs der Meldungen aus
Russland möglichst zu beeinflussen, was ihm auch scheinbar gelun-
gen ist, da die Presse über Russland durchaus unzureichend infor-
miert. In deutschen politischen Kreisen hält man zwar die Auf-
standsbewegung in Russland für ernst genug, nimmt aber an, dass es
der Regierung gelingen wird, sich zu behaupten.
Aus russ. Quelle: Litwino hat Gukowski umgehend nach
Reval kommen lassen (abgereist am 4.März), was evtl. mit den kriti-
schen Ereignissen in Russland in Zusammenhang stehen mag. Im Ha-
fen in Narva liegt ein Dampfer bereit, auf dem gegebenenfalls die
Kommissare flüchten werden, falls sich die Sowjetregierung nicht
sollte halten können. Man nimmt an, dass die Kommissare dann nach
Deutschland flüchten werden. In der Berliner Sowjet -Mission mach-
te sich lebhafte Unruhe bemerkbar nach dem Eintreffen des Kuriers
Buchmanow aus Estland, der neue Instruktionen für Kopp mitgebracht
hat. Hiernach habe Kopp die Weisung erhalten, alle kompromittie-
renden Papiere und Korrespondenzen, besonders der Abteilung für
Volksaufklärung und Agitation zu vernichten.
Aus russ. Quelle verlautet, dass Raswin -Proznanaki
(früher englischer Dolmetscher im Lager Hardlegen) seit 1918 Füh-
lung zu deutschen und russischen Kommunisten in Brl. unterhält.
Er agitierte unter der Arbeiterschaft, wurde verhaftet, entkam
aber nach Litauen, dann nach Polen, wo er im bolschew. ND. An -
stellung fand. Er reist häufig nach Brl., wo er Kaiserstr. 07 oder
Oranienburgerstr. 39 ( in der Wohnung einer gew. Powsjanskaja) ab-
steigt. In der letztgenannten Wohnung pflegen sich überhaupt häu-
fig Kommunisten zu versammeln. Raswin (od. Ruwin Parskij) ist Jude
aus Lodz gebürtig. Hat in Brl. Führung zum Chef des bolsch. ND.
Lange. -Ein Freund Raswins, der Jude Lewizki, wohnt Kantstr. 57
III. bei Hilinskij.
Kottbusserstr. 35, III wohnt die Jüdin Scheich, Mitglied
der III. Internationale, verantwortl. für die Finanzabtig. Es wur
de ermittelt, dass die Scheich häufig Geldanweisungen aus Holland
erhält für den Fond der russ. Sektion der K.P.D. Ihr Gehilfe ist
ein gew. Tschernizki, wohnhaft Kantstr. 123.
Demnächst wird in Berlin der bolschewistische Organisato
Schimanski erwartet. Er wird vermutlich an "Fedorowskis" Stelle
rücken.
Wilmerdorferstr. 143 ist der Jude Hirsch und seine Frau
(Weissmann) wohnhaft. In ihrer Wohnung pflegen sich Kommunisten
zu treffen. An den Dienstagen finden dort Versammlungen statt.
Lewi, Kopp, Reich, Gottlieb u.a. sind dort gesehen worden.
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Peretzstr. 9 II(Willemendorf) befindet sich in der Wohnung Ledmanns eine Anstalt zur Ausbildung für Kommunisten (Monatskurse). Gegenwärtig wird die Schule von 8 Personen (4 Deutsche, 4 Russen) besucht. Wer den Kursus absolviert hat, hat ein Anrecht auf verantwortliche Stellungen in der Partei.
Der Rittmeister Golowin pflegt in der englischen Mission häufig zu verkehren. Er soll im Japan. ND. arbeiten. Ist ein Bruder der Frau Ditnar. Hat Fühlung zu Petrov ( v. Boll ).
Gribajedow ist in berlin-russ.-Kreisen als Bolschewik bekannt. Er ist vor kurzem in Berl. eingetroffen. War Agent der Sowjetmissi- on in den Kriegsgefangenenlagern.
Ingenieur Burdt ist in russ. Kreisen seit 1910 bekannt. Damals wurde er häufig in Gesellschaft einer korpu lenten, grossen blonden Dame in verschiedenen Lokalen Berlins gesehen. In seiner Gesellschaft befand sich auch ständig der Leutnant Ischirkowskij (angestellt bei Ullstein) und im Kooperativ -Berlinerstr. ) Ferner verkehrte ein gewisser Smirnow mit ihm, der über grosse Mittel zu verfügen scheint; bolschewistischer Agent, Matrose. Die oben ge- nannte Dame verschwand dann plötzlich unbekannt wohin. Ausserdem pflegte Burdt noch den russ. Späcklub, Wilhelmstr. 23 auszusuchen; er pflegte hoch zu spielen und war nie in Geldverlegenheit. Gegen- wärtig lebt er auf grossem Fuss mit einer hübschen, jungen Blondi- ne, die er für seine Nichte ausgibt. Burdt soll enge Fühlung zu den Bolschewiki haben.
Erwin Acker mann ist Hochstapler. In Friedenszeiten war er in Riga Kommis in einem Geschäft und gleichzeitig Schauspieler. Bald bald nach seiner Einberufung wurde er Fähnrich(Preporutschk). War in der Bermondteree- in Korps Wergolitsch. Er organisierte eine Schauspielertuppe unter den Soldaten, veranstaltete einige Vor- stellungen und strich den Erlös in seine Tasche, wofür er des Of- fiziersranges für verlustig erklärt wurde. Hierauf ging er nach Berl., war hier überall zu seh'n; war Statist bei Filmaufnahmen; reiste schliesslich nach Riga ab. Bei Wergolitsch war er Verbin- dungsoffizier. Muss jedenfalls als nicht zuverlässig bezeichnet werden.
Die Personalias Sussmans scheinen sich nach und nach zu klären. Er wurde dieser Tage in einem kommunistischen Nachtlokal (Lutherstr.) als Redner beobachtet. Er trat für bewaffnete Auf- stände ein, die Macht müsse dem Proletariat gehören u.s.w. Mit seinem Miets herrn -Nathan- hat er sich überworfen. Nathan sucht nach Mitteln und Wegen von Sussmann loszukommen. Sussmans materi- elle Lage ist schlecht; seine Frau hat Geld. Sie ist z.Zt. krank. Scheidungsverfahren ist eingeleitet.
Stiglitz arbeitet für Kom. Bertels; er war von einem gew. Kaschtanow hinzepföhlen worden, der aus Polen in Berl. eingetroffen ist. Bildungsgrad: Absolvent einer niederen technischen Schule. Unzuverlässig. Er scheint für irgend eine Organisation, vielleicht
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für die Polizei zu arbeiten. Gleichzeitig arbeitet er für die
Polen, was einwandfrei festgestellt werden konnte. In seiner Jugend
war Kaschtanow längere Zeit in einer Irrenanstalt untergebracht
worden. Er läßt viel.Aus Warschau brachte er Material mit, das
gegen Saawinkow gerichtet war. Dieses Material soll er dann der
Presse weitergegeben haben. Hat Fühlung zur russ. Klub in der Kaiser-
allee durch Jus. Jakowl, Ssolowjew, der ebenfalls aus Warschau nach
Brl. gekommen ist. Ssolowjew war früher der russ. Gesandtschaft
in Madrid attachiert. Die Panseln in der Kaschtanow lebt, ist
Absteigequartier der xxxxxx Anhänger Gutschkows. Mutmasslich
arbeitet Kaschtanow auch für die Franzosen. Stiglitz war seiner-
zeit von Oberat Sisyck für den französischen N.D. gegen die Bol-
scheiki geworben worden.
Kadetten und Rechtssozialisten informiert zu werden. Die monarchi-
stischen russ. Organisationen interessieren ihn weniger; auch hat
er dort genügend Leute zur Verfügung, die ihm das erforderliche
Nachrichtenmaterial schaffen. Insbesondere war Kopp dafür inter-
essiert mit welchen deutschen Kreisen der Grossfürst Dimitri Paw-
lowitsch verhandelt hat. In der Sowjetmission ist man einiger -
massen betroffen über die Artikel, welche die russ. Zeitung "Rulj"
neuerdings über die Sowjetmission bringt. Zunächst handelt es sich
darum, festzustellen, wer der Zeitung " Rulj" das betref. Material
liefert. Kopp sagte, er könne persönlich mit dem Fragesteller
nicht zusammenkommen, da er scharf beobachtet würde, doch vermit-
telte er eine Zusammenkunft des Gewährsmannes mit dem Chef des
Bolschew. N.D., der kürzlich aus Russland in Brl. eingetroffen ist.
Der betr. Chef nannte sich "Stepanow", hat aber stark jüdischen
Typus, ist hager, rasiert, ca. 30 Jahre alt. Stepanow erklärte,
dass er z.Zt. noch nichts sagen könne, da er zu wenig im Bilde
wäre, - doch redeste er ausführlicher über die Zustände in Russland;
die Lage wäre durchaus nicht so bedenklich, wie sie im Auslande
geschilddert würde. Als die Unruhen ausbrachen schien die Sowjetre-
gierung einen Augenblick zu schwanken,- doch dürfte das lediglich
eine vorübergehende Erscheinung gewesen sein und würde die aus.
Politik der Sowjetregierung nicht weiter tangieren. Stepanow meinte
Frankreich habe die Unruhen organisiert um die deutsche Politik
in Schlesien möglichst zu schädigen. Über eine Verbindung Sow-
jetrusslands zu Deutschland sprach Stepanow wie von einer albe -
kannten durchaus feststehenden Tatsache. Als nächste Aufgabe der
Agentur bezeichnete er folgendes: 1) Namenliches Personenver-
zeichnis des Centralkomitees der Kadettenpartei. 2) Zeit und Ort
der Bildung des Centralkomitees. 3) Einfluss des Centralkomitees
auf die Partei. 4) Etwaige Veränderungen im Bestande des Central-
komitees. 5) Gegenwärtiger Aufenthaltsort des Centralkomitees .
6) Auswärtige Politik des Centralkomitees im Hinblick auf den
Kampf gegen den Bolschewismus. 7 ) Innere Politik. 8) Einfluss
des Centralkomitees auf die Kadettenorganisationen in Paris und
Berlin. 9) Führung der in Russland befindlichen Kadetten zum
Central-Komitee. Zur Berliner Gruppe: 1) Wer steht an der Spit-
ze der Gruppe? 2) Die Zeitung " Rulj", Verbreitungsmethoden, wie-
viel Exemplare, in welchen Ländern ? 2) Äussere Politik hinsicht-
lich einer Intervention, Beziehungen zur Entente u.s.w. 3) Innere
Politik. 4) Kampfmethoden. 5). Grundlegende Meinungsverschie-
denheiten mit anderen politischen Gruppen. Zahl der in Deutsch-
land lebenden Mitglieder und Einfluss der Gruppe auf die allgem.
Politik; zu wen die Gruppe Führung aufnimmt, um Mittel für den
Kampf gegen den Bolschewismus ausfindig zu machen,
A) Ueber welche Mittel verfügt die Berliner Gruppe, b) möglichst
vollständiges Verzeichnis aller in Deutschland lebenden Kadetten
c) Beziehungen zum "Gros russischen parteilosen Centrum", zum
"Bund der Treuen", zu den Sozial-Revolutionären, zu den Monarchi-
sten.
Die Pariser Gruppe: Dieselben Informationen wie über die deutsche
Gruppe. Dasselbe über die Gruppe Konstantinopel..
B) Ausfindigmachung eines Generalstabsoffiziers, der bereit wäre,
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Felen zu bereisen, eine Inspektion der Eisenbahnen vorzunehmen und ein Krokil anzufertigen. Zahlen Futschädigung nach Ueber-in-kunft und Reisegelder.
Als der Gehehramd zum zweiten Male mit Stepanow zusammenkam, um (am 21. III.) Geld für die Arbeit in Empfang zu nehmen, wurden die weiteren Verhandlungen einstweilen abgebrochen. Für die Berlin betreffenden Meldungen waren 3 000 Mark geboten worden. Für Aus-führung der 2ten Aufgabe - 5 000 Mark -. Eine weitere Zusammen-kunft sollte am 28.März stattfinden. In der Tat kam es auch dazu. Stepanow war sehr vorsichtig. Die Begegnung fand um 11.35 Ecke Friedrich-und Jügerstrasse statt, in der Condorel Salies(Tauben-stresse). Von hier fuhr Stepanow dann in Auto Lützowufer 1, begab sich dann in den "Wargshauer Hof",Dorotheenstr. Nachfrage ergab, dass die Boischewiki dort zwei Nummern belegt haben, die aller- dings nicht immer besetzt sind, doch pflegen dort Stepanow und xin ein gew. Antonow zu übernachten.
Über die Kadetten lief folgende Meldung ein: An der Spitze der Berliner Gruppe steht Jossif Wladimirowitsch Hessen (getaufter Jude)Jurist, ein bedeutender Kopf). Näherer Mitarbeiter Hessens ist Wladimir Dimitriewitsch Nabokow. Ob allerdings stark nach rechts geschwenkt ist, dennoch an den fundamentalen Grundsätzen der Partei festhält. Nabokow tendierte längst schon zu den Juden.
In Berlin unterhielt er enge Beziehungen zur russ. Komitee Dr. Eellinsong und zu den Juden überhaupt. Als die Frage erörtert wurde, auf welche Weise den Aufständischen in Kranstadt geholfen werden könne, erklärte sich Nabokow gegen die Hinzuziehung Bar. Wrangels (vom Roten Kreuz) zu einer Sitzung des Hilfsausschusses, weil dieser zu sehr rechts stünde. Auch Reminka incliniert zu den Juden. Sobald die jüdischen Kadetten, wie auch die der Partei Sympathisierenden gehören vernehmlich den Finanzkreisen an. Auch Banken gehören hierher, so die Nordische Bank (Allschitz), Kogan u.a die russanische Handelsbank (Rjabuschinskij). Die Kadetten in Brl. stehen sicher in engerer Führung zu Gutschkow, mit dem Hes-sen jedenfalls sehr vertraut ist. Gutshenkow nicht eine central-vermittelnde Position ein zwischen der Berliner, Pariser und Londoner Gruppe. Seine Position kann als gesichert betrachtet wer-den, da er einmal mit Bachmetjew eng befreundet ist, ausserdem aber als englischer Agent auch den Franzosen gute Dienste erwiesen hat Das Centralkomitee befindet sich in Paris; an der Spitze des Kom-tees steht Miljmaow, der enge Führung zu London hat. Von den nicht bolschewistischen , offiziellen Vertretern Russlands steht W.F.
Schlippe den Kadetten an nächsten. Auch Gen. Krassnow hat dorthin Fühlung, obwohl nicht zu ermitteln war, ob der Kontakt lediglich ein literarischer oder auch ein politischer ist. Jedenfalls kommt die Nachricht aus Kadettenkreisen, dass Gen. Krassnow alle in Deutschland befindlichen Kosaken organisieren will,wobei es sich vornehmlich um solche Kriegsgefangene handelt, die nicht nach Russ-land zurückkehren wollen. Wie in allen russischen politischen Parteien, macht sich auch unter den Kadetten eine Spaltung bemerk-bar, daher hat der Einfluss des Centralkomitees wesentlich nach-gelassen. Der Berliner Gruppe war darauf angewiesen, zu deutschen politischen Kreisen Führung zu suchen, so zu den Vertretern der demokratischen Partei, die je bekanntlich ebenfalls einen starken Prozentsatz an Juden aufweist. Die Berliner Gruppe hat eine stär-ker ausgesprochene nationale Färbung, während die pariser und londoner Gruppe sich von der Entente beeinflussen lassen. Da aber die Franzosen zu den Sozial-Revolutionären tendieren, sind die Ka-detten in London und Paris darauf angewiesen mit den Sozial-Revo-lutionären auch ihrerseits zu rechnen. So erklärt es sich auch, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach Führung zur Gruppe Kferens-kij's haben. Als sich das parlamentarische Centrum in Paris con-stituierte schienen die Kadetten aufzuziehen. Der Plan bestand, ein ähnliches Centrum auch in Brl. zu schaffen im Kontakt mit Paris. Nabokow hatte bereits Statuten aufgestellt,Sitzungen fanden statt u.s.w.-schliesslich wurde doch nichts aus der Sache , weil eine Gruppe ehemaliger Angehöriger hoher Verwaltungsstellen in Russl.. (Duma und Staatral) sich selbständig erhalten wollte. Wie
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gerüchtweise verlautet scheinen in Paris die Sozial-Revolutionäre
die Oberhand behalten zu haben. Immerhin ist der Einfluss der
Kompromissler wie Gutschkow und Miljankow in Paris noch so
stark, dass das sogen. russ. politische Centrum Nabokow zum Haupt-
bevollmächtigten der Flüchtlingsorganisationen, des Roten Kreuzes
u.s.w. für Berlin ernennen wollte. Das gelang aber nicht, da von
hier Meldungen nach Paris gekommen waren, dass Nabokow zu den Juden
gar zu enge Fühlung genommen habe. Der N.D. der Berliner Kadet-
tengruppe, in Sonderheit der Zeitung "Rulj" ist vortrefflich orga-
nisirt; er wird von Hessen umsichtig geleitet. Hessen ist erklärter
Feind des Bolschewismus.
4.) Die Nachrichten stammen vermutlich vorwiegend aus deutschen
politischen Kreisen, da die Kadetten enge Fühlung zum Ausw. Amt,
insbesondere zu Bartels haben und dann aus offiziellen russischen
Stellen ( z.B. aus der russischen Militärmission, die allerdings
keinen N.D. unterhält, dennoch in Allgemeinen sehr gut informiert
ist.) - Die Kadetten in Brl. verfügen nicht über grosse Mittel.
Die Zeitung "Rulj" wurde durch Anteile finanziert, die Parteimit-
glieder gezehnet haben. Auch Ullstein unterstützt die Zeitung,
wie auch den Verlag "Slowo", der wiederum von Hessen geleitet
wird.
Der Sowjet N.D. hat, wie aus russ. Quelle verlautet, lebhaftes Interesse am französischen N.D. in den belg. Randstaaten, resp.
an den französischen Verbindungen nach Sowjetrussland. In der Sow-
jetmission wird ausdrücklich behauptet, man habe Beweise in der
Hand, dass die Franzosen die gegenrevolutionären Kreise in Russland
unterstützten und Fühlung hätten zur rechten Gruppe der Soz.Rev.
In der vergangenen Woche sind Sterkow und Plansok (Facharbei-
ter) nach Russland abgereist. Die Abreise erfolgte so plötzlich,
dass sie nicht einmal von ihren Bekannten Abschied genommen haben.
Tschernow hatte während seiner letzten berliner Aufenthalts
Unterrredungen mit der russ. Sozialrevolutionären in Berlin. Seinen
Worten zu entnehmen, dass er lange vor Ausbruch der Kronstädter
Meuterei über das Kommando wohl unterrichtet war. Die Soz.revolu-
tionäre hofften auf einen erfolgreichen Ausgang. Man war überzeugt,
dass sich Petr b. sofort den Aufständischen anschliessen würde.
Man hätte alsdann gleich eine Regierung gebildet und Tschernow
hätte die Constituante eröffnet. Die Bauern, so meint Tschernow,
hassen zwar die Bolschewiki, fürchten aber noch mehr eine Rückkehr
zu den Zuständen von früher. Eine absolute Monarchie -nur in
anderer Form- wäre in Rus land durchaus denkbar. Der Sozialismus
habe in Russland ausgespielt, weil der Bauer in erster Linie Grund-
besitzer bleiben will.
Über die griech.-kathol. Kirche in Berl. herrscht noch immer
Uneinigkeit. Die Fürstin Lopuchina hatte an den Bischof Eulogins
telegraphiert und dieser hat seinen Segen gegeben zur Einberufung
einer allgemeinen Gemeindeversammlung. In der Gemeinde geht das Ge-
rücht, Senator Belgard habe 7 000 Mark für die Glocke der russ.
Kirche in Tegel erhalten, die während des Krieges requiriert wor-
den war. Über den Verbleib des Geldes fehlen die Ausweise. Ausser-
dem habe Sen. Belgard eine Schadenersatzklage eingereicht in der
Höhe von 250 tausend Mark -Kirchengut der russ. Kirche in Tegel,
das während des Krieges abhanden gekommen sein soll.
Das Sowjetbüro für Kriegsgefangenenfürsorge wird von U.d.Linden 1
nach Maassenstr. 9 übergeführt. Das Haus dort hat die Sowjetmission
angeblich bei einem reichen Juden angekauft.
Nähere Erkundungen ergaben, dass Schlippe durch den Bankrott der
russ. Dampfgesellschaft 20 000 Mark verloren hat.
Nach Auflösung der Mission Gen. Meikolzms ist Wloltik als Chef des
N.D. zur Kommission Gen. Nollets übergegangen.
Schtscheglowits Geschäft scheinen, wie aus russ. Quelle verlau-
tet, glänzend zu gehen. Er hat grossartige Handelsunternehmungen mit
Bulgarien. Seine Schulden hat er bezahlt. Dementsprechend haben
sich seine Feinde von gestern in gute Freunde verwandelt. Er wohnt
in Beden bei Wien auf grossem Fuss. Als Wrangel ihn aufsuchte, hat
er ihm und Arginowitsch die ganze Zeit über freigehalten.
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Nach 2 Wochen wird Weinstein (Sowjetbüro f. Kriegsgef.) nach Sowjet-
russland reisen. Die Nachrichten, die die Bolschewiki aus russ. Quel-
le über die Kadettenorganisationen zuzutragen wurden, befriedigten
sie nicht. Weinstein erklärte: Die Meldungen taten nichts; man sieht,
sie kommen von einem unerfahrene „Intelligenten“. Die Bolschewiki –
meint er – pflegen anders zu arbeiten.
In der Sowjetmission herrscht einige Aufregung darüber, dass in Halle
im Kommunistenstab Schriftstücke beschlagnahmt und eine Reihe von
Russen verhaftet wurden, die evtl. einige höhere Angestellte der Sow-
jetmission, insbesondere Reich durch ihre Anssagen kompromittieren
könnten. – Stamonjak erklärte, die russ. Vertretung müsse ein für
alle mal mit der demagogischen Methode brechen; Die offizielle Vertre-
tung der Sowjetregierung dürfe sich nur mit Erledigung ihrer staatli-
chen Aufgaben befassen. Die Sowjetangestellten dürften nicht gleich-
zeitig an der russ. Sektion arbeiten. Parteifintrigen könnten in Wien
und Prag geführt werden.
Wie aus bolschew. Quelle verlautet, verbreitet sich der Aufstand im
Wolgagebiet. Als Führer der Bewegung werden außer Antonow genannt:
Briksow, Putow, Förster, die im Raum Saratow und Östlich davon ar –
beiten. Ziel der Bewegung ist Kampf gegen die K.P. Wie ein soeben
aus Stockholm in Erl. eingetroffener Sowjetkurler (Uspenski) meint,
beunruhigt der Wolgaufstand die Sowjetregierung weit mehr, als die
Unruhen in den Centren – denn ausserhalb der Centren werden die Auf-
standsbewegungen von den Bauern unterstützt, während die Revolten in
den Centren nicht organisiert sind.
Wie aus sowjetrus. Kreisen verlautet, hat die Sowjetmission über
Wien die Meldung erhalten, dass „weisse Truppen“ aus Bulgarien nach
Odessa geschickt wurden, um dort eine Landung vorzunehmen. Ferner
würden im Ackermannschen Kreise (Bessarabien) Kavallerieabteilungen
aufgestellt gegen die „Roten“ in der Ukraine. Als Führer werden General
Schkuro und Slaschtschow genannt, die – wie es den Anschein hat–im
Auftrage des ukrainischen nationalen Centrums vorgehen.
Mit einem geheimen Auftrag aus Moskau an Kopp ist Dr. Wigdortschik in
Erl. eingetroffen; er ist in der Wohnung Dr. Nemirowskis abgestiegen.
Durch Vermittlung Alexandrowskis hat die Sowjetmission an Gillerson
in Brünn 4 Millionen deutsche Mark geschickt. Auch eine Reihe von
Sowjetangestellten gehen demnächst nach Brünn.
In der vorigen Woche trafen 3 bolschewistische Kouriere (drei aus
Londen einer aus Riga, zwei aus Moskau über Stockholm) in Erl. ein.
Die politische Abteilung der Sowjetmission ist scharf an der Arbeit.
Dauernd treffen dort Depeschen ein.
Ein Offizier aus dem Russenlager Wünsdorf sprach sich dahin aus,
Barnond habe erklärt, dass er, von den Deutschen unterstützt, im
Mai eine „eisige Armee“ aufstellen würde.
In diesen Tagen ist der bek. Lianosow in Erl. eingetroffen. Seiner
Eintreffen hier wird in den berliner russ. Kreisen grosse Bedeutung
beigemessen (Organisation, Finanzierung etc.)
In der berliner Sowjetmission wird der bekannte Bolschewik Michail
Press aus Paris erwartet. Press ist Geiger; er hat das berliner Con-
servatorium absolviert. Während des Krieges war Press in Moskau –
Professor am Koskauer Konservatorium. Als die Bolschewiki ans Ruder
kamen, ging er zu ihnen über. Gegenwärtig arbeitet er als bolschew.
Agent auf den Strecken Moskau–Paris –Konstantinopel–Wien.
Niebuhrstr. 32 (Wohnung Osswjentin) pflegen Offiziere der Sowjetmission
abzuzeigen. Hier finden auch Unterweisungen im Agitationswesen statt.
Von den Führern der K.P.D. wird, in anbetracht des missglückten
Aufstandsversuches, verpreitet, die ganze Bewegung wäre auf Provoka-
tion der rechten Parteien zurückzuführen. Es bestätigt sich, dass die
Lobowa an kommunist. Versammlungen häufig teilnimmt. Man hat beschlos-
sen, die Propaganda in den Polizei –und Reichswehrtruppen energischer
zu betreiben. Die K.P.D. hat in Pomern erfolgreich agitiert. Zu Be-
ginn der Feldarbeiten können in Pomern Unruhen erwartet werden. In
den Dörfern gewinnt die K.P.D. Anhänger.
Der Japaner (zu die Nr ... von ....) sah sich dahin aus, er
habe freies Aufenthaltsrecht für Berlin, Paris, London. Seine Aufgabe
wäre N.D. in den neu gebildeten russ. Randstaaten (Litauen, Polen,
Lett- Est-und Finnland). Er kommt des öfteren mit einer gew. Ewgenja
Ippolitowna Swarowa zusammen, die unbemittelt ist. Sie war mit einem
- 8 -
russ. Militär verheiratet. Er interessiert sich besonders für bolsche-
wistische Fragen.
Ltn. Kosireff ist aus der Krim in Brl. eingetroffen! Er ist bolsche-
wist. Agent. Treibt Propaganda. Wirbt für die rote Armee, vornehmlich
Offiziere. Kosireff ist in der »Stanniza« (Neue Königsstr. 21) abge-
stiegen.
Am bolschew. Verlag (Für technische Wissenschaften) Eisenacherstr.10
arbeiten: Ingenieur Alexander Antonowitsch Tretler, Helene Dawidowna
Saizewa (früher im Komitee Dr. Bellinsons) Hptm. Gamalej, Ingenieur
Titarssik, Eibner, Golowin (früher Offizier der Westarmee).
Awalow -Bermondt arbeitet daran, ein Agitationszentrum zu organisie-
ren. Er plant eine russisch - deutsche Zeitung rechter Observanz her-
auszugeben. Ferner sollen in Russland "gesunde monarchistische Ideen"
durch Propagandaschriften verbreitet werden. Neuerdings sucht Oberst
Sjakin Fühling zu Awalow. Sjakin hat seinen Kontakt zu Biskupski ganz
fallen lassen. Auch Fürst Nik. Obolenski steht Bermondt nah. Der russ.
Klub(Kaiserallee), insbesondere Ssokolow - Baranski, ist gegen
Bermondt.
Poltawez ist wieder lebhaft an der Arbeit. Er meint Skoropadskij
bemühe sich zwar etwas zu unternehmen, doch würde er kaum durchdringen,
da man über seine Pläne genau unterrichtet wäre, man habe sogar einen
Teil seiner Korrespondenz photographieren können. Poltawez hat Fühlung
zu Biskupski aufgenommen. Er ist für eine Föderation mit Russland und
hat hierüber mit Biskupski verhandelt. Poltawez ist z.Zt. mittellos,
hofft aber viel von der Zukunft.
Aus russ. Quelle: Krassin wird, trotz abgeschlossenen Handelsvertra-
ges ,von den Engländern vernachlässigt. Auch die englische Arbeiter-
partei zeigt ein geringes Interesse für russ. Angelegenheiten. Die
Stimmung in England ist neuerdings zugunsten der antibolschew. Emigra-
tin umgeschlagen.
Der russ. Arzt Stenähel (verheiratet mit der Lenskaja, beschäftigt
an der Organisation russischer Kooperative) beschäftigt sich mit polit.
Fragen. Er ist Sozial-revolutionär. (Gruppe Kerenksij). Er meint,
in Russland würden erst dann geordnete Zustände herrschen, wenn es in
15 Einzelrepubliken aufgeteilt sein wird. Im übrigen hat er starke
Sympathien für England, wohin er des öfteren reist.
Im Lager Zossen hat sich eine Kommunistengruppe gebildet, seit dort
Teile der Roten Armee interniert wurden. Vorsitzender der Gruppe ist
ein gew. Komarzow (früher bolschewistischer Kommissar). Er hat eine
besondere Agitationsabteilung organisiert. Hat enge Fühlung zur russ.
Sektion der K.P. in Brl. Die Gruppe verfügt über reichliche Propa-
gandaliteratur (Broschüren der Ztg. »Sturmläuten« - Krassnij Nabat)
Agitiert wird nicht nur im Lager sondern auch unter der deutschen Be-
völkerung. Der Dolmetscher Eichholz, der im Lager angestellt ist, för-
dert die bolschew. Propaganda nach Kräften.
Der ehem. russ. Gesandtschaftssekretär Boris Valerianowitsch Andre-
jew (früher in Stockholm) hat dauernde Fühlung zu einem gew. Philipp
Mendelsohn (früher Verwalter des Fürsten Lwow und Fabrikbesitzer.)
In Stockholm hatte Mendelsohn gute Beziehungen zum Sowjetvertreter
Ströhm. Auch hier sucht Mendelsohn zur Sowjetmission Kontakt und
will der Gesellschaft zum Wiederaufbau der von den Bolschewiki zer-
störten Gebiete beitreten. Andrejew und Mendelsohn wollten nach
Pirsbg. reisen, um - falls der Kronstädter Aufstand geglückt wäre-
Lebensmittel nach Pritsbg. zu schaffen.
Kopp erhält neuerdings keine Instruktionen mehr aus dem Centrum.
Zwar unterhält er einen regen Schriftwechsel mit Krassin, doch sind
Krassins Instruktionen nicht durchführbar. So befindet sich denn die
Sowjetmission in einer recht schwierigen Lage und weiss nicht, welche
Richtlinien sie ihrer Handelspolitik geben soll, dies auch im Zusam-
menhang mit der Bezahlung von Aufträgen, die schon früher erteilt wor-
den sind. Reichs Nachfolger Stamontjak ist viel weniger unterrichtet
in handelspolitischen Fragen. Er ist Pedant durch und durch und tut
alles, was Krassin ihm vorschreibt, weshalb auch zwischen ihm und Kop
ein recht gespanntes Verhältnis besteht. Reich ist sehr zufrieden
damit, dass er seinen Posten in Brl. aufgeben wird. Gegenwärtig ist
er nur noch in der russ. Sektion der K.P. und in der polit. Abteilung
tätig, wo er - wie gerüchtweise verlautet - an Langes Stelle ernannt
werden wird. Seit dem 12. März ist Weinstein aus dem Büro für Krieg
gefangenenfürsorge in die Exportabtlg. der Handelsdelegation ernannt
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werden. Tschernjak ist gegenwärtig nicht angestellt; auch Grominski
und Biskin sind ohne Arbeit. Kopp's Privatsekretär, ein gew. Rausser,
soll in der Expedition angestellt werden, obwohl Kopp selber dagegen
ist. Stamonjak scheint eine durchaus unabhängige Stellung zu bekleiden
und die Gerüchte, dass Kopp demnächst abberufen werden wird, sind im-
mer noch in Umlauf. Stamonjak befasst sich auch mit polit. Fragen.
Als Kopp's Nachfolger wird Krassins Gehilfe Klyschko genannt. Gegner
Stamonjaks sind: Reich, Alexandrowskij, Finkelstein, Rus, Tschernjak
und die meisten Angestellten i.d. Büros. Die Angestellten meinen, die
"Generäle" hätten sich allen Ernêtes überworfen.
Nawrozki äusserte im Gespräch mit Goldberg (am 11.3.) über die Un-
ruhen in Dtschl.- "die ganze Bewegung wäre eine Art Generalprobe für
milit. Aufstände, um die unmögliche Atmosphäre, in die Deutschland
jetzt gehüllt wäre, zur Entladung zu bringen."
In Bri. ist ein Dr. Arnold Assmann (zusammen mit Buttler) einge-
troffen. Zweck der Reise: Organisierung einer internationalen Födera-
tion der Arbeitslosen." Beide Genannten sind Kommunisten und arbei-
ten auf Grund von Instruktionen des West-europäischen Sekretariats.
Ihr Gehilfe ist ein gew. Mohrmann, der vorgibt, englischer Agent zu
sein und gegen den Bolschewismus zu arbeiten. De facto ist er aber
Mitarbeiter d r londoner Sowjetmission.
Kürzlich aus Moskau in Berlin eingetroffen: Michail Ssemilowitsch
Istrizki; abgestiegen Friedrichstr. 30. Er ist häufig bei Kopp und
Fjodorowski gesehen worden. Vermutlich ist er Agent der bolschewisti-
schen Einkaufskommission.
ДИПЛОМАТИЧНИЙ ВІДДІЛ
ПОСОЛЬСТВА УКРАЇНЬКОЇ НАРОДНОЇ
РЕСПУБЛІКИ В НІМЕЧЧИНІ.
№ 149
УКРАЇНСЬКІ ІНФОРМАЦІЇ.
Кубань.
За браком транспорту погнили величезні запаси збіжжя, приготова-
ні до відсилки на північ. Проте, особлива продовольча комісія пр-
цьє й далі для використування кубанських запасів. "Екатеринос-
лавська Извѣстія" циро призначається, що в ній працює 11.000 чол.
Фунт реквірованого хліба, котрий гніє на складах, коштує державі
800-1000 руб. Заходи котрі бойльевики роблять для поліпшення
транспорту, надзвичайно примітивні і зведені до погроз розстріл-
вати всіх, починаючи з інженерів, а кінчаючи останніми робітника-
ми. Не потрібно й говорити, що це не дає ніяких наслідків.
Терек. На Тереку неспокійно. Від ст. Беслан на Вл-
дивавказ та Грозний поїзди ходять з/ конвоєм. Найтові підприєм-
ва в Грозному цілком зруйновано. У вересні там сталась пожежа, а
звищила варіцево поставлені підприємства. Директори товариства
бельгійці, котрі поїхали до Москви, щоб протестувати проти вчинк-
комісара Руднева (в минулому близького друга відомого Гикало), о-
ли там арештовані і доля їх невідома.
На Україні (17 січня 1921.) Лівобережна і правобереж-
на обхопленні повстанням. Повстання почались по живах. На Полт-
щині група повстанців з якорсь Марусен на чолі зайняли Мироно-
ку і Ртищево. По лінії Кременчуг-Полтава з брльшевиками б'ється-
отаман Живосов. Харьківщині рентки банд Махна зайняли Ізра-
На Чернигівщині повстанці оперують по лінії Вахмач-Київ під ве-
руванням українського офіцера Романка. На правій березі повста-
ня це більш значні; на Херсонщині організувався загон Заболот-
ного. На північ від Єлисаветгорода Коханенко зайняв Умань; на-
Київщині сконцентровані значні загони повстанців Струка і Кол
- 2 -
сова, до 10.000 кожен і складався з селян і салдатів. На Кате-
ринославщині стаман Ільченко віпсуяв багато переправ через
Днipro.
З Києнгена прибув до Берліну полковник Л.И. Волинсько-
го полку Петрушевський, котрий стояв на чолі запасного батальо-
ну названого полку, коли він виступив проти Імператорського ур-
ду. Згодом Петрушевський звертає на себе увагу своєю діяльніс-
тю на Україні, де він служив при всіх українських урядах в мо-
білізаційному відділі Українського Головного Штабу. Він стаєть
в зв'язку з відомим "українофілом" Омеляновичем-Павленком. Обид-
ва працюють для Гетьмана Скоропадського. Петрушевський стоїть
в постійному звязку з Гладиш, ротм. Кістером, кап. Вединяєвим (слу-
жить у Антанті), полк. Чихачевич, Сільським і збирається викли-
кати сюди з Сербії ген. майора Кушакевича.
( З листа Карахана до Латвійського Представника ).
6/3 ц.р. прийшли доповненні відомості з України. Наш
комуністичні одбивають натиск отамана Струка на Київ, з 3-го
цього місяця, за місто Київ іде завзятий бій. Ціла магистраль
між Києвом та Одесою в руках українських бандитів, котрих під-
тримують білогвардійці Петлюра та Павленко, а також різна інша
українська наволоч. Міста: Балта, Ананів, Умань, Ольвіополь, Звен-
городка, Тараща, Переяслав, Прилуки, Ромни, Лебедин переходять з
рук до рук. Частинам, розквартированим на Україні, доводиться ті-
ки брати під охорону Ісполкоми та Губкомисари. На місцеві кар-
ульни батальйони, котрі стоять до розпорядження губ.та пов. Ком-
сарів, немає ніякої надії: всі такі частини при першій зустрі
з ворогом, або розбігаються або переходять на його бік. На Чер-
гівщині іде уперта боротьба з повстанцями Ромашка, котрі були
зайняли Чернігів, Козелець, Конотоп, Борзну, але, завдяки енергії
лівобережного штабу для боротьби з повстанцями, були вибиті з
них. Завдяки праці українського "кулачества" по селах ведеться
білогвардійська пропаганда, котра пустила глибокі коріння сере-
населення України і породила масові повстання, з котрими тепе
- 3 -
дуже тяжко боротись, через становище яке тут утворилося в цент-
рі Росії.
Серби не визнають Українців. Особам з українськими
паспортами одмовляють у великій допомозі чи визнанню. Є підстав-
ний український рук землевласників - Григоренко, Пеликан і Мау-
ко.- Монархічна платформа - праве крило хліборобів. До Скоро-
падського відношення негативне. Тимчасове гетьманство не визна-
ється.
19
18
ДИПЛОМАТИЧНИЙ ВІДДІЛ
ПО: ОБ'ЄДНАННЯ УКРАЇНСЬКОЇ НАРОДНОЇ
РЕСПУБЛІКИ В НІМЕЧЧИНІ.
№ 150
DRAHTLOSE NACHRICHTEN.
Von Moskau an alle. 13.4. - 5.20 nachm. (rus. Klartext.)
(200)
Liquidierung des Banditenwesens.
Die Aufklärungsabteilung einer unserer Rei-
terbrigaden hat die Führer der Banden, die in den
Kreisen Krolez, Gluchow und Schotske im Gouverne-
ment Tschernigow ihr Unwesen trieben, -Marussja und
Tsche konjuk- gefangengenommen und erschlagen.
Die Nachno/anhänger geschlagen.
In einer Sitzung des Charkower Stadtrates
teilte Genosse Cohn mit, es seien offizielle Nach-
richten eingelaufen, dass Machno schwer verwundet
sei; sein Stab im vollen Bestande sei mit allen
Dokumenten gefangen, die Armee sei geschlagen und
zerstreut. Ein Befehl Machnos wurde abgefangen, in
den er angesichts der Verfolgung seiner Armee durch
die Räte truppen und angesichts der Weigerung der
Bauern, die Aufständischen zu unterstützen, seine
Armee als aufgelöst erklärt.
Von Petersburg an Helsingfors. - 14.4. - 2.55 nachts (dtsch.Klartext)
(305)
Der ukrainische Volkskommissar Rakowski teilt
mit, dass die Meldungen des "Tempo", wonach zu Be-
ginn des laufenden Jahres Tschernigow von gewissen
unbekannten Insurgentenbanden besetzt worden sei
und dann von Roten Truppen zurückerobert wurde, wor-
auf die Stadt abermals von Kavallerie des Hetmans
in Besitz genommen wurde, von Anfang bis zum Ende
frei erfunden sind. Seit Ende 1918 bis zum heutigen
Tage ist Tschernigow in Besitz der Sowjets,-mit
Ausnahme weniger Wochen -(Ende 1918) gelegentlich
des Denikinvor marsches.-Ebenso lächerlich sind all
anderen Erzählungen der europäischen bürgerlichen
Zeitungen über die Ukraine.
- 2 -
Von Warschau an alle. 15.4. - 8.45 abends (poln. Klartext)
(301.)
Heute kam in Landtag eine Delegation
der Petljura-Regierung en, bezugte Sie
Sympathieen für Polen und bestätigte die
Anerkennung des Rigaer Vertrages unter eini-
gen Vorbehalten.
Von Warschau an alle. 15.4. - 8.45 abends (poln. Klartext)
(301.)
"Rzeczpospolita" meldet, dass in der
Ukraine Vorbereitungen zu einem antibolsche-
wistischen Aufstande für den 25. April im
Gange sind. Mittelpunkte der Vorbereitung
sind Winiza und Letitschew.
Von Moskau an alle. 17.4. - 4.30 nachts. (rus. Klartext)
Der ukrainisch - rumänische Kooperativvertrag
Der allukrainische Kooperativvertrag
und das rumänische zentrale Handelsbüro der
Kooperativverbände unterschrieben einen
Hanseivertrag, der in Kraft tritt, nach der
Bestätigung ....... des Vertrages.Gegen
seitige Unterstützung in Sachen der Versor-
gung der Kooperativorganisationen beider
Staaten mit den nötigen Hilfsmitteln und
Rohstoffen ........ auch Unterstützung
des Transportes und Transits aus anderen
Ländern ....... waren, die geschickt werden ...
....... vertragsschliessender Länder. Alle
Handelsgeschäfte für die Ukraine werden in
Bukarest durch den "Zentral" abgeschlossen
werden. Für Rumänien aber in Charkow durch
den allukrainischen Kooperativverband. Dazu
wird eine besondere Vertretung Bevollmäch-
tigter der Kooperativorganisationen der
Ukraine und Rumäniens eingerichtet.
Nr. 323.
19.4.21.
POLITISCHES.
In der "Kiewer Istwestija" wird ein Befehl von Rakowskij
an die Aufständischen veröffentlicht, welcher mit folgenden Worten
endet: Genossen, werfet die Waffen fort und geht auf unsere Seite
über. Wenn Ihr gegen uns kämpft, so unterstützt ihr nur die Bourge-
oisie. In Sonderheit wendet sich Rakowskij aber an den bekannten
Kosakenstamm Struca. Er verspricht ihm absolute Amnestie und so-
gar einen hohen Kommandoposten in der roten Armee, wenn er die An-
- 3 -
Angriffe gegen die Sowjetgewalt unterlassen und die Rote Armee nicht mehr beunruhigt.
Dieselbe "Istentija" veröffentlicht einen Heeresbericht der "Inneren Front", in welchem das Erscheinen neuer aufständischer Bänden in Kiewer Gouvernement mitgeteilt wird. Die Aufständischen sind mit Geschützen und Maschinengewehren ausgerüstet. Eine dieser Bande befähigt ein gewisser Denuschenko.
Anfang März wandte sich Podwoiskij an Lenin mit der Bitte um sofortige Absendung eines Lettenbataillons nach Kiew, da die Kiewer Garnison unzuverlässig sei.
Die telefonische Verbindung zwischen Kiew, Schitomir und Berditschew funktioniert seit Anfang März nicht mehr.
Alle Arsenale und Verpflegungslager, welche in der Nähe der polnischen Grenze gelegen sind, sind von Deserteuren und Aufständischen zerstört worden.
Aus denjenigen Teilen des Charkower Gouvernementes, welche an das Gouvernement Poltawa stossen, wurden Truppenteile nach Nordrussland transportiert. Eine grosse Anzahl Rotarmeesoldaten desertiert aus diesen Truppen und schliesst sich bewaffnet an die Aufständischen an.
20
Nr.920.
19. 4.21.
MILITÄRISCHES.
DIE FORMATION GENERAL SSEMENOW.
Generalmajor Ssemenow war z.Zt. der keiserlichen Regierung Oberst. Er ist 1860 in Sib. Transbaikalien geboren und stammt aus einer reichen russischen Kosakenfamilie. Das Gymnasium absolvierte er in Schitin, die Militärschule in Orenburg und beschäftigte sich dann in Petersburg im Institut für orientalische Sprachen.
Generalmajor S. hat ohne Zweifel strategische Fähigkeiten und ein umfangreiches militärisches Wissen. Ausser dem Japanischen und Chinesischen beherrscht er auch Deutsch, Französisch und Englisch. Als Freiwilliger nahm er am Russisch-Japanischen Kriege teil. Hierauf wurde er Offizier und machte eine topographische Aufnahme der Mongolei. Am letzten Kriege hat er nicht lange teilgenommen, da ihn von Zaren der Auftrag erteilt wurde, in Ural 2 Korps aufzustellen. Während diese Formationen vor sich gingen, kam der Bolschewismus ans Ruder.
Generalmajor S. war ein ausgesprochener Feind des Bolschewismus und begann nun aus eigenen Mitteln Freischärlertruppen zu organisieren. Zunächst hatte er nur 13 Mann und überfiel mit diesen paar Leuten ein Bolschewistenbataillon, das er dann entwaffnete. Hierauf begann er reguläre Truppen zu organisieren.
Als der General Kolttschak seine Offensive begann, verfügte S. bereits über ca. 1000 Mann, hatte aber auch dauernde Nachschub. Bemerkt muss werden, dass Generalmajor S., obwohl er ein Gegner der Politik Kolttschaks war, von diesem zum Gouverneur von Ostalbirien und zum Generalkommandeur ernannt wurde.
Kolttschak würde jedoch von den Bolschewisten geschlagen, während die Truppen S. sich in die estländischen Gebiete zurückzogen, die damals von den Japanern besetzt waren. Mit Hilfe der Japaner ordnete nun Generalmajor S. die Überreste seiner Truppen und war nach Kräften bemüht, sie zu vermehren.
Lt. Meldungen (bis Nov. 1920) setzt sich die Armee S. wie folgt zusammen:
1) 2 Infanterieregimenter, bestehend aus je 400 Mann Soldaten und 350 Offizieren. Kommandeur des 1.Infanterieregiments ist der Oberst Litwinow.
2) 3 Kosakenregimenter
3) 2 Kavallerieplämenter,
4) 4 leichte Batterien
5) Der nächste Mitarbeiter Ssemenows war Baron Ungern-Sternberg, der die Kavallerie führte.
Die Armee S. besteht aus chinesischen Soldnern, russischen Kosaken, aus ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen und anderen.
ca. 50 % aller seiner Soldaten sind chinesische Soldner; die Kommandeureposten an den Stäben und in den technischen Abteilungen liegen zumeist in den Händen von deutschen Offizieren.
Die Armee ist teils mit japanischen, teils mit russischen Waffen ausgerüstet.
Zu Anfang dieses Jahres war Ssemenows Armee ca. 30 000 Mann stark; sie stand bei Us-iru. Das Mongolische Kavalleriekorps Baron Ungern-Sternbergs hatte eine Gesamtstärke von 20 000 Mann und operierte im Range des Bolschewismus, wo viel Gold erbeutet wurde, das der russischen Sowjetvertretung nach Peking gesandt werden sollte (angeblich handelte es sich um ca. 30 Pud).
Führer der antibolschewistischen Freischärlertruppen in Sibirien sind:
Ataman DUTOW - 20 000 Mann
General Zwafjing im Raume Minosinsk - 20 000 Mann
General Rogow im Raume Tomsk - 15 000 Mann
General Schtscherbakow im Raume Okmolinsk - 10 000 Mann.
General Bokisch - 8 300 Mann
General Annenkov im Raume Semipelatinsk - 3 000 Mann.
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Alle Genannten sind dem Generalmajor Ssemenow unterstellt.
"Generalmajor Ssemenows Politik.
Japan, das einen Teil Ostasien besetzt hält, scheint sich mit der Absicht zu tragen, dieses Gebiet zu annektieren, ähnlich wie den nördlichen Teil der Insel Sachalin. Um diese Okkupation zu befestigen, gestattet Japan S., seine Armee aufzustellen und im gesamten Gebiet zu operieren. Für die gewährte Hilfe tut S. alles, was die Japaner anordnen und unterstützt in der russischen Frage die japanische Politik. Zur Mongolei hat S. sehr gute Beziehungen. Auch ist er dort Besitzer von einigen Goldbergwerken. Was die Europäische Politik S.betrifft, so ist er deutschfreundlich gewesen und dagegen ein Gegner der Entente. Dieses zeigte sich bereits 1910 als S. den Admiral Koltschak als obersten Heerführer nicht anerkennen wollte, weil dieser zur Entente hielt.S. hofft jetzt zusammen mit Deutschland einen Block gegen die Bolschewisten zu bilden, doch dürfte ihm dieses nicht gelingen, da sich ja Deutschland mit der Absicht trägt, Handelsbeziehungen mit Sowjetrussland anzuknüpfen, um ein grosses Abatzgebiet für seine Waren zu haben. Litauen betrachtet S. als einen Föderativstaat Russlands.
ДИПЛОМАТИЧНИЙ ВІДДІЛ
ПОСОЛЬСТВА УКРАЇНЬКОЇ НАРОДНОЇ
РЕСПУБЛІКИ В НІМЕЧЧИНІ.
№ 451
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- 2 -
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24. März 1921.
ПОСОЛЬСТВО
УКРАЇНСЬКОЇ НАРОДНОЇ РЕСПУБЛІКИ
В НІМЕЧЧИНІ
№ 1506.
Берлін …………28 квітня…………..1921.
До
Закордонного Відділу Ген.Штабу
Військ У.Н.Р.
Тарнів.
У. Н. Р.
Головне Управління Генерального Штабу
Одерж.: 9 квітня 1921 р.
х, ч 30.
Дипломатичний Відділ Посольства
У.Н.Р. у Німеччині має за честь переслати при
цьому до Вашого розпорядження слідуючі нові
інформаційні матеріали:
1) №151. Персонал больничницької Копповської Мі-
сії в Берліні (з таблицею). (нім).
√ 2) №152. Кріза Советського Уряду (нім).
√ 3) №153. Туреччина і Радянська Росія (укр).
√ 4) №154. Бездротові звідомлення (нім).
ПОВІРЕНИЙ У СПРАВАХ У.Н.Р. У НІМЕЧЧИНІ
ПОСОЛ:
ДИПЛОМАТИЧНИЙ ВІДДІЛ
ПОСОЛЬСТВА УКРАЇНЬКОЇ НАРОДНОЇ
РЕСПУБЛІКИ В НІМЕЧЧИНІ.
№ 152
DIE KRISIS DER SOWJETREGIERUNG.
10.4.21.
Aus russ. Quelle wird die nachstehende Meldung über die allgemeine politische Lage in Russland gebracht. Was gegenwärtig in Sowjetrussland vor sich geht, ist am ehesten mit einer Agonie zu vergleichen. Die grosse Masse der Bevölkerung hat schon längst kein Gefühl mehr für die bolschewistischen Lösungen und ist von grosser Erbitterung gegen die gegenwärtigen Machthaber erfasst. Es werden verzweifelte Versuche unternommen, die verhassten Machthaber zu stürzen. Die organische Unzulänglichkeit der kommunistischen Theorie und Praxis hat sich nun vollauf erwiesen. Das Bewusstsein dafür, dass die Idee des Kommunismus lebensunfähig ist, hat bereits auch in die breiteren Massen der Regierungsschichten gedrungen. Die Parteiführer bemühen sich wohl, neue Wege ausfindig zu machen, allein vergebens. Eine Analyse der gegenwärtigen Lage in Russland der Ursachen der Krise beweist hinreichend, dass der Bolschewismus unvermeidlich zu Fall kommen muss.
Vielleicht werden Wochen, vielleicht Monate vergehen, ehe das "Ende" kommen wird, doch eines kann nicht bezweifelt werden: weder eine Befestigung, noch eine Wiedergeburt des Bolschewismus ist möglich. Der Fäulnisprozess, der bereits eingesetzt hat, geht nun seiner natürlichen Ende entgegen.
Ursachen der Krise.
Die allgemeine Ursache der Krise ist der faktische Zusammenbruch aller ideologen Voraussetzungen, die Wesen und Sinn des Kommunismus ausmachen. Die wichtigsten Faktoren hierbei dürften folgende sein:
1. Absolute Misserfolge der auswärtigen Politik.
Der Haupteinsatz des Bolschewismus, nämlich die Hoffnung auf eine Weltrevolution, ist in nichts zusammengebrochen. Alle Berechnungen der bolschewistischen Theoretiker haben sich als verfehlt erwiesen. Noch bei Gelegenheit des 2.Kongresses der III. Internationale erklärte der Vorsitzende Sinowjew voller Stolz: "Das Volk in Europa ist auf unserer Seite. Es wird sich uns anschliessen. Die Stunde der Bourgeoisie hat geschlagen." Die Führer der III. Internationale stützten sich nun auf
- 2 -
diesen Glaubenssatz, spalteten die sozialistischen Parteien West-
europas und säuberten den Komunismus von allen reformistischen und
zum Kompromiss neigenden Elementen. Das Resultat dieser Operation
entsprach aber den gestellten Erwartungen nicht. In ganz Europa
durchlebten die sozialistischen Parteien eine ernsthafte Krise. Ihr
spezifisches Gewicht ist unendlich gesunken. Die reaktionären Strö-
mungen gewinnen an Boden. Diese Tatsache ist erst jetzt in Moskau
erkannt worden, natürlich aber auch im Westen. Der bekannte bolsche-
wistische Theoretiker Bauer erklärt: "Der europäische Kapitalismus
noch stark, und nirgend sind die Arbeiter instande ihn zu stürzen."
Der bekannte Ledeour schreibt: Das deutsche Proletariat wäre nicht
imstande, gegen die anrückende Reaktion aufzukommen. Ja, selbst der
treueste Vasall des Bolschewismus, der Italiener Serrati, macht es
Lenin zum Vorwurf, dass dessen Behauptung, eine Revolution in Itali-
en wäre möglich, auf völliger Unkenntnis der Sachlage beruhe.
Das Bewusstsein dafür, dass tatsächlich alle Hoffnungen ge-
scheitert sind, wirkt tief deprimierend, auch auf die fanatischsten
Anhänger des Kommunismus. Gelegentlich des letzten Kongresses er-
klärte Sinowjew mit Bitterkeit: "Die Bewegung die zur Weltrevolution
führte, scheint auf eine absonderliche Weise zum Stillstand ge-
kommen zu sein."
Die Tatsache kann so unerwartet, dass Sinowjew die Einberu-
fung einer ausserordentlichen Session der III. Internationale for-
dert, um die allgemeine Lage zu beraten. Da nun die bolschew. Regie-
rungskreise weder im Inneren des Landes noch auswärts Kräfte finden,
die den Kommunismus stürzen könnten, so ist es nur zu begreiflich,
dass sie sich völlig dem Pessimismus hingeben. Der Glaube an den
Erfolg ist verloren, die Apathie nimmt überhand und desgleichen die
Zersetzung der Partei.
II. Völliger Zusammenbruch des Systems der Organis. der Sow.Regie-
rung.
Die Diktatur des Proletariats hat bekanntlich dahin geführt,
dass dieses selbe Proletariat unter die Diktatur der Partei geraten
ist. Die bolschew. Führer erkennen deutlich, welche Gefahr damit ver-
bunden ist, die breiteren Volksmassen an den Regierungsgeschäften
zu beteiligen. Schon dieses hätte genügt, um den Bolschewismus in
seiner eigentlichen Idee zu vernichten. Da es der Sowjetregierung
aber gleichzeitig an einer hinreichenden Anzahl erfahrener Beamter
fehlte, war sie, ob sie nun wollte oder nicht, gezwungen, die "Intel-
ligenz" zum Regierungsgeschäft heranzuziehen. Die russ. Intelligenz
ist aber bekanntlich durchaus bolschewistenfeindlich. Dieser Wider-
spruch in sich selber hat dahin geführt, dass ein riesenhafter büro-
kratischer Apparat geschaffen werden musste, und die Regierung den-
noch ohnmächtig war. Als Beispiel möge angeführt werden, dass es in
Moskau nicht weniger als 221 000 Sowjetbeamte gibt, hiervon 100 000
weibliche Angestellte,- in Petersburg aber 185 000. Das charakteri-
stische Merkmal für die Arbeiter der Sowjetregierung ist Bestech-
lichkeit, Sucht Karriere zu machen und ein dauerndes Verschleppen
auch der wichtigeren Staatsangelegenheiten. Die allgemeine Stimmung
des Beamtenpersonals ist der Sowjetregierung durchaus feindlich.
Bestenfalls beschränken sich die Sowjetspezialisten darauf, ihre
Arbeit formal irgendwie zu erledigen, während im schlimmsten Fall
die Bolschewiki exploitiert oder sabotiert werden.
Unter solchen Bedingungen konnte die Hauptaufgabe, nämlich
der Wiederaufbau des wirtschaftlichen Lebens nicht durchgeführt
werden. Dank der Umbildung der Kommissare hat sich die Projekten-
sacheri der verschiedensten Spezialisten ins Unglaubliche entwick-
elt. Ein Projekt ist fanatischer als das andere und wird der resp.
Oberbehörde zur Begutachtung vorgelegt. Zur Realisierung dieser Pro-
jekte werden kolossale Mittel ausgeworfen, die laufende Arbeit un-
terbrochen , und das führt letzten Endes nur zu einem noch eklatan-
teren Zusammenbruch des ganzen Systems.
Mechonins elektrische Züge, die Elektrifizierung des Landes,
und alle dem Ähnlichen Projekte sind ja nur das Resultat der augen-
fälligsten Umbildung oder böswilliger Projektensacherei, um den
Apparat zum Stocken zu bringen. In der Volkswirtschaftsverwaltung
bietet sich dasselbe Bild, so dass das wirtschaftliche Leben des
Landes recht eigentlich desorganisiert statt organisiert wird.
Die Sowjetregierung liess sich durch all diese Projekte blenden und
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hat dabei vollkommen übersehen, dass die Krise näher rückte. Noch
gelegentlich der letzten Sowjettagung im Januar d.J. war man sehr
hoffnungsvoll. Die offiziellen Berichte klangen durchaus optimal –
stisch, aber bereits im Februar setzte eine Paralyse des wirtschaft-
lichen Lebens ein. Die "Prawda" schreibt hierüber: Die Zentralor-
gane hätten nicht nur keinen Plan, sondern nicht einmal die elemen-
tärste Berechnung aufgestellt. Es fehlt z.B. an Salz und es hat
sich gezeigt, dass die Berechnungen der Oberverwaltung mit der Wirk-
lichkeit keineswegs übereinstimmen. Alle ihre Daten sind fantastisch
fehlerhaft und ein kompletter Unsinn." Hieraus dürfte erhellen, dass
die Regierung ohnmächtig ist, dass entweder normale wirtschaftliche
und politische Bedingungen geschaffen werden müssen, d.h. aber Ver-
zicht auf die grundlegenden Prinzipien des Bolschewismus, oder aber
dass die materiellen Werte des Landes endgültig ruiniert werden.
III. Wirtschaftliche Katastrophe.
Gleichermassen wie die ausw. Politik des Bolschewismus nicht
zur Weltrevolution sondern im Gegenteil zur Reaktion geführt hat,
und zwar bedeutenderweise auch in den weitesten Arbeiterkreisen, so
hat auch die zweite grundlegende Idee des Kommunismus, nämlich ein
Proletarierparadies auf Erden zu schaffen, bei dem Versuch, sie
durchzuführen, zu völliger Enttäuschung und Panperisierung der Ar-
beiterschaft geführt. Sowohl Lenin und Trotzki als auch Sinowjew
erkenntn vollkommen, dass ihnen der Boden unter den Füssen schwin-
det und dass die Ziele der kommunistischen Doktrine entgültig kom-
promittiert sind. Die politische Basis des Kommunismus, nämlich das
städtische Proletariat hat sich entweder in die Dörfer verzogen
oder nimmt eine den Bolschewismus durchaus feindliche Haltung ein.
Die Führer des Bolschewismus (Lenin, Rykow, Sinowjew) erklären öf-
fentlich, dass die Lage der Arbeiter unerträglich geworden sei, und
zwar infolge der kommunistischen Experimente. Alle Nachrichten aus
Sowjetrussland lauten einstimmig dahin, dass die grosse Masse der
Arbeiter sich von der Unsinnigkeit der bolschew. Theorie, sofern
diese ins Leben umgesetzt werden sollten, überzeugt haben. Als Bei-
spiel könnte angeführt werden, dass gelegentlich einer Konferenz der
Metallarbeiter in Moskau die Vertretung soweit führte, das, wie
die "Prawda" berichtet, die Arbeiter alle Selbstbeherrschung verlo-
ren. Man hörte nur auf die Redner, die die Misstünde des Sowjetme-
chanismus in heftigster Weise angriffen. Ganz offen zog man auch
die Konsequenz, man möge wieder zur bourgeoisen Verwaltung zurück-
kehren und all überall wurden reaktionäre Aufrufe verbreitet. Das
geschahe aber am hellen lichten Tage in Moskau und der allgewaltigen
Dsherzinski sah sich genötigt, dieses ruhig hinzunehmen. Die letzter-
ten Ereignisse haben bewiesen, dass die Arbeiter bereit sind, mit
den Waffen in der Hand gegen die Sowjetregierung zu kämpfen. Um
sich davon zu überzeugen, wie überraschend schnell der Zersetzungs-
prozess vor sich geht, genügt es vielleicht, die Mitteilungen der
Sowjetregierung über den furchtbaren Zerfall des Transportwesens
zu lesen, über den Mangel an Heizmitteln, über die Fabriken, Werke
und Bahnlinien die nun stillgelegt wurden, über die zunehmende Erbit-
terung der Bauernschaft und des ganzen Volkes gegen die bestehende
Ordnung. Es fehlt an allem. Da gibt es eine Salzkrisen, da fehlt es
an Eisenbahnchwellen, da stocken die elektrischen Bahnen in den
Städten, die Badeanstalten, die Wasserleitungen setzen aus u.s.w.
Mit einem Wort, das Leben des ganzen Landes kommt ins Stecken und
die Sow.-Regierung findet aus den Widersprüchen nicht heraus. Die
8.Sowjetkonferenz, welche die neue Aera in Leben Russlands einlei-
ten sollte, konstatierte die hoffnungslose wirtschaftliche Lage des
Landes und konnte keine andern Mittel auffindig machen als Aufrufe
an die Arbeiterschaft, das Transportwesen wieder zu organisieren,
als Aufrufe an Arbeiter und Bauern, dem wirtschaftlichen Leben auf-
zuhelfen und Aufrufe an die Arbeiter, um die vielberufene Elektri-
fizierung durchzuführen. Die Bolschewiki haben in der Tat nur von
noch vorhandenen Vorräten gezehrt und konnten allerwichtigste Be-
triebe nur aufrecht erhalten, indem sie andere Betriebe vernichte-
ten. So müssen Eisenbahnlinien zum Stillstand gebracht werden, um
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eine Eisenbahnlinie in Betrieb zu nehmen. Es gibt schlechterdings
keine Möglichkeit, die gesamte Industrie zu erhalten, daher werden
die unmöglich notwendigen Betriebe als sogen. "Kampfbetriebe"
auf Kosten der anderen unterstützt. Um den Städtern über die Lebens-
mittelkrise hinwegzuhelfen, wird den Bauern das Korn zwangsweise ge-
nommen, um die Soldaten der Roten Armee mit Schuhwerk versehen zu
können, lässt man die städtische Bevölkerung barfuss laufen. Es
liegt auf der Hand, dass eine solche wirtschaftliche Politik nicht
ins Endlose fortgesetzt werden kann, und gegenwärtig dürften die
Bolschewiki hart am Ende aller Möglichkeiten angelangt sein: die
alten Vorräte sind erschöpft und der wirtschaftliche Apparat muss
nun in Ordnung gebracht werden. Die Bedeutsamkeit dieser Tatsache
kann nicht genug betont werden.Die Sowjetregierung hat sich 3 Jahre
nur halten können, weil xx sie von noch vorhandenen Vorräten zehrte
Hi-ru einige Daten: Das Kommissariat für Lebensmittelversorgung hat
in diesem Jahr nicht mehr als 80 Millionen Arschin Manufacturwaren
erhalten zu Austauschzwecken gegen das erforderliche Getreide;im
vorigen Jahre hatten zu den gleichen Zwecken 443 Mill. Arschin ge-
liefert werden können, ungerechnet eine ganze Reihe anderer Produkte
wie Wollstoffe, Leingewebe,Schuhwerk,Galoschen,Zucker,Seife u.s.w.,
welche in diesem Jahr überhaupt nicht zur Verteilung gelangten. Im
vorigen Jahre wurden die Bauern für geleistete Holzlieferungen mit
Salz beliefert, in diesem Jahre ist der Salzvorrat erschöpft .Aehn-
lich steht es auch mit dem Getreide. Die Bolschewiki hatten darauf
gerechnet, noch alte Vorräte benutzen zu können, die noch in Sibi-
rien und im nördl. Kaukasus lagern. Die genannten Gebiete sollten
230 Mill. Pd. liefern. Des ungeachtet fehlt es schon heute in Sow-
jetrussland an den notwendigen Getreidevorräten und im kommenden
Jahr wird es natürlich noch schlimmer sein, da die Ressourcen im ver-
gangenen Jahre endgültig erschöpft sind. Das nämliche gilt von der
Kohlenversorgung . Das einzige Produkt , das den Bolschewiki noch zur
Verfügung steht, ist Narzta, 120 Millionen Pud, was für die Sommer-
kampagne des laufenen Jahres reichen dürfte. Neue Vorräte sind aber
nicht zu erwarten, und die Bolschewiki sind ausser Stande den wirt-
schaftlichen Apparat wieder in Ordnung zu bringen, da ja der Bolsche-
wismus selbst eine Verneinung jeglicher wirtschaftlicher Produktivi-
tät in sich schliesst. Diese Krisis ist keine zeitweilige, ist viel-
mehr organischer Natur und wird sich mit jedem Monat zuspitzen,da-
mit aber die antibolschewistischen Strömungen im Lande fördern.
IV. Die Unmöglichkeit die Bauernschaft der kommunistischen Politik
unterzuordnen.
Auch dieses Problem ist für die Bedeutung der Sowjetregierung
vorhängnisvoll genug. Lenin erklärte kürzlich:" Wenn es uns nicht
gelingt, die Bauern davon zu überzeugen, dass eine zwangsweise Ar-
beit aller Arbeiter durchaus erforderlich ist, so wird es uns nicht
gelingen, unsere Industrie wiederherzustellen und wir gehen unsern
Untergang entgegen." Schon jetzt ist es vollkommen klar, dass die
Bauern alle Versuche der Bolschewiki, sie zu intensiver Arbeit her-
anzuziehen , mit Aufständen, die allerorts entbrannt sind, beantwor-
ten. Auf Grund der letzten Meldungen lässt sich feststellen, dass di
Stimmung in den Dörfern allgemein erbittert ist und dass damit zu
rechnen ist, dass es zu Massenaufständen kommen wird, wenn die Bol-
schewiki zu zwangsweiser Requisition schreiten sollten. In vielen
Gegenden Russlands werden bewaffnete Aufstände vorbereitet, die ver-
mutlich im Frühjahr ausbrechen werden.
V. Aufgeregte Stimmung in der roten Armee.
Die Sowjetregierung hat es Verstanden, alle Bevölkerungs -
schichten gegen sich einzunehmen. Sie gründet ihre Macht auf zwei ir
der Tat gut organisierte Apparate: den militärischen und die "Tsehe-
ka" (AusserordentlicheKommission). Neuerdings gerät der milit. Appa-
rat auch aus den Fugen. Diese Tatsache des Machterfalls der Sowjet-
regierung spricht für sich. Die"Prawda" bemerkt, "die Kommunisten
desertieren aus der roten Armee oder sie demobilisieren sich aus
freien Stücken." Immer wieder hört man von Meuterelen der Soldaten,
von Ersordungen dieser oder jener Kommissare. Recht bedenklich sieht
es in der Ukraine aus." Auf der letzten Sitzung des Kiewer Arbeiter-
und Bauernrates wurde die Frage erörtert, welche Massnahmen gegen
das Deserteurnwesen innerhalb der roten Armee in der Ukr ine in
Anwendung zu bringen wären, da die Desertionen bedrohlich zu nehmen
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und die Deserteure sich zu Banden zusammenschliessen, welche vor-
wiegend die Kommissare und Kommunisten überfallen. Auf der Konfe-
renz wurde die Befürchtung laut, dass gerade die Armee, die gegen-
wärtig nichts zu tun habe, die Sowjetregierung zu Fall bringen
könne. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Erwägungen dieser Art
die Sowjetregierung veranlassen werden, einen Vorwand für neue
Kriege zu finden, da sie ja im entgegengesetzten Fall nicht mehr
die Mittel besitzen würde, die Armee zusammenzuhalten.
VI. Eine weitere Zuspitzung der Krisis ist zu erwarten.
Sollte es nun der Sowjetregierung auch gelingen, der Auf-
standsbewegungen in Russland Herr zu werden, so werden diese Auf-
stände in Kürzester Frist dennoch wieder aufflackern, da ja die Ur-
sachen, die sie hervorriefen, weiter bestehen bleiben und sich
noch schärfer bemerkbar machen werden. Es steht zu erwarten, dass
die Heizmittelkrise binnen kurzem noch bedrohlicher werden dürfte
als bis jetzt. Da die an und für sich schlechten Wege im Frühjahr
während und nach der Schneeschmelze überhaupt unpassierbar sind,
wird von einer Zufuhr der Heizmittel nicht die Rede sein können.
Für die Dauer die er Zeit sind Heizmittel aber nicht vorrätig.
So steht denn zu erwarten, dass die schlierigsten Tage im März
und April einsetzen werden. Wenn die Bolschewiki behaupten, es
wäre ihnen gelungen, im Januar 44% der erforderlichen Heizmittel
zu beschaffen, so kann heute von einer regelrechten Beschaffung
überhaupt nicht die Rede sein. Ebenso verhält es sich mit den
Kohlen. Die Brotration der Kohlenarbeiter im Donezbassin ist auf
1/8 Pfund herabgesetzt worden. Wie sollte bei einer solchen Rati-
on nicht eine jede Arbeit zum Stillstand kommen! Auchliegen Mel-
dungen vor, dass sich die Arbeiter in Donezbassin im Aufstand
gegen die Sowjetregierung befinden.
Noch schlimmer steht es mit der Lebensmittelversorgung. Im
Februar und März hätten die Bolschewiki 220 Millionen Pud Saat-
korn zur Verteilung bringen müssen, um mit der Frühjahrssaat
zurecht zu kommen. Indessen konnten im Februar nur 300 000 Pud
zur Verteilung gebracht werden. Die letzten Ereignisse haben die
Verteilungspläne endgültig über den Haufen geworfen und Russland
ist von einem Hunger bedroht, wie er selten auch in diesem Lande
vorgekommen sein dürfte. Auch steht eine weitere Zerrütung des
Transportwesens zu erwarten. Daher dürfte es der Sowjetregierung
schwer halten, ihre befestigten Positionen in der Provinz zu wahr-
ren. Wird die rote Armee nicht hinreichend versorgt, so erhält
ohne Weiteres, dass auch sie zerfallen wird, was wiederum zum
Sturz der Sowjetregierung wesentlich beitragen muss. Die Meldun-
gen mehren sich, dass Soldaten der Roten Armee als Bettler in
Petersburg herumlungen.
VII. Verfall der kommunistischen Partei.
Alle kommunistischen Gruppen sind sich darin einig, dass
die gegenwärtige Lage unhaltbar ist, und dass es notwendig wäre,
die innere Politik neu zu ordnen. Trotzki sagt: "Die besten Ar-
beiter sind sich darüber klar, dass ein Wandel in der Lage ge-
schaffen werden müsse." Bereits im Herbst des vergangenen Jahres
machte sich die Krise innerhalb der Partei bemerkbar. Zunächst
regte sich eine Opposition in den breiteren Parteischichten
gegen die Leitung, auch wurde der bürokratische Apparat der Sow-
jetregierung in der Provinz und den Centren einer scharfen Kritik
unterzogen. Man redete von einer Revision der Sowjetverfassung,
man kritisierte die rote Armee, man verlangte Konzeptionen. Nun
aber werden die Angriffe auch gegen das kommunistische System geri-
chtet, und gegen die praktischen Verwaltungsmethoden. Die Kom-
munistenpartei ist in 3Gruppen zerfallen: die rechte, das Centrm
die äusserste Linke. Ausser diesen Gruppen gibt es noch eine Rei-
he von kleineren Einzelgruppen. Die Rechten Gruppen:
Arbeiteropposition (Schljapnikow), demokratisches Centrum (Ossins
ki, Sapronow);Gruppe Busharin (Bucharin, Larin, Preobraschenski,
Sokolajew). Diese Gruppen sind der Ansicht, dass die obersten
Sowjetinstanzen nicht instande sind, den gestellten Anforderun-
gen zu genügen; sie verlangen eine Syndikalisierung des Staates,
eine ungehende Übergabe des Reichs-Wirtschaftsapparates in die
Hände der Gewerkschaftsverbände. Ferner verlangen sie Wählarbeit,
sowohl für die untersten wie für die obersten Stellen, Rede-und
Gesinnungsfreiheit. Man kann wohl sagen, dass diese Strömung die
Stimmung weitaus der grössten Masse der Partei und vieler partei-
loser Arbeiter entspricht. Lenin hält die rechte Opposition für
prinzipieloses Demagogentum, dass " gefährlich werden könne". Für
Lenin und Trotzki würde ein Eingehen auf die Forderungen der Rech-
ten gleichbedeutend sein mit dem Geständnis , dass das Sowjetre-
gime bankrott gemacht habe und wohl auch mit einem Verzicht auf
die Diktatur der Partei. Wenn die Gewerkschaftsorganisationen, d.
h. die Arbeiter, die sich zu 90% aus parteilosen zusammensetzen,
die Führung des Wirtschaftsapparates übernehmen, wozu wäre dann
die Partei nütze, schreibt Lenin. Das entgegengesetzte Extrem
steht, vertreten. Trotzki verlangt die völlige Militarisierung
der gesamten Industrie und Auflösung jeder Arbeiterselbstverwal-
tung. Ferner unbeschränkte Diktatur der Partei, Anwendung aller
Methoden, die Arbeiter zur Arbeit zu nötigen, eine zu äusserst
streng durchgeführte Disziplin hinsichtlich der Massen. Trotzki
Gruppe ist sehr wenig zahlreich und nur im sogen. kommunisti-
schen Olymp hat er sich Parteigänger gefunden. Lenin und Sinowjew
sind darauf aus, die Einheit der Partei nach Kräften zu wahren,
und oefolgen eine oportunistische Kompromistaktik.Dank der aus-
serordentlichen Autorität Lenins innerhalb der Partei hat er sich
bisher immer durchzusetzen verstanden. Allein die letzten Ereig-
nisse forderten verschiedene Massnahmen, forderten militärische
Eingriffe, und da rückte Trotzki wieder vor. Schliesslich würde
ein Sieg Trotzkis zur Militärdiktatur führen, die aber nur dazu
da sein könnte, den Zerfall der Partei zu beschleunigen.
Im Ganzen hat es den Anschein, dass die Bolschewiki in
einen verzauberten Kreis geraten sind, aus dem sie nicht mehr
herausfinden können; die Mittel, die von Schljapnikow und Bucha-
rin in Vorschlag gebracht werden, wären für den Kommunismus mit
Selbstmord gleichbedeutend, während Trotzkis Methoden nur dahin
führen dürften, die Zersetzung der Partei und des Staatswesens
nur noch zu beschleunigen. Beleuchtet wird die Situation im
Privatbrief eines hervorragenden Kommunisten,der die Lage etwa
folgendermassen charakterisiert: " Wir sitzen auf einem Pulver-
fass und können jeden Augenblick in die Luft fliegen." Seit dem
Januar hat sich die Lage der Sowjetpartei und der C.K. zuzässerst
zugespitzt. Die Konflikte fanden damit ihren Abschluss, dass
Krylenko, Bontsch-Brushewitsch, Blumenthal aus der Partei ausge-
schlossen wurden. "Auch die Beziehungen der bolschewistischen
Führer untereinander haben sich wesentlich zugespitzt. So hat
Sinowjew Lomov verdächtigt, Trotzki kämpft gegen Sykow an und
wiederum sorgt man dafür, dass Trotzki in der Presse nicht zu
Worte kommt; hingegen fallen dessen Anhänger über die sogen.
Leninisten her, wobei es natürlich an Verleumdung und Entstellung
von Tatsachen nicht fehlt. Lenin seinerseits donnert gegen Trotz-
ki und Bucharin und klagt sie der politischen Taktlosigkeit an.
Er wundert sich über die Unmenge Fehler, die Trotzki begeht und
vergleicht Bucharin mit einem Menschen, der einen Brand mit Petro
leum löschen will. Die offiziösen Organe der Sow.Reg. reden recht
aufgeregt davon, dass viele Mitglieder der Partei austreten. So
sind in Petersburg im Verlauf eines Monats 3 000 Mitglieder aus
der Partei ausgetreten und dabei handelte es sich um die zuver-
lässigsten Elemente, nämlich um Matrosen und Letten. Auf Grund
sorgfältig geprüfter Nachrichten halten die bolschew. Spitzführer
es für notwendig, dass zur Förderung der Weltrevolution sowohl
im Inn- als auch im Auslande die sogen. Oktoberisten d.h. die al-
ten erprobten Parteimitglieder der Partei erhalten werden müssen
Gegebenenfalls wird man diesen Stamm des Bolschewismus nach Reval
und Kowno evakuieren. Auch sind Mas-nahmen getroffen worden, um
diese Evakuation materiell sicher zu stellen. Zu diesem Zweck hat
die Sow. Reg. einen eisernen Fond zur Verfügung. Ende Februar
wurde angeordnet, 2/3 dieses Fonds an Bogotzki, den Sowjetvertre-
ter in der Schweiz überzuführen,mit dem Auftrag, das Geld in
südamerikanischer Voluta anzulegen. Ferner wurde angeordnet die
- 7 -
Depots in den Auslandsbanken und Safes aufzulösen und privaten
zuverlässigen Händen anzuvertrauen. Eine Evakuierung der Familien-
angehörigen der Okto bristen nach Reval hat bereits am 8.Februar
begonnen. Die grosse Masse der Bolschewiki hingegen beabsichtigt,
über Turkestan nach Indien zu gehen, zu welchem Zweck in Turkestan
umfassende Vorbereitungen getroffen werden. Es sollen dort bereits
5 Kav. und 8 Infant.Div. zusammengezogen worden sein. Gleichzeitig
ist der bolschew. N.D. bemüht, die Wege nach Indien hin (über den
Hindukusch) zu erforschen. Das tut der Kommissar für Ostangelegen-
heiten Stalin,der sich in Kabul aufhält, wo bereits eine Kav.Div.
aufgestellt ist; auch eine Funkstation ist dort eröffnet worden.
Alles hier angeführte weist deutlich darauf hin, dass sich die
Sow.Reg. nicht wieder wird aufraffen können und für Russland be-
ginnt eine neue Periode seiner historischen Entwicklung.
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№ 154
DRAHTLOSE NACHRICHTEN .
Die Note des Vorsitzenden des ukrainischen Rates der
Volkskommissare Rakowski an den polnischen Minister für
auswärtige Angelegenheiten.
Von Moskau 1 an Alle . 10.4. - 4.30 nachm. (russ. Klartext).
Die ukrainische Regierung konstatiert, dass
seitens der polnischen Republik nicht die nöti-
gen Massnahmen zur Durchführung des 2.Punktes
des Vertrages getroffen worden sind. In diesem
Punkte heisst es, dass beide vertragsschliessen-
den Teile keine feindlichen Organisationen auf
ihrem Gebiete dulden. Auf polnischem Territori-
um in Tarnow befindet sich eine offizielle Orga-
nisation, welche sich "Regierung der ukraini-
schen Volksrepublik" benennt, ihr eigenes Mini-
sterkabinett hat, sowie auch ein eigenes Parla-
ment.
Die polnische Regierung hat dieser Ver -
schwörungsorganisation in liebenswürdigster Wei-
se den Telegraph zur Verfügung gestellt, duro..
welchen das sogenannte ukrainische Pressebüro
täglich viele boshafte verleumderische Telegram-
me über die ukrainische Regierung verbreitet,
die doch Frieden mit Polen geschlossen hat. Die
polnische Presse berichtet täglich über die Tä-
tigkeit dieser sonderbaren Regierung, die weder
Land noch Macht hat und nur dank der Unterstüt-
zung der polnischen Regierung besteht. Die u-
krainische Regierung hat Beweise dafür in den
Händen, dass auf dem polnischen Territorium
Banden organisiert werden, die auf ukrainisches
Gebiet geworfen worden sollen, um Plünderungen,
Brandschatzungen, Progrome und Morde von Räte-
beuten und Rotgardisten zu organisieren, um
Brücken und Bahnstrecken zu sprengen und um an-
dere aufrührerische Taten zu verüben, die gegen
die Arbeiter und Bauern der Ukraine, gegen ihre
friedliche und aufbauende Arbeit gerichtet sind.
Die ukrainische Räteregierung protestiert gegen
diese Unterstützungen und ist überzeugt, dass
- 2 -
die polnische Regierung der Tarnower Regierung und allen ihren bürgerlichen und militärischen Organisationen ein Ende bereiten wird.
Von Rige an Berlin . 17.4. ( rus . Klart. ) - Drahtspruch.
(392).
An den russischen Vertreter Kopp
in Berlin .
Übermittelte ein Telegramm aus Moskau:
„Auf Grund des abgeschlossenen Ueber-
einkommens schickt die ukrainische Regierung
nach Prag und Wien in Bestände unserer Missionen
ihr Mitglied für die Angelegenheiten der ukrai-
nischen Gefangenen, Michael Wassiljewitsch
Lewitzkij und seinen Sekretär Parfen Iwanowitsc
Gerassimow. Oesterreichisches und tschechisches
Visum haben sie.
In Riga fanden Verhandlungen über
ihre Durchreise durch Polen statt, aber trotz-
dem die Frage prinzipiell im günstigen Sinne
gelöst wurde, verzögert sich die Erteilung der
Erlaubnis jetzt ist aber die beschleunigte Ab-
reise nötig.
Angesichts der zwischen Deutschland
und der Ukraine sich anbahnenden Verhandlungen
(?) bitte ich bei der deutschen Regierung die
Erlaubnis zur Durchreise auszuwirken und das
Resultat zu telegraphieren.
Stellvertreter des Geschäftsführers,
K I R O W. 2
Der Rat der Volkskommissare der
Ukraine hat ein Dekret über die Naturalprärien
für die Arbeiter der hauptsächlichsten Industri-
ezweige veröffentlicht, in welchem den Arbeitern
ein Teil der Früchte ihrer Arbeit zugesprochen
wird, um dieselben gegen landwirtschaftliche
Produkte umtauschen zu können. Dieser Tausch
wird nach einem gewissen Muster vorsichgehen.
Der Rat der Volkskommissare der
Ukraine hat bestimmt, dass die Kultivierung der
roten Rüben durch die Bauern frei nach ihren
abgeschlossenen Verträgen mit den Zuckerraffi-
nerien zu geschehen hat. Die Pflanzungen sind
von jeder Steuerauflegung frei.
Ich erfahre aus einer ausgezeichnet informierten Quelle folgendes:
Die Aufstände in der Ukraine dauern an. Die Situation der Bolschewisten in der Ukraine ist sehr schwach. In den leitenden Kreisen der bolschewistischen Regierung trägt man sich sogar mit dem Gedanken, im Interesse des bolschewistischen Regimes und der "Reformen", die nur im "Frieden" ausgeführt werden können, die Hände von der Ukraine wegzu nehmen. Allerdings würde das, wie zuversichtlich zu erwarten ist, nicht ohne erbitterte Kämpfe vor sich gehen, denn die bolschewistische Regierung würde sich doch nicht die Blamage eines freiwilligen Verzichts auf die Ukraine zuziehen wollen. Jedenfalls rechnet man in den leitenden deutschen Kreisen mit der Möglichkeit einer grossen Umwälzung in der Ukraine innerhalb der nächsten Monate oder sogar Wochen. Man erwägt schon die Frage, wer denn in der Ukraine die Regierungsmacht ergreifen würde. Eine Gruppe der einflussreichsten deutschen Politiker ist für Petljura gestimmt, weil Petljura sozusagen den Apparat der Regierungsmacht hat: Eine Art Regierung und eine Art Parlament in Tarnow, auch eine Art Armee, die scheinbar von den Polen inter- niert ist, deren Lage und Stärke aber nicht genau festzustellen ist. Eine andere Gruppe der deutschen massgebenden Politiker ist geneigt, dahin zu wirken, dass in der Ukraine das Regime Skoropadskis wieder eingeführt werde. Nicht Skoropadski selbst soll wieder berufen werden, die Regierungsmacht in der Ukraine zu ergreifen, sondern nur sein Regime, das teilweise ein Werk der deutschen Diplomatie und der deutschen Obersten Heeresleitung gewesen war, soll wieder in der Ukraine aufblühen. Diese Idee wird besonders stark von Stinnes und seiner Gruppe verfochten, und da das Regime Skoropadskis noch immer mit seinem Namen eng verknüpft wird, wird Skoropaskij selbst von dieser Gruppe unterstützt und materiell versorgt. Man will in informierten Kreisen wissen, dass Skoropadkij von Stinnes vor Kurzem beträchtliche Mittel für seine Propaganda und für Unterhaltung eines Kerns seiner Anhänger erhalten hat, wo- bei Skoropadskij seine eigenen Häuser, Güter und andere Immobilien als Sicherheitspfand verschreiben musste. Übrigens arbeitet die finanzielle Situation der künftigen Regierung in der Ukraine schon jetzt eine grosse Rolle. In Deutschland sind 500 Millionen deutsche Mark von der Regierung Skoropadskis deponiert worden, dieses Geld gehört juristisch dem ukrainischen Staate und wurde bisher nicht angetastet. Von den Stellen, wo das Geld deponiert ist, wird nicht bestritten, dass das Geld dem gesetzmässigen Repräsentanten des ukrainischen Staates ausgeliefert werden muss, für den Fall aber, dass Petljura an der Spitze der künftigen ukrainischen Regierung stehen würde, muss die Frage erhoben werden, ob er als gesetzmässiger Repräsentant des Staates Ukraine betrachtet werden darf nach den Ereignissen der letzten zwei Jahre. Ausserdem ist es doch hier genug bekannt, dass die Armee Petljuras von der polnischen Regierung unterhalten worden war, die monatlich Petljura leihweise 30 Millionen polnische Mark gegeben hat. Nach der Schätzung in Berliner informierten Kreisen ist die Schuld Petljuras an den polnischen Staat etwa 7 Milliarden polnische Mark was nach dem jetzigen Kurse gerade die 500 deutsche Mark ausmachen würde, die hier deponiert sind. Sollte Petljura das Geld erhalten, würde doch die polnische Regierung es mit Beschlag belegen oder sogar mit Gewalt an sich nehmen, auch könnte man annehmen, dass Polen Konzessionen machen und sich vorläufig nur mit einem Teile dieses Geldes begnügen werde. Jedenfalls hat man in Berlin keine grosse Lust durch die Herausgabe dieses Geldes Polen und die jetzige polnische Regierung zu unterstützen. Ausserdem
- 2 -
muss hier betont werden, dass man hier nicht ganz zuverlässig daran glaubt, dass die Regierung Petljuras sich lange halten würde, denn während letzter zwei Jahre sind wohl in der Ukraine grosse Verschiebungen in den politischen Sympathien der dortigen Bevölkerung entstanden und bei der Bildung der neuen Regierung kann entweder die Regierung Petljuras nur die Rolle einer Nebenregierung in Tarnow spielen oder sogar von vornherein ausgeschaltet werden. Jedenfalls können grössere Überraschungen vor kommen, wie es in Tarnow angenommen wird, aber auch die Rückkehr zum Regime Skoropadskis ist nicht sicher
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№ 158
ТУРЦІЯ І РАДЯНСЬКА РОСІЯ.
I. Кемалісти большевики і Англія.
II. Зводка військової і політичної розвідки Трансазондсь-
кого району.
Відносини між Сольшевиками і кемалістами за останні ча-
си значно зіпсувались. По таємним, але не перевіреним відомостям
в серпні між Совєтською Росією та Ангорським урядом було заклю-
чено таємний договір слідуючого змісту:
1) Совєтська Росія забезпечує незалежність і територі-
альну недоторканість Турції.
2) Совєтська Росія визнає що населені Турками терито-
рії ніяким чином не можуть бути експропрійовані від Турецької
Держави.
3) Совєтська Росія апробує дарування волі і незалежнос-
ті Арабському населенню Сирії, Месопотамії та Аравії.
4) Совєтська Росія гарантує анексію до Турції відходя-
чих до неї по берестейському миру Санджаків Карського, Ардаган-
ського і Батумського, а також задержання Турцією східних т.зв.
армянських вілаетів Фракії і взагалі всіх безперечно турецьких
територій.
5) Совєтська Росія зобов'язується установити на Чорному
Морі рівноправність для плавання кораблів всіх націй.
6) Совєтська Росія зобов'язується добитись знищення ка-
пітуляційного режиму в Турції.
7) Совєтська Росія буде робити опір розділу Турції на
зони економічного впливу і різних завойовничих планів проти Тур-
ції.
8) Росія дасть Турції допомогу для полагодження справ
між Турцією з одного боку та Персією чи Арменією з другого боку.
Зі свого боку Ангорський уряд зобов'язався:
1) Продовжувати військову акцію в Месопотамії проти
Англійців до їх відходу звідти і на випадок потреби дочекатись
- 2 -
підходу Червоної Армії, щоб разом з нею витіснити Англійців з Месопотамії.
2) Витіснити Турецьку армію з побережжя Марморового моря, а також зайняти взятські береги Дарданелів та Босфору, при чому Червона Армія повинна була, наступаючи через Румунію та Болгарію зайняти європейське побережжя заток.
По ратифікації договорів совєтська Росія дала Кемалістам позичку в 6 мільйонів турецьких лір золотом.
Одначе наслідки договору не цілком задовольнили ні ту ні інчу сторону. Кемалісти не були в стані вести значний наступ ні проти англійців, ні проти Греків, а від пропозиції по- мочи совєтським арміям вони під різними претестами відмовлялись.
З другого боку большевики насаджували комунізм серед мусліман Азербейджану і взагалі на Кавказі, а Мустафа-Кемаль таємно підтримував анти-большевицький рух.
Делкі з його агентів були арештовані в Дагестані, а недавно в Нахичевані, армене затримали офіцерів-Кемалістів, котрі з великими грішми пробирались до Азербейджану для того щоб підняти там повстання проти большевиків.
З приводу Арменії Чичерін в січні телеграфував Кемаль-Паші з проханням, щоб турецькі війська очистили Александрополь і східну і північну частину Карської області, а також щоб Турки відмовились від вимоги розброєння армян. Але Мухтар-Бей ангорський міністр закордонних справ, заявив, що коли армяне цілі большевики то ім непотрібна зброя, якщо ні, то Турки повинні забрати у них зброю, щоб забезпечити себе від нападу.
Хоч Чичерін в своїй телеграмі в початку лютого до Мухтар-Бей, опублікованій в ангорських газетах заявив, що з боку Росії не має перешкод для заключення миру з державами Антанти, але ледве, щоб ця заява була цира, тим більш, що він все ж таки радив вимагати до переговорів очищення турецької території від чужоземних військ.
Останні часи Кемаль-Паша отверто висловився проти можливості введення комунізму в Анатолії і настав на припинення діяльності місцевих комуністичних партій. В цьому ж напрямі
- 3 -
став писати і Ангорський офіціоз "Існі Гон", котрий перше доказував, що сольшевизм цілком підходить до Мусульманства.
Одночасно з цим населення в Східній Анатолії стало вороже ставитись до большевиків. В лютому з Баку до Анатолії прибула большевицька делегація з Мустафа-Субхі на чолі, але ні в Ерзерумі, ні в Байбурті населення не захотило їй прийняти, а в Трапезунту вона була навіть вислана до Новоросійську.
З другого боку держави Антанти змінили свою політику і стартлись притягти на свій бік Мустафа-Кемаль, обіцюючи перегляд Севрської трактату і полежності Турції.
Можна думати, що після наступу, початого большевиками 12 лютого проти Грузії, Англія зробиться це магче відносно Кемаля-Паші, бажаючи одірвати його од большевиків.
З другого боку своїми заявами проти султана і приведенням в ангорському парламенті нової конституції, котрою у султана відбирається всі "його прерогативи", Мустафа-Кемаль викликав розкол в самому Народному зібранні (парламенті) і поставив проти себе багатьох Турків; навіть делкі Кемалісти думают, що ця конституція повинна мати лише тимчасовий характер і оправдують її тим, що тепер султан є наче б то в полоні. По питанню про нову конституцію з Мустафа-Кемаль непорозумівся з головою парламенту Джелал-Еддін-Аріфом, який навіть залишив свої посаду. Таким чином це ослаблення престижу Кемаля-Паші примушує йти за зустріч Державам Антанти.
Всі згадані причини привели Кемаля-Пашу до згоди з державами Антанти і непорозуміння з большевиками. Одначе останні по таємним відомостям 14 днів тому назад прислали Ангорському урядові пропозицію про участь Червоної Армії в боротьбі проти чужинців в Анатолії. Ця пропозиція обсуджувалась в закритому засіданні Народнього зібрання і по бурхливих суперечках Зібрання в принципі постановило прийняти цю пропозицію, але з обмеженнями і вичикальни постанову Льондонської Конференції.
Арабські землі.
Становище Англійців в арабських землях також уявляє собою великі труднощі. По відомостям з Ангори уряд Імена-Імаль-
- 4 -
Яха зєднався з арабськими шейхами Ібі-Решид та Ібі-Сауд, володарями Центральної Аравії і розбив війська Мекського Шерифу і короля Хаджаза Хусейна, причому в руки Імана Яха попало до 3 мільонів англійських фунтів, виданих Шерифу Хусейнові на військові видатки. Сили Арабів досягать по чутках до 50.000 душ і вони без сумніву стоять в зв'язку з Кемалістами.
В той самий час кемалісти розбили Англійців біля Дейр-Зор, де Англійці втратили до 100 душ убитими і раненими. Становище Англійців у Месопотамії також зле. "Таймс" пише про необхідність очистити Месопотамію, передати владу місцевому урядові. Як відомо, Англія хоче утворити в Азії напів-незалежні держави в Месопотамії та Курдистані, щоб мати в них опору для Індії. Але Кемалісти, опираючись на ідеї панісламізму, не без успіху підбурюють населення цих країн проти Англії так, що в результаті вони можуть звитися не оборонною, а небезпекою для Індії.
Фінансові труднощі Турції.
В самому Константинополі турецький кабінет й далі плутається серед фінансових труднощів. Саме тепер він веде переговори з Режі відносно грошей, котрі надлежать урядові від цього товариства. По зведенню взаємних розрахунків Режі визнає цей борг на суму 2 міл. двісті тисяч турецьких лір. Одначе, остаточна угода налагоджується з великими труднощами і турецькі міністри приписують це натисковій на Режі Англією і Францією.
Турецький уряд вже кілька раз робив представлення головним Комісарам відносно фінансової допомоги Турції, але, як залив на засіданні Ради Міністрів 18-того лютого Міністр Закордонних Справ Сефай-Вей, головні Комісари не слухають його заяв, хоч би навіть з вичливості. Військовий Міністр Зіл Бей звернув при цьому увагу Ради на те, що в Константинополі є коло 10.000 офіцерів і що невиплата належних їм грошей може навіть довести до розрухів.
II. Зводка військової і політич-
- 5 -
ної розвідки Трапезондського району.
Агент, котрий повернувся з Трапезонду 2-го цього бе-
резня, привіз слідуючі данні:
А) О зброєні сили Кемалістів.
В районі котрий обслідувано, установлено присутність
слідуючих військових частин:
Трапезонд:
а) Штаб 3-їй піхот.Дівізії: нач.див.Кайманам Нуррі-
Бей; начальник штаду мз-баші,Зиакки-Бей; дівізія входить в
склад У-го корпусу (кон.кор.Риза-Вей,котрий заступив Халід-Вел)
штакор в Байбурті; в штабі дівізії немає ні одного офіцера ту-
рецького генерального штабу; при штабі дівізії інструктором
артилерії є полковник нінецького генерального штабу фон Рейман
б) 7-ий піхот.полк; комполка из баші Шукри-Вей.
в) 2 триймові батареї,
4 орудійного складу.
г) решта частин 3 піхот.дивізії (розміщені в 1 1/2 -
1 3/4 верст.від Трапезонду в Судж-Су).Крім вищезгаданих і нице-
наведених,пересунутих до Артвинського та Ардаванського округу
та Батумської області,
Ризе:
д) два батальони 6-го піхот.полку,
е) одна батарея на чотирі гармати.
ж) коло 3000 чол.четників (ірдаме) по суті складають
групу обєднаних дезертирів,розбійників і невеликого кадру ква-
ліфікованих четників з аджарців та лазів.
Хопе:
з) один батальон 6-го і один бат.7-го піх.полку по
дорозі до кордону Батумської області;
і) одна батарея на чотирі гармати;
Атіне:
к) один батальон (невідом.полку)
Сурмене:
л) теж.
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Перегрупування частин У-го корпусу, котре очевидно цілком змінило означені вище данні що до дієльокації, почалось 25 лютого, коли з Трапезунду і Різе були перекинуті до Архаве і Хопе по одному батальйону 6-го і 7-го піх. полків, а до Різе направлені слідуючі ешелони з боку Трапезунду; в той самий час до Трапезунду прибуло 2 батал.піх.(невідом.полку) з Бай-бурту, наче б то на зміну частинам котрі виходять з Трапезунду.
Перекинення війська до грузинського кордону робилося почasti морем на мобілізованих (тимчасово) моторах та фель-гах в мехах від Трапезунду до Хопе, а далі - походом. Морем перевозилась виключно піхота, перевезення артилерії не було уста- новлено.
Нізніще було установлено сконцентрування всіх еше- лонів від ст.Борчха і перехід через цю станцію та ст.Марадиди в Артвін, зайнятий з початку окупації тільки невеликим відді- лом жандармерії зі складу 3-го жандармск.(6.6 погранична бри- гада) корпусу. 27 лютого було установлено що в мотор котрий ві- діймов до Архаве погружено більше 20 кулеметів.
Таким чином треба думати, що 2-га і 3-тя піхот.диві- зії вийшли 10 березня до Артвинської та Ардаанської округи, та до Батумської області без артилерії.
Коло 12 лютого була переведена мобілізація 1888-1896 року; дезертирство було переважно серед солдатів старих термі- нів служби, котрі брали участь в війні 1914-1917 р.р.
В полках 3-ої дивізії установлено пересично 1200 ба- гнетів; до моменту окупації згаданих округів, коли мобілізова- ні вже були взяті в кадрові частини, в 3-й дивізії було коло 7-8 тисяч багнетів.
Одягнені солдати досять добре; обмундирування пере- важно англійського ввірця; штани - здаєні; взуття- шкуратане, або воєзні ноговиці та чусти. Офіцери одягнені добре, часом на- віть чепурно; еполетів офіцери кемалістських військ не носять, і їх побачити можна лише у офіцерів що приїздять з Константи- нополя.
Харчування солдатів досяить добре; на добу вони діста- ють одну гарячу страву а мною; харчування взагалі краще ніж
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в грузинській армії,хліба видається "ісока" на день на душу.
В Сочі-Су є склад потронів; великих артилерійських
запасів немає; останній раз потрони було привезено з Туапсе, в
січні, на двох пароплавах.
Платна офіцерам видається точніше нім в старій турець-
кій армії.Платня: Кайманам - 80 лір,бін-баші - 50 лір,вз-баші -
30 лір та різні дрібні додатки.
Т е х н і ч н і з а с о б и : В Трапезунді,при шта-
сі 3-ої дивізії є один легковий і чотири грузових автомобілів;
гарах в злому становищі,почасти через відсутність турецьких
спеціялістів,легковим автомобілем керує російський офіцер.
Між Трапезундом і Хопе телеграфна і телефонна сітка
в шість проводів,з них пять - старої,російської кладки,а один
турецький.
В Сочі-Су установлена раділ-станція,привезена з Со-
вітської Росії,і стоїть під доглядом Трапезундського совітсько-
го віце-консульства; по силі вона розрахована на працю з совіт-
ськими радіо-станціями Чорноморського побережжя; станцією керує
совітськ. радіо-спеціаліст Лавринович; по згоді з турецькою
владою керування станцією в руках совітськ.консульства і на його
кошти,але під турецьким контролем.
П л а х и : Грунтові шляхи від Трапезунда до Байбурта
і Ангори особливо в погану дощову погоду в дуже недоброму стані
і мало придатні до автомобільного руху,моста справні.
Посе,пропожене інженерним відомством бувшої російсь-
кої Кавказкій від Трапезунту до Батуму є у виключно злому/стані
На цілому протязі його лежать нерозчищені завали/обвали,а глибокі
колії в дощову погоду наповнюються напролазною бризькою(гли-
настий ґрунт),мости попсувались,подекуди замісць них збудовано
звичайні кладки на одну-дві дошки.Для кавалерії,артилерії та
обозів це посе ділком не придатне.
В.Значіння і вплив Кемаль-
Паші і Ангорського уряду.
Ім'я Кемаль-Паші не тільки популярне у всіх верствах
населення,але і настільки авторитетне,що навіть звичайно непо-
- 8 -
корні законному порядку, четинки і ігдаме сліпо слухаються всіх розпоряджень цього турецького Гарісальді. Агент виніс таке вра- ження після місячного перебування в Трапезунтському окрузі, що к кореспонденції, які зв'язались торік в закавказькій а потім і в європейській пресі про неприхильне ніби то відношення делких верств населення до Кемаль-Паші, не мають під собою ніякого ґрунту і збудовані на вийняткових випадках коли кемалістські війська ухилялися від мобілізації. Далеко менш популярний, хоч, бу- одначе без ворожого до себе відношення, Уряд Великого Національ- ного Зібрання і саме воно, з тої причини, що в голові Турка, який досі живе по паріату, слабо фіксується думка про колегі- альний орган управління. Нікого фактичного і внутрішнього не- порозуміння між Кемаль-Пашою та султаном Турки собі не уявля- ють, а в обох бачуть доповнення одного другим в праці над одною і тою самою релігійно-національною справою.
Відношення Турків до Росіян.
Досліди агента це раз потвердили установленнй факт прихильного відношення Турків до Росіяни в національному напря- мі. Слідуючий випадок в Трапезунті є характеристичним: в почат- ку січня цього року до Трапезунту прибуло мілька російських- кримських емігрантів (з Константинополя), котрі хотіли пробра- тись до Сєдеппі; один з числа цих людей не зміг, через стан здоров'я, їхати разом з усіма до Туапсе на совітському моторі і лишився в Трапезунті на призволіше. Цілком незнайомий Турок дав притулок цьому хорону емігрантові і карчував його цілий місць дарчи разом з тим по 1/2-1 лірі на щоденні видатки, аж поки той не вирукав і не поїхав до Туапсе.
В.Большевики на анатолійсь- кому побережжю, взаємовід- носини їх з Кемалістами і відношення Турків до ко- мунізму.
Останні агентурні досліди цілковито потвердили попе- редні відомості про те, що Кемалісти обмежили до найбільшої мо- жливости не тільки кількість різних комуністичних урядовців офіційних совєтських установ, але обмежили всю діяльність Тра-
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пезунтського віце-консульства Р.С.Ф.С.Р. відповідно консультсь-
кому уставу.Урядовців у консульстві 11 дум.В минулому році в
Трапезунті була комуністична розвідка на чолі з анархістом Са-
бліним,котрий ще в кінці того ж року одночасно з ліквідацією
в Грузії "Розвідки Сходу",з котрою він стояв у звязку,а до січ-
ня цього року там же оперували комуністичні групи Данилова та
Смірнова,які нині вернулись до Совдепії.
Віце-консулом Р.С.Ф.С.Р. в Трапезунті є Багиров.Дел-
кі відомості про цю особу взяті з перехопленого грузинською
контррозвідкою в лютому ч.р. відношення Багирова на імя Батум-
ського консула Зверева,в котроїу він сповіщає,що був в Ангорі,
виконуючи особливо секретне доручення особливого відділу,звид-
ки вернувся до Трапезунту з 1000 лір і дістав посаду віце-кон-
сула; він "служає Академії Генерального Штабу"; просить у Зве-
рева додаткових коштів для улаштування харчевого пункту для
"Врангельських дезертирів" з Константинополя до відізду їх у
Совдепію.
Призначення Багирова віце-консулом сталося з огляду
на те,що діяльність попереднього консула (Рослянин) була цілком
безплодна і комісаріят Чужоземних справ Р.С.Ф.С.Р.сподівався
на більшу плодотворність праці Багирова,як мусульманина серед
мусульманів.Одначе центр помилився в особі Багирова.Офіціальні
турецькі установи ставляться до консульства тільки стримано,а
народні маси,громадянські кола та інтелігенція – вороже.Коли
Багирову й частить притягти до співробітництва кого небудь з
місцевих мусульманів,то влада зараз находить претекст до його
арешту або висилки та ізолявання від дальших відносин з кому-
ністами,не давши про те ніколи зрозуміти,що це сталося через
знайомство з консульством або комуністами.
Завідуючий Інформвідділом віце-консульства є Астахов
Консультським агентом в Самсуні – Владимир,помічником Астахо-
ва – Дет; в кон.И.М.Ізвачатирадзе завідуючий військово-морським
відділом,котрий вихав до Батуму,до початку військової акції
між Совдепією та Грузією,був арештований грузинською владою і
разом з урядовцями Батумського консульства відправлений в Кута-
ївську тюрму 20-го лютого.
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Як вже було згадано, влада робить скрізь непомітні перешкоди комуністичній діяльності. Так і пр. співробітники комуністичної групи (Данилов і Смирнов), котрі займали готель "Візантіон" в Трапезунті, були виселені звідти під претекстом прохання власника готелю.
Далі по наказу з Ангори, місцева влада позбавила консульство кредиту, більша частина якого йшла на пропаганду; почас-ти через це Данилов і Смирнов зі своїми співробітниками примушенні були залишити Трапезунт.
30-го грудня мин. року на турецькому кораблі "Рустамат" із Самсуна було привезено до Трапезунта 15 турецьких комуністів з Ерзеруму. На берег висипав величезний натовп для зустрічі невиданих гостей: натовп зустрів їх дуже вороже, палицями й камінням; з Трапезунту їх відбив то вивезли до Ангори, але в місті буди чутки що їх розстріляно.
Розглядаючи причини неуспіху комуністичної пропаганди в Анатолії на підставі цілого ряду постійно поступаючих відомостей і наростаючих фактів, можна прийти до висновку, що велику роль при цьому відіграли, помимо таких місцевих причин як опозиція адміністрації, перше те, що мусульманському світогляду цілком чужі гела та ідеали революційного комунізму, друге: поворот додому із Сібіру полонених з війни 1914-17. З початку комуністичної пропаганди з утворенням в Анатолії офіціальних совітських установ, Турки з великою увагою приймали пропаганду і звіст перекладених агіта-ційних брошурок, котрі обіцяли земний рай кожному, хто увірує в комунізм; але, коли з приїздом земляків з такого самого російського ряду, про "припади" котрого безжиттю оповідали/ прибувші, населення безповоротно відсахнулось від комуністів, котрі, надумку Турків хотять улаштувати ради якихось своїх інтересів, такий самий "халапут", який роздає Росія. Особливе враження робить порівнання полоненими Колчаківського Сібіру з большевицьким: поки істнував уряд Верховного Правителя, населенню килюся добре, всього було до-сить, громі мали певну вартість, коли ж завелись большевики, життя різко змінилось на гірше. Ці оповідання очевидців, крім того "свої людей", ніяка пропаганда перенінити не в стані.
Кемалістські кола перемінили своє відношення до больше
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виків з початку січня ц.р. після повороту з Москви Місії Надзви-
чайного Великого Національного Зібрання, доклади котрої, дійшовши
почастки до відома населення, зробили величезне вражіння.З цього
часу Росіянам заборонено виїзд до Анатолії.Суворий догляд за
цим ще більше й більше побільшується.
Остання грошова асигновка з Совдепії доставлена Осман-
Веем. В кінці 1920 р. з Поворосійська і Туапсе привозились до
Трапезунту на турецьких кораблях "Рустамат" і "Гизель" кулемети
рушиці, патрони і т.д. Нових рейсів ці кораблі не робили.В січ-
ні привезено 5-10 тисяч пудів бензину. Бензин і нафту влада ре-
квизувала, з огляду очевидно на припинення доставки цих продукті
I. DIE WAHRHEIT ÜBER KRONSTADT.
(Von General Koslowski).
9. April 1921.
Seit dem 1. Dezember 1920 war ich Chef der Seearterillerie der Festung Kronstadt und bin Augenzeuge und Teilnehmer aller Ereignisse gewesen, welche in der ersten Hälfte des März dort stattgefunden haben Was unter den Matrosen der Festung bis zum 1. März vor sich ging, ist mir so gut wie unbekannt. Ich wusste nur, dass unter den Matrosen Unruhen stattfanden und dass verschiedene Leiter der kommunistischen Partei die Matrosen verächtlich zu stimmen versuchten. Da ich jedoch absolut parteilos war unterließ ich jegliche Versuche, die Motive der Unruhen und die Formen, welche diese Bewegungen annahmen, sowie deren Ziele zu ergründen.
Am 1. März hatte ich die Absicht nach Petersburg zu fahren, um meine Familie zu besuchen, wozu ich schon die Erlaubnis vom Kommandanten erhalten hatte. Ich schob diese Fahrt jedoch um einen Tag auf, da ich eine Versammlung von Matrosen und Rotarmeesoldaten unter Anwesenheit des Vorsitzenden des Exekutivkomitees des Allrussischen Zentralsovjets, Kalinin, beiwohnen wollte. Die Versammlung sollte in der Marine manage stattfinden, es versammelte sich aber eine solche Volksmenge, dass beschlossen wurde, die Versammlung auf dem Ankerplatz abzuhalten, auf welchem immer grössere Massen Rotarmeesoldaten, Matrosen und Stadtbewohner erschienen. Zu Beginn der Versammlung hatte eine Menge von etwa 15 000 Personen versammelt, Kronstadt zählte im Ganzen ungefähr 40 000 Seelen. Kalinin und der Kommissar der Baltischen Flotte, Kusmin, trafen mit grosser Verspätung auf der Versammlung ein. Kalinin bestieg die Tribüne und erklärte, dass er nur zu einer Versammlung von Matrosen und Rotarmeesoldaten gekommen sei, ausserdem könne er wegen seiner Heiserkeit nicht auf offenen Plätzen reden; daher bitte er gegen die Matrosen und Rotarmeesoldaten in die Menge zu kommen. Diese Mitteilung rief einen Proteststurm in der Menge hervor, es wurden Ausrufe laut, wie: "Wenn Du nicht reden kannst, so unterlass es gefälligst" und "Was Du sagen willst, ist uns während drei Jahren schon so oft gesagt worden, dass wir es nicht mehr hören wollen". Es ist verständlich, dass die Volksmenge schon durch diesen Zusammenstoss in Aufruhr gebracht worden war. Die Leiter der Versammlung verstanden jedoch augenscheinlich nicht diese Stimmung der Massen auszunutzen, denn sie liessen den Kommissar der Baltischen Flotte, Kusmin, die Rednertribüne besteigen. Er berichtete mit langsamem Worten alles das, was schon längst durch Zeitungsartikel bekannt war. Ersprach von den kleinen Fehlern, die das Sowjetregime in der Verwaltung des Landes begangen hatte und dank denen der Verfall in der Lebensmittel- und Heiztrotzversorgung sowie im Eisenbahnbetrieb die augenblicklichen trostlosen Formen angenommen hat. Die Menge liess die Rede Kusmins eine halbe Stunde lang gleichgültig über sich ergehen. Bald jedoch wurden immer dringendere Ausrufe laut, die einen
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neuen Redner forderten. Der Lärm erreichte allmählich solch eine
Höhe, dass der Redner verstummen musste. Ungeachtet seiner Hei-
serkeit betrat nun Kellnin die Tribüne, sprach mit ganz norma-
ler Stimme und überredete die Menge, Kusmin die Möglichkeit zu
geben, seine Rede zu beendigen. Die Menge willigte ein. Kusmin
setzte seine Rede fort, doch da sie auch weiterhin ebenso in -
haltlos blieb und kein Rande abzusehen war, wurde er nach 10 Mi-
nuten von neuem unterbrochen. Die Menge forderte, dass jetzt
auch den anderen Rednern Gelegenheit zum Sprechen gegeben wer-
den solle.(Es hatten sich ungefähr 20 Redner zur Tribüne gemel-
det.)
Als einer der folgenden Redner betrat Kellnin die
Tribüne. Er mahnte zur Ruhe, wies darauf hin, dass man der
Sowjetzwelt die Möglichkeit geben müsse, das zerrüttete Wirt-
schaftsleben Sowjetrusslands zu heben und versuchte die Menge
zu überzeugen, dass die Regierung eine Volksregierung und er ei-
n einfacher Arbeiter sei, der den Verleumdern nicht glaubt, hinte-
deren Rücken sich die Sozialrevolutionäre und zarischen General-
verborgen halten. Auf diese letzten Worte Kallnins wurde geru-
fen:" Ist es denn jetzt besser? Wir haben jetzt Verhaftungen
und Erschießungen ohne vorherige Aburteilung. Wir haben genug
von solch einem Leben". Als Kellnin den Versuch machte, seine
Rede fortzusetzen, wurde er durch den Lärm der Menge gezwungen,
die Tribüne zu verlassen.
Die Bedeutungsvollste Rede in Bezug auf die weitere Ent-
wicklung der Ereignisse war diejenige des Seemans Perepelkin,
welcher die Resolutionen der 1. und 2. Brigade der Linienschiffe
veröffentlicht und durch Handheben für die zu stimmen vorschlug.
Die gesamte Menge, mit Ausnahme der Kommunisten, hob die Hände;
auf diese Weise war die Resolution fast einstimmig angenommen
worden. Sie enthielt folgende Punkte: 1) Geheime Abstimmung
beiden Wahlen in die Sowjets, 2) keine Partei hat das Recht,
eine privilegierte Stellung einzunehmen und von der Regierung
Geldunterstützungen für schriftliche oder mündliche Propaganda
entgegenzunehmen. 3) Freiheit des Wortes, der Versammlung und
der Fortbewegung, 4) Freie Entwicklung der Handindustrie, 5) da
Recht der Bauern frei über ihr Land und ihre Produkte zu verfü-
gen, 6) Neuwahlen in den Kronstädter Sowjets. Im ganzen waren
es 14 Punkte, die übrigen sind jedoch von nebensächlicher Bedeu-
tung.
Ich blieb nicht bis zum Schluss der Versammlung und
übernehme es daher nicht, ihren weiteren Verlauf zu schildern,
da ich fürchte, sonst von der Wahrheit abzuweichen.
Am Abend wurde es bekannt, dass die Matrosen den Weg
nach Oranienbaum durch ihre Wache besetzt hatten und niemand
aus Kronstadt herausliessen.
Um die oben erwähnte Resolution tatsächlich durchzufüh-
ren, wurde auf dem Meeting erklärt, dass am Morgen des 2. März in
allen Kommandos der Insel, sowie auch in den Forts allgemeine
Versammlungen stattfinden sollten, auf denen für die Resolution
der Matrosen gestimmt und Delegierte zur Ausarbeitung der Ord-
nung für die Neuwahlen des Kronstädter Sowjets gewählt werden
sollten. Bald darauf erhielt ich Nachrichten, dass die erdrük-
kende Mehrheit der mit unterstellten Truppen sich der Resolu-
tion der Matrosen angeschlossen und Delegierte abgesandt hatte.
Die Versammlung der Delegierten fand im Gebäude der
Ingenieur-Schule statt. Nach Aussagen von Augenzeugen soll die-
se Versammlung äusserst stürmisch verlaufen sein, begleitet von
provokatorischen Auftritten der Kommunisten; z.B. wurde mitge-
teilt, dass sich bewaffnete kommunistische Abteilungen der
Schule näherten. Die Versammlung wurde nach der Ernennung des
Präsidiums der Versammlung zum Temporären Revolutionskomitee
geschlossen.
Nachdem die Versammlung am 1. März stattgefunden hatte
liefen bei mir Forderungen verschiedener kommunistischer Abtei-
lungen über Auslieferung von Gewehren, Patronen und M.G.'s. ein.
Derartige Forderungen wurden auch im Laufe der ganzen Nacht
vom 1. zum 2. März und am 2. März selbst gemacht. Die Anforderun-
gen waren vom Kommissar der Festung, Nowikoff, begleubigt und
wurden daher bedingungslos erfüllt. Alle Mitglieder der kommu-
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nistischen Partei in Kronstadt bewaffneten sich aus irgend einem für mich unverständlichen Grunde.
Die ersten Handlungen des temporären Revolutionskomitees waren folgende: Verhaftung des Kommissars der baltischen Flotte Kusmin, des Vorsitzenden des Kronstädter Sowjets Wassiljew und noch einiger anderer hervorragender Kommunisten; ferner Besetzung verschiedener Gebäude durch Matrosenabteilungen, die bei der Verteidigung der Festung von Bedeutung waren. So begannen am Abend des 2.März die revolutionären Aktionen der Kronstädter. In der Nacht vom 2.zum 3. März flohen etwa 100 Kommunisten mit Waffen und M.G.'s. nach Krasnojä Gorka. Am Morgen des 3.März ging alles in meinem Stabe seinen normalen Gang, die laufende Arbeit wurde erledigt. Nur fehlte der durch das Kommando der Verwaltung arretierte Kosmis ar, dessen Funktionen von dem auf einer allgemeinen Zusammenkunft gewählten revolutionären Triumvirat verrichtet wurden. Um 4 Uhr nachmittags war ich mit einigen anderen militärischen Spezialisten auf den »Petropawlowsk« zur Beratung der Verteidigung der Festung zu ergreifenden Massnahmenaufgefordert worden. Auf dieser Sitzung wurde beschlossen, dass eine sofortige Uebersiedelung des temporären Revolutionskomitees in das Gebäude des Sowjets stattfinden solle, sowie eine Konzentrierung des Stabes der Verteidigung in Stabe der Festung.
Weiterhin weise ich über die Reihenfolge der Geschehnisse nicht mehr genau Bescheid. Es fanden jedoch vor dem ersten Schuss von Seiten der Bolschewiki einige gemeinsame Sitzungen des revolutionären Komitees und der militärischen Spezialisten statt. Es wurde ein dauernder Kriegsrat der Verteidigung gewählt, ein Chef zur Verteidigung eingesetzt, für diesen ein Stab aus den Mitgliedern des Stabes der Festung formiert, die Stärke und Verteidigungs mittel der Festung geprüft, deren Verteilung auf die Insel und die Forts in Aussicht genommen und die Lebensmittelportion für die Bevölkerung der Festung festgesetzt. In diese Periode fiel der Verschlag des Petersburger Sowjets aus dem Bestande der Mitglieder des Petersburger Sowjets einige Mitglieder (parteilose) und auch Vertreter der Kommunistischen Partei zu einer gemeinsamen Beratung über die Kronstädter Lage nach Kronstadt zu entsenden. Das revolutionäre Komitee erklärte sich hiermit nur unter der Bedingung einverstanden, dass zum Bestande der Delegation nur auf allgemeinen Versammlungen gewählte Vertreter der Fabriken, Matrosen und Rotarmee Truppenteilen Petersburgs gehören dürften und dass die Wahl dieser Delegierten durch Kronstädter Vertreter überwacht werden sollte. Wie zu erwarten war, beantwortete Trotzki diesen Vorschlag mit dem Befehl, kriegerische Aktionen gegen Kronstadt zu beginnen. Dieser Befehl wurde am 5.März abends durch Flugzeuge in Kronstadt abgeworfen. In der Nacht von 5.zum 6.März begann der Gegner mit der Erkundung des Oranienbauer und Sestrorezker Ufers, wurde jedoch von unseren Petroillen und Wachabteilungen zurückgetrieben. Am 6.März nach 8 Uhr abends begann das Bombardement der Festung von Oranienbauer Ufer aus, unsere Artillerie beantwortete das Feuer.
Auf diese Weise begann der Krieg zwischen Kronstadt und Sowjetrussland. Die Kampfaktionen fanden fast ununterbrochen Tag und Nacht bis zum Abend des 17.März statt, an dem beschlossen wurde, sich auf finnischem Territorium internieren zu lassen. An der Abwehr des Angriffs auf die Insel Kotlin und die Forts nahmen teil die gesamte Festungsartillerie ausser des Fort Krasnojä Gorka, das auf der Seite der Sowjetregierung blieb, das 500.Infanterieregiment, die Marine Landtruppen und andere kleine Abteilungen, welche billig aus den Lehr-, Ingenieur-und Etappen Truppenteilen formiert worden waren. Nach Angaben des Verteidigungstabes waren zur Verteidigung der Festung (Insel) vorhanden etwa 3000 Bajonet te und 80 Geschütze, davon 33 Feldgeschütze, die übrigen von Kaliber 6 bis 10''. Die Schiffsartillerie des »Petropawlowsk« und »Sewastopol«, welche am Kampf teilnahm, bestand aus neun 12 '' Geschützen und etwa 8 bis 8 120 mm Geschützen. " Sewastopol" hatte die Aufgabe Krasnojä Gorka und das Oranienbauer Ufer zu beschliessen, während »Petropawlowsk« die Artillerie des Sestrorezker Ufers unter Feuer nehmen sollte. Beide Schiffe gaben während der Infanterieangriffe Sperrfeuer ab. Noch äusserst zuverlässigen Quellen und auf Grund eigener Beobachtungen wurde festge-
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stellt, dass die gegnerische Artillerie 1 ½ Mal stärker war als die
unsere. Dabei war ein Teil der generischen Artillerie auf 4 Panzer-
zügen verteilt. Die Ueberlegenheit der Infanterie war erdrückend.
Unsere Rettung bestand vor allem darin, dass ein grosser Teil der
feindlichen Truppen auf unserer Seite war und nur durch die im Rücken
aufgestellten kommunistischen Maschinengewehre dazu gezwungen wurde
gegen uns zu kämpfen. Diese Truppen ergaben sich mit Leichtigkeit.
Aus einem Teil dieser Gefangenen wurde zum Schluss der Verteidigung
eine Abteilung formiert, die Seite an Seite mit uns kämpfte, und
später gleichfalls nach Finnland floh.
Ich will hier nicht einen genauen Bericht der täglichen
Kampfaktionen geben, da ich fürchte dabei von der Richtigkeit abzu-
weichen. Ich selbst werde mich jedoch auf eine persönliche Bewer-
tung der Kronstädter Ereignisse vom 1. bis zum 17.März einschliesslich
beschränken.
Der Kronstädter Aufstand war eine reine Volksbewegung hin-
der weder politische Parteien, noch zarische Generäle standen.
Durch Vorspiegelung dieses Schreckgespenstes versuchten die Bolsche-
wiki die Kronstädter Bewegung aufzuhalten und den übrigen Russland
zu zeigen, auf wessen Seite es sich zu stellen habe, und um die Trup-
pen, welche an die Kronstädter Front geschickt wurden, zum Kampfe
gegen uns zu zwingen. Obgleich niemand den bolschewistischen Presse-
nachrichten glaubte und meine Teilnahme am Aufruhr unbegründet er-
scheinen, erreichten die Bolschewiki durch diese Mystifikation doch ihr
Ziel.
Dass die Bewegung eine reine Volksbewegung war, dafür gibt
es viele Beweise. Die Bewegung brach nicht zur rechten Zeit aus, des-
wegen, weil es eine elementare, eine Volksbewegung war. Wenn die Be-
wegung von irgend einem »General« geleitet worden wäre, so wäre der
Ausbruch sicher zur Eröffnung der Navigation festgesetzt worden,
wenn die Belagerung Kronstadts schwieriger gewesen wäre und wenn die
Kronstädter Schiffe Petersburg von naher Entfernung aus eingehend
beschiessen konnten. Die ersten Tage nach der Erwähnung des revolu-
tionären Komitees beschäftigte sich dieses nur mit mehr oder weniger
richtigen Fragen, mit der Ausstellung von Durchlassscheinen und Fest-
setzung von Arretierungen. Dabei wurde die Frage der Verteidigung
absolut ausser Acht gelassen. Dies ist der beste Beweis dafür, dass
die Leiter der Bewegung absolute militärische Laien waren. Alle Ar-
beiter Kronstadts verlangten sofort bewaffnet zu werden, es wurden
auch sofort alle Revolver aus den Waffenlagern ausgegeben, so dass
gar keine Reserven mehr übrig blieben.
Ein Versuch des Feindes über das Fort Peter auf die Insel
Kotlin und in die Stadt vorzudringen, wurde durch die Werkstättenar-
beiter und ihre Freuen abgewehrt. Die Arbeiter standen gern Posten
und befreiten auf diese Weise die Infanterie teilweise von ihrer
Arbeit, wodurch eine kleine Reserve auf der Insel gebildet werden
konnte. Als die Truppen auf finnisches Territorium übergingen, folg-
te nur ein Teil der Arbeiter; die übrigen Arbeiter entschlossen sich
mit den Kommunisten weiter in der Stadt zu kämpfen, indem sie um
jedes Haus hartnäckig Widerstand leisteten. Was für Phasen dieser
Kampf angenommen hat, ist mir nicht bekannt. Die äusserst einge-
schränkte Lebensmittelportion rief von keiner Seite Proteste hervor,
jeder willigte gern ein und verstand, dass nur auf diese Weise eine
längere Verteidigung möglich sei. Jedes Geschoss, welches in der
Stadt explodierte und seine Opfer fordert e, wurde beantwortet und
förderte den Verteidigungsdrang der Verteidiger. Keine Klagen über
erlittene Verluste wurden laut.
Von den in der Festung vorhandenen 5 000 Kommunisten wur-
den nur 250 arrestiert, die übrigen blieben auf freiem Fuss, ebenso
die Familien der abwesenden Kommunisten. Ebenso blieb das Eigentum
aller Kommunisten unangetastet. Die ersten Verfügungen des Revolution-
ären Komitees schienen mir auf eine Schlichtung des Konflikts ohne
Blutvergießen hinanzulaufen. Eine solche Handlungsweise entspricht
aber nicht den Zielen der Sowjetregierung und wäre für sie selbst
Selbstmord, da die Regierung wusste, dass die gesamte Bevölkerung
gegen sie ist. Die Regierung wusste ebenfalls, dass das Volk nur
deswegen nicht gegen sie aktiv hervortreten konnte, weil viele Gei-
seln in den Gefängnissen saßen, der Kriegszustand verhängt wurde
und mit Erschiessungen gedroht wurde. Bei dieser sog. »Volksregierung«
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war kein anderer Ausweg, als einen weisengadistischen Aufstand zu
proklamieren und gegen diesen mit Waffengewalt vorzugehen. Dagegen
hoffte das Kronstädter Revolutionskomitee auf einen anderen Ausweg.
Es hoffte, dass sich der Kronstädter Aufstand in einen allgemeinen
Arbeiter-Militär- und Bauernaufstand in ganz Russland entwickelt,
dass die Kommissarherrschaft endlich vernichtet wird und dass dess
neue, freigewählte Sowjet das unerträgliche Joch der kommunistischen
Partei ablösen werde. Dieses wird ja früher oder später auch ge-
schehen, da sich eine Anzahl Wahlsinniger nicht als Volksregierung
ausgeben kann, während die Masse der Bevölkerung sie nicht als Re-
gierung achtet. Allerdings, Kronstadt hatte seine Mittel und Kräfte
nicht berechnet, hatte einen ungünstigen Moment gewählt, erhielt
keine schnelle Unterstützung von Seiten Petersburgs und anderer Orte
Russlands und musste daher vor der Stärke kapitulieren. Die Vorarbeit
Kronstadts wird jedoch nicht ohne Spuren bleiben, sie hat einen tie-
fen Riss in der kommunistischen Partei gebildet. Diese Kluft ist
nicht mehr zu überbrücken, sie wird sich soweit vergrössern, dass
die kommunistische Partei ihre Macht aufgeben muss. Es ist zu hoffen
dass es Trotzki beim Abgang der kommunistischen Partei nicht gelin-
gen wird, die Türen Russlands so zuzuschlagen, dass alle Fenster
springen.
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Den 13. April 1921.
II. URSACHEN DER KAPITULATION KRONSTADTS.
(Militärische Beobachtung, Bericht von General Koslow kij.)
Die militärischen Spezialisten Kronstadts nahmen an der Vorbereitung des Aufstandes nicht teil, wurden aber in die Bewegung hineingezogen, weil letztere eine Volksbewegung war und es daher unmöglich war, neutral zu bleiben. Man musste sich entweder auf die Seite des Volks oder der Kommunisten stellen. Der Kommandobestand schloss sich dem Volke an und arbeitete vom 3.März an an der Verteidigung Kronstadts. Täglich versammelte sich im Stabe der Festung der von revolutionären Komitee eingesetzte Kriegsrat. Dieser wohnte dem von Chef der Verteidigung oder vom Chef des Stabes erstatteten Bericht über die Lage und Ereignisse der verflossenen 24 Stunden bei und beriet sich über die Massnahmen, die zu einer verstärkten Verteidigung ergriffen werden sollten. Von vornherein stellte es sich heraus, dass wir uns in äusserst ungünstigen Verteidigungsverhältnissen befanden und zwar aus folgenden Gründen:
1) Alle Befestigungen Kronstadts haben die Front nach Westen, während die Angriffe des Gegners von Osten, Süd-und Nordosten und nur selten von Süden oder Norden erfolgten. Infolgedessen konnte die Artillerie nicht in der ihr gewohnten Weise in Tätigkeit treten. Die Angriffsabwehr musste neu organisiert werden; dabei musste berücksichtigt werden, dass die Artillerie einzelne Abschnitte überhaupt nicht bestreichen konnte. Die Bedienungsmannschaften der Geschütze hatten vor dem Artilleriefener des Gegners, das aus der Flanke oder von Rücken aus erfolgte, keine Deckung. Ausserdem hatte die Insel Kotlin von den Seiten keine Befestigungen, von denen die Angriffe erfolgten.
2) Die Länge der Uferlinie der Insel Kotlin ist mehr als 15 Werst. Wenn hierzu die Linie der Forts, welche auch nicht kürzer als 15 Werst ist, hinzugerechnet wird, so ergibt sich, dass jeder Infanterist 5 Sachen zu verteidigen hat. Dabei muss berücksichtigt werden das mit Mehe und Not 3000 Infanteristen zu Verteidigungszwecken vorhanden waren/. Hierdurch erklärt sich, warum nicht alle Abschnitte Koltins mit Infanterie besetzt waren, sondern eine kleine Reserve von etwa 2Kompanien gebildet wurde, welche in Automobilen auf besonders gefährdete Stellen vorgeworfen wurde.
3) Munition war in genügender Menge vorhanden, mit Ausnahme von 3 Linien Patronen, die schon in den ersten Tagen an die Truppenteile ausgegeben wurden. Ebenfalls fehlte es an 8'' Geschossen für Kanes Geschütze, die eilig gefüllt werden mussten. In den ersten Tagen wurden täglich 50 Geschosse gefüllt, späterhin stieg die tägliche Leistung bis auf 100. Gebrauchsfähige Gewehre waren nicht in genügender Anzahl vorhanden, da alle Arbeiter damit ausgerüstet, welche hartnäckig auf einer Bewaffnung bestanden. Die einzelnen Geschützteile waren in Ordnung, jedoch konnte man sich nicht auf ihre Widerstandsfähigkeit verlassen, da sie bereits verschiedene Beschädigungen durch das Artilleriefeuer erlitten hatten. Nach drei Tagen explodierte ein 8'' Geschütz Kanes, in den folgenden Tagen wurden andere Geschütze schwer beschädigt, so dass sie in Reparatur genommen und daher dem Kampfe lange Zeit entzogen wurden.
4) Ein besonders grosser Mangel herrschte an Stiefeln. Ein Teil der Garnison war fast barfuss, ein anderer Teil besass nur Filzstiefel. Da jedoch von 1.März an Tauwetter war, war ein Teil der Leute, die an und für sich an der Verteidigung teilnehmen konnten, darauf angewiesen, in den Kasernen zu bleiben.
5) Mit der Lebensmittelversorgung stand es folgendermassen: Die Stadt hatte so gut wie gar keine Vorräte an Mehl; andere
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Produkte hätten bis zum Ende des Monats gereicht. Daher wurde schon am 5.März eine besondere Lebensmittelkommission gebildet, deren Aufgabe darin bestand, die vorhandenen Lebensmittelbestände zu prüfen und einen Verteilungsplan zu entwerfen, in welchem Korn - stadt bis zum 1.April mit den vorhandenen Lebensmitteln auskommen mußte. Im allgemeinen war dieser Plan, der von Revolutionskomitee bestätigt wurde, folgendermaßen: Matrosen, Rotarmasoldaten und andere Personen, denen die Rotarmeportion zustand, erhielten ⅔ Pfund Surrogatbrot, ⅔ Büchse Konservenfleisch und ¼ Pfund Fleisch täglich; in der zweiten Woche dieselbe Menge Brot, ¼ Büchse Fleischkonserven und 3/8 Pfund Fleisch. Die übrige erwachsene Bevölkerung erhielt anstatt Brot 1 Pfund Hafer und die übrigen Produkte in gleicher Masse. Kinder erhielten anstatt Brot ½ Pfund Weizen und die übrigen Produkte in gleichen Masse. Kinder unter einem Jahre erhielten 1 Büchse kondensierte Milch wöchentlich. Alle diese Lebensmittel wurden anstatt Brot ausgegeben. Außerdem erhielt die übrige Bevölkerung und die Kinder in derselben Zeit: ¼ Pfund Zucker, ½ Pfund Butter, 1 Pfund Kaviar und 1 ½ Pfund Käse, Kinder jedoch nur ½ Pfund Käse. Daraus ist zu ersehen, dass die Ernährung in Bezug auf Anzahl der Kalorien nicht herabgesetzt wurde. Nur das Surrogatbrot war äußerst schlecht, es würde auch nur 1/3 der früheren Portion ausgegeben. Grosse Hoffnungen wurden darauf gesetzt, aus Finnland Brot zu erhalten.
6) Der Kommandobestand war nicht zahlreich und seiner Qualität nach nicht zufriedenstellend. Es gab nur wenige Offiziere, die militärische Lehranstalten durchgemacht hatten und Kämpferfahrungen besassen. Der übrige Kommandobestand bestand teilweise aus Etappenoffizieren, teilweise aus sogen. "noten Kommunisuren". Außerdem waren zahlreiche Kommandostellen auch durch Mannschaften besetzt, die diese während der Oktoberrevolution erhalten hatten. Im Kommandobestande waren auch zahlreiche Kommunisten vertreten, die abgesetzt und durch andere Personen ersetzt werden mussten. Das revolutionäre Komitee selbst war in militärischen Fragen aus- verständig missglückt. Als Chef der Verteidigung wurde Kapitän Solowjanoff gewählt, der einfacher Infanterieoffizier ist und nur die Jüngerschule beendet hat, außerdem ein schlaffer unentschie- dener Mensch, der keine Autorität in der festung hatte. Mit dem Beginn seiner Tätigkeit rief er schon die Unzufriedenheit der übrigen Offiziere hervor, die mit jedem Tage zunahm und allmählich eine Atmosphäre des Misstrauens dem höheren Kommandobestande gegen- über schuf. Letzteres rief eigenmächtiges Handeln der einzelnen Unterführer hervor, weil das Zentrum sich nicht äusserte und sich mit Nebensächlichkeiten befasste, welche für die Verteidigung der Fertung unwichtig waren. So ergibt es letzten Verteidigungstage die Leitung des Kampfes endgültig den Händen dieses energielosen Chefs der Verteidigung.
Dieses sind in allgemeinen Zügen die Mittel, über die Kronstadt zu Beginn der Belagerung verfügte. In welcher Weise wurden diese Mittel nun ausgenutzt und warum hielt sich Kronstadt nicht wenigstens bis zum 1.April, da es doch bis zu diesem Termin mit Lebensmitteln versorgt war? Diese Fragen werde ich so genau und ausführlich wie möglich beantworten versuchen. Ich wiederhole, der Kronstadter Aufstand war eine Volksbegegnung. Das gesamte Kronstadt, ausser den Kommunisten, war bereit für das Gelingen/einer Sache die grössten Opfer zu bringen.
Auf der ersten Zusammenkunft des Kriegsrates wurde die Frage einer aktiven und passiven Verteidigung erörtert. Der Chef der Verteidigung wies darauf hin, dass Kronstadt im besten Fall eine Ausfallbestellung von 2000 Mann unter der Bedingung zusammen- stellen könnte, wenn die Garnison derjenigen Forts verringert würde, von deren Seite aus der Angriff ausgeführt werden würde. Für diesen Anfall wurden 2 Vorschläge gemacht: Nach dem einen sollte der Angriff auf das Oranienbauer Ufer vorgetragen werden, da dies- ses der aller wichtigste Punkt des Gegners sei; nach dem anderen Vorschlag war der Moment für einen Angriff auf Oranienbaum bereits verpasst, dieser hätte bereits in der Nacht vom 2. und 3.März stattfinden sollen, daher wäre es jetzt vorteilhafter, einen Angriff auf
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Sestrorežk und dann auf Petersburg anzusetzen. Beiden Plänen lag die Hoffnung zugrunde, die entgegenrückenden feindlichen Truppen zum Überlaufen zu bewegen und von der Bevölkerung Lebensmittel zu erhalten. Der Kriegsrat ging schliesslich mit der Überzeugung auseinander, dass entweder der eine oder der andere Angriffsplan zur Ausführung gelangen würde. In den folgenden Tagen jedoch liess der Stab der Verteidigung dieses Projekt unter folgenden Begründungen fallen: 1) War man nicht damit fertig geworden, eine Ausfallabteilung zu formieren, 2) wünschte Petersburg Verhandlungen anzuknüpfen, deren Resultat abgewartet werden musste, 3) wollte man aus politischen Rücksichten nicht als erster mit den Kampfaktionen beginnen und 4) sollte anstatt eines Angriffs mit einer Ausfallabteilung der Patrouillendienst in Richtung Bolschaja Isjora verstärkt werden, der dort befinaliche Stäbe gefangen genommen und die dort befindlichen Truppen zum Uebergang bewogen werden.
Auf diese Weise wurde der Angriffsehthusiasmus des Kommandostandes und der Truppen selbst durch den Stab der Verteidigung allmählich eingedämmt. Da jedoch 5 bis 6 Tage seit dem Beginn der Belagerung verflossen waren und der Befehl Trotzkis, die Kronstädter wie Schneechühner niederzuschliessen, erfolgt war, und auch schon Angriffstruppen an den Ufern des Meerbusens eintrafen, erklärte der Stab der Verteidigung dem Kriegsrat, dass man sich nicht mehr den Kopf über aktive Operationen zerbrechen, sondern zur Verteidigung übergehen müsse. Nach dieser Entscheidung musste sich alles nun richtig in technischer Beziehung wurde folgendes in Aussicht genommen und ausgeführt: Es wurden Drahtverhaue auf denjenigen Abschnitten der Insel Kotlin gezogen, die von der See aus leicht zu erreichen waren, ferner wurden bei den Forts Flatterminen zur Sprengung des Elses gelegt. Die Strassen in östlichen Stadtteilen sollten laut Befehl des Kriegsrats verbarrikadiert werden, infolge fehlender Arbeitskräfte und fehlenden Materials konnte der Befehl nicht ausgeführt werden. Die unbewaffneten Arbeiter und die Bevölkerung hätten indessen gern diese Arbeiten verrichtet, wenn Arbeiterbataillone formiert, Leiter bestimmt und alter Hausrat als Material verwandt worden wäre. Diese Lücke in der Verteidigung war von entscheidender Bedeutung für den Fall Kronstadts. Die artilleristische Verteidigung war durch Verstärkung der Bedienungsmannschaften der 11' Batterie des Forts Konstantin und durch Formierung einer mobilen Batterie zu vier 3" Geschützen verbessert worden, deren Geschütze und Geschosse auf Schlitten transportiert werden konnten. Die Kerntruppe der Infanterie bildete das 530. Schützen Regiment und eine aus verschiedenen Landkommandos der Marine formierte Matrosenabteilung. (hier Zusatz: Sch.Rgt. 501 steht in Krassnaja Gorka). Die Besetzung des Forts wurde durch Matrosenabteilungen verstärkt. Weiterhin wurde die gesamte Insel Kotlin in 4 Kampfabschnitte eingeteilt. An der Spitze eines jeden Abschnittes stand ein Chef. Die gemeinsame Reserve blieb dem Stabe der Verteidigung unterstellt. Erst drei Tage vor dem Falle Kronstadts wurde ein gemeinsamer Chef der Verteidigung der ganzen Insel Kotlin eingesetzt. Was dieser Chef getan hat, ist mir unbekannt; es schien jedoch keine schnelle und zuverlässige Verbindung zwischen ihm und den einzelnen Abschnitten zu bestehen, denn die einzelnen Abschnittskommandeure kümmerten sich wenig um ihren neuen Vorgesetzten und wandten sich auch weiterhin in allen Fragen direkt an den Stab der Verteidigung. Zur Charakteristik des Stabes der Verteidigung muss erwähnt werden, dass dieser alles in seinen Händen konzentrieren wollte; alle nebensächlichen Meldungen liefen bei ihm direkt ein und er erteilte den einzelnen Abschnittskommandeuren direkte Befehle. Die Feuerleitung des "Petropawlowsk" lag aus unbekannten Gründen in den Händen des Chefs der Verteidigung und ging erst am letzten Tage in diejenigen des Chefs der Artillerie der Festung über. Der Stab selbst erteilte tags und nachts Befehle zur Eröffnung des Artilleriefeuers auf vollständig unbedeutende gegnerische Gruppen, wenn diese sich in einer Entfernung von 5 bis 8 Werst vor den Angriffspunkten zeigten. Ein solches Schiessen, häufig aus Geschützen grossen Kalibers, war äusserst resultatos, führte zu einem grossen
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Munitionsverbrauch und verringerte die Zahl der gebrauchsfähigen
Geschütze, so dass die Kräfte der Artillerie im entscheidenden
Moment erschöpft waren. Dieses ist einer der Hauptgründe der Einnah-
me der Festung durch die Sowjettruppen. Ich machte dem Kriegsrat
den Vorschlag die oben erwähnte Abwehrmethode fallen zu lassen, den
Gegner dagegen unbehindert bis auf 2Werst herankommen zu lassen
und ihn dann durch gleichzeitiges Schrapnell-, M.G. und Gewehrfener
abzuwehren. Dieser Vorschlag machte auf den Stab jedoch/keinen Ein-
druck. Er versprach allerdings nach diesem Vorschlage zu verfahren,
nahm jedoch nach Mitternacht wieder seine alte Methode auf, da er
sich in der Dunkelheit vor dem anrückenden Feinde schützen wollte.
Der Stab der Verteidigung verfügte im allgemeinen über ein
äußerst schwaches Orientierungsvermögen, hielt ein gewöhnliches
Patrouillenunternehmen für einen Angriff und liess den Truppen und
Offizieren nachts keine Ruhe, wodurch er sie auch im Laufe der zwei-
wöchigen Belagerung völlig erschöpfte. Dieses sind die ungünstiger
Bedingungen, unter denen die Verteidigung Kronstadts gegen die
ständig im Wachsen begriffene Zahl der feindlichen Truppen verlief.
Mit dem Falle der Nordforts N2 6,5,4 und der Südforts N2 1,
3,2 am 18.März verschlechterte sich die Lage Kronstadts ausseror-
dentlich. Diese Verluste hatten bald ihre Folgeerscheinungen, da
der Gegner auf diese Weise Gelände zur Konzentration seiner Truppen
vor dem Angriff gewonnen hatte; diese Konzentration erfolgte auch
im Laufe des 17.März. Die auf diese Weise entstandenen Artillerie-
verluste machten es der Festung unmöglich, das Artilleriefuher auf
wichtige Punkte zu legen. Eine noch grössere Bedeutung hatte die
Einnahme des östlichen Teiles der Insel Kotlin, wo gleichfalls
drei Batterien aufgestellt waren. Die Lage am 17.März gestaltete
sich äusserst schwierig, umso mehr als der Stab den Versuch machte,
auch die westlichen Teile der Stadt einzunehmen, welcher durch ein-
mütiges Zusammenhalten der Truppen, Arbeiter und ihrer Frauen abge-
wehrt wurde. Wäre speziell dieser Angriff nicht abgeschlagen worden
wäre der Rückzug nach Finnland abgeschnitten und hätten sich alle
Truppen der Gnade des Feindes ergeben müssen, d.h. jeder wäre ohne
vorherige Aburteilung erschossen worden. Diese Fragen erwog das
Revolutionskomitee mit dem Stabe der Verteidigung und beschloss da-
her sich in der Nacht von 17. zum 18.März auf finnischem Territori-
um internieren zu lassen. Dieser Beschluss wurde allen Revolutio-
nären Räten wörtlich weitergegeben, welche wiederum die Kommandeur
denen sie zugeteilt waren, unterrichteten.
Als ich von diesem Entschluss hörte und einsah, dass die
mir unterstellte Artillerie ihre letzten Tage erlebt, ging ich in
den Stab der Verteidigung, um alle Einzelheiten des gefassten Be-
schlusses zu erfahren und nach ihnen zu handeln. Im Stabe selbst
fand ich ein vollständiges Chaos vor. Alle Mitglieder des tempo-
rären Revolutionskomitees, der Chef der Verteidigung und sein Stab
war n bereit, irgend wohin zu gehen, die Leitung der Verteidigung
hörte auf, es wurden keinerlei Verfügungen über einen planmässigen
Rückzug auf finnisches Territorium gemacht. In der Nähe des Stabes
war eine ungeheure Anzahl engspannter Schlitten versammelt, auf
welchen der Chef der Verteidigung, ein Teil des Stabes, ich und
ein Teil des temporären Revolutionskomitees nach dem Fort Obrut-
schew fahren sollte. Nach der Ueberfahrt und Wiederaufnahme der
Verbindung sollte der übrige Teil des Stabes der Verteidigung nach
Obrutschew herüber fahren und von dort aus die Verteidigung und
den Rückzug leiten. Daraus ersch ich, dass das Schicksal Kronstadts
besiegelt sei und dass die Ueberfahrt nach Fort Obrutschew nur ei-
ne Maske zur Flucht des Stabes und Revolutionskomitees nach Finnland
sei und dass weiterhin keinerlei Anordnungen zu einem geregelten
Rückzuge getroffen werden würden. Daher beschloss ich in Bezug mei-
ner mir unterstellten Artillerie selbständig zu handeln. Meinen
Stabe und den Kommandos meines Stabes gestattete ich in Richtung
Finnland in der Weise vorzurücken, dass nicht früher als 8Uhr
abends das Eis bei dem Kirchhof betreten werden würde und zwar
deswegen, weil nach meiner Berechnung um die Zeit etwa der Nebel
die Erde berührt und unsere Bewegung dem Feinde verborgen bleiben
wird. Den Forts Obrutschew, Totleben und Riff befahl ich so lange
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wie möglich zu kämpfen, die Geschütze unbrauchbar zu machen und dann sich der zurückziehenden Menschenmasse anzuschliessen. Denn es war tatsächlich eine Menschenmasse und keine organisierte Bevölkerung, wie es der Stab der Verteidigung in zwei Wochen hätte tun müssen.
Indem ich nun meinen kurzen Bericht über die Kronstädter Ereignisse in der ersten Hälfte des März 1921 schliesse, möchte ich noch hinzufügen, dass alle Ereignisse ganz anders hätten verlaufen können und ein Resultat erzielt worden wäre, wenn nur das temporäre Revolutionskomitee 2 oder 3 Personen mit Verstand gehabt hätte. Dann wäre auch als Chef der Verteidigung eine andere Person an des für diesen Posten unfähigen Solowjewoff gestellt worden, welcher schon in Friedenszeiten als Chef des Stabes seine Aufgabe nicht erfüllen konnte.
ДИПЛОМАТИЧНИЙ ВІДДІЛ
ПОСОЛЬСТВА УКРАЇНЬКОЇ НАРОДНОЇ
РЕСПУБЛІКИ В КИЄВІ
№ 156
ВІДОМОСТІ ПРО СТАН РУХІВ НА УКРАЇНІ.
(Сподіні Українцем, котрий виїхав у перших числах лютого 1921 р.
з Києва. Польський кордон перейшов у половині лютого
в районі Тарнополя).
Історія повстань.
В перші наїзди бойовиків на Україну до початку 1920 року, бойовики поводилися з населенням досить терпимо. Після за-
няття Києва 1920 р., вони почали репресії (вивоз украйнської ін-
телігенції по доносам совітських місцевих агентів, де-коли роз-
стріли) проти української інтелігенції в міщах, так і селах, але
села не рушали. Тільки проходячи невеликі підділки реквірували
де-коли худобу і коней, але мало.
Під час наступу українсько-польських військ і боротьби за
Київ бойовики стягнули значні сили на Україну, котрі почали во-
ликі реквізиції худоби, коней і фуражу, але провадилося це безпо-
тенцію.
Лише після того, як бойовикам удалося розбити Укра-
їнсько-польську армію, Україна була оголошена "Ударним заготов-
чим продовольчим районом" і почалась система розкладок.
Завідували цим "Продоргани", котрі належали з Харь-
кова в губерніальні центри. Ці останні роздавали розкладку між
повітовими "Продорганами", котрі через Сельські "Ревкоми" оголо-
шували належність в кожного села. Всі ж дивалось в залежності
від кількості землі в десятинах, а худоба після статистики, котра
робилась по волостях мобілізованим для того педагогічним персо-
налом.
На виконання розкладки давалося коло нічного строку.
В разі невиконання з села брали заляжників і понім найбільш за-
мовних селян і давалося певний строк (5-10 днів), після котрого
починали розстрілювати заляжників, повідомляючи про це село.
Мобілізація (починаючи в осені 1920р.) від 20-30 років
в разі невеликих провадилися в такому ж порядку репресії.
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Мобілізовані відправлено в Москвщину де знищували
в полках з несоками. До торкається окремої української бойове-
вицької армії то такої немає, за винятком маленького відділу
українських бойовиків Галичанів з яких-небудь 300 душ, але він
ракується Совітською владою непевними, і мав бути перевезений з
Уманя до Москвщини. Дезертирство серед мобілізованих і відправ-
лених в частини Українців досить велике. Додому вертались вони
не можуть, і йдуть до повстанців, або як їх називають до "Селян".
Повстанці збираються в відділи по 5-10, деяколи до 30
тисяч чоловік. Озброєні вони всі рушницями і шаблями і є пере-
важно на конях. Мать такої кулемети. Гармат не мають, бо це силь-
но обтяжую. Обов'язок так само майже не мають, а харчують їх охотно
селяни.
Боє правдивого піколи не приймають, а налітають на не-
ликі відділи бойовиків, на обози всьо "Продотряди" (які забезпе
чують працю "Продорганів").
Бойовики жерстоко боряться з повстанцями рухом. Селя,
котрі дали багато повстанців, або допомагали їм, так як бойови-
ками "бандитські села" нищать гарматними огнем 1 палаття.
З цього бою повстанці нічать захоплення комуністів.
Бойовиків війська, котрі битися з повстанцями, складені виклю-
чно з москалів, завдяки чому «совєтна непавидить» капаїв.
Найбільш озивлена була діяльність повстанців на Пол-
тавщині, де вона не зтихала протягом цілого 1919р. На другому мі
ці стоїть Київщина, дальше йдуть Катеринославщина, Чернігівщина,
та Харківщина.
Боротьбу з повстанцями між іншими веде "червоно козац"
во Катовського" (кінnota), відділи котрого розділи в грудні 1920
регулярну українську казалерію, котра під проводом старшини Гу-
лєва зединалася коло Уманя з повстанцями.
Про окремих проволирів повстанців інформатор агадує:
1) Відділ Марусі Соколовської силою до 30 тисяч, багато старшин
Петлюрівської армії. В грудні 1920 р. оперував під Києвом.
2) Відділ Гризла, оперував на Звенигородщини.
3) Відділ Цвітковського (Петлюрівський старшина)-на Таращанщині
4) Відділ Дерещука - на Уманьщині.
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В грудні 1920р. останні три відділи обєдналися на Уманщині.Мають разом 5-6 тисяч чоловік.
5) Відділ Мордалевича - коло 2 тисячі чоловіка - Радомишльський повіт на Київщині.
Зв'язку постійного між собою повстанці не мають, хоч де коли інформують одні других про найбутні операції. Не вважаючи на відомості в часописах до 1-го лютого 1921 р. повстанці Києва не брали.
Повстанчий рух на Полтавщині і Київщині можна характеризувати, як явніше самооборони проти большевицьких реквізацій. Ніяких зозунгів повстанці не мають. Ведуть боротьбу на власну руку з большевиками і надіттям, що Петлюра з технічним апаратом і допомогою їм вигнати большевиків.
Махновщина .
Значну роль в боротьбі з большевиками грає Катеринославщина. Там провадить повстанців Махно. Рух його проходить під пропором анархізму, але має до певного степеня українську окраску. Приміром, коли Махно приходить у яке село, він каже: "вибирайте собі за начальство кого хочете. Від то пристав, або волосний старшина, або хто інший, лише не вибирайте ані кафана ані кида". В напрямку Українства на нього багато впливає його мінка, українська учителька з Херсонщини.
По офіційним совітським звідомленням Махно має під собою 60 тисяч чоловік. В стаї його є багато інтелігенції, має він чисельний обоз. В місцях заняття своїм військом Махно не устновляє жадної цивільної влади і пересовуючись з місця на місце ніколи адміністрації за собою не лишає.
В осені 1920р. він з'єднався з большевиками проти Врангеля і приймав велику участь в його зніщенні. Але большевики в той час почали арештувати анархістів в Харькові. За цього він порвав з ними зноси і вирізав на станції Александровськ 150 чоловік важких комуністів, які надсмали до Червоного Кримського Уряду і котрі спеціальним потягом їхали з Москви до Криму. Після того в грудні 1920р. і січні 1921р. він переходив через Харьківщину і оперував в районі міста Білгорода, курської губернії. З ними по
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станція у нього добрі відносини. Планів Махна на будуче ніхто не знає. Під час останнього наступу Українські війська ходили чутки, що він нічого не мав би проти об'єднання з Українцями, але докладно ніхто про це не знає.
Загальне положення на
Україні .
Землі селяне насівають дуже мало, лише на стільки, аби урожай вистачило на прожиття самих себе. Поміщицька земля заростає бур'яном.
Народні учителі почasti розбіглися і вишукують інших засобів для свого матеріального забезпечення, а почасти мобілізовані совітською владою для реєстрації худоби, коней і т.н. Школи пусті, навчання не має.
Населення стало дуже релігійним, священики сидять на місцях. В Києві українізовано п'ять церков, між іншими Софійський собор.
Гроші беруть найбільше царські, потім Керенки по 20 руб. (10 керенських рублів за 1 царського). Українські гривні беруть (не завжди) рахуючи дві тисячі гривень за 800 карб. керенських. Гетьманки видачу карб. за 500 карб. керенських. Совітські гроші село не приймає.
Потяги ходять дуже рідко. Більш-менш один раз на тиждень. При фронтовій смузі бойовики розбирають рейки, навіть шпалі. На південнo-захiдних залізницях скасовано 10 участих. На станціях залишають начальника станції і сторожа. Рента персоналу ви-возиться на Мурман. При фронтовій полосі (по Збручу) війська дуже мало. Залишені дивизії "Продовольчі" заградительни стріди". 14-та армія на паперi розформована, а фактично військо приєднано до Київського військового округу.
Намірів наступати на кого небудь бойовики не мають. Сильні повстання розпилиють їх сили. Після підпису миру поляками, (по селах через 2-3) ростановано військо на прикордоння і боротьбу з повстанцями.
Коли б мався хоч який небудь фронт, як небудь акція з
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зовні - це б сильно облекшало боротьбу повстанців з большеви-
ками.
Завзята боротьба-самосборона з большевиками ізза на-
сушеного хліба виникала в населенню повну індеферентність до
соціальних реформ.Найбільш важне для селянства земельне питання
розрішилося в такий спосіб, що кожний старається захисти як мого
менше лизень аби прокормити себе самого. Тому також
сподіватися в сел хвилю підтримки
від селян тій владі, яка прибуде на
Україну з одними льозунгами, не
встановивши насамперед повного ла-
ду.
DIPLOMATYCHNII VIDIL
POSOŁYSTWA UKRAЇN' BNOI NARODNOI
RES'UBLIKI V HIMETCHINI.
№ 157
NACHRICHTEN AUS SOWJETRUSLAND.
(Quelle: Weisse Organisation in Petersburg.)
Die Aufstände in Russland nehmen in keinem Falle ab, wie die sowjetrussischen Zeitungen immer behaupten. Im Gegenteil, in letz- ter Zeit sind an verschiedenen Stellen neue Aufstände ausgebrochen und haben die alten Bewegungen an Stärke zugenommen. In Gebiet Powolahje, an der südlichen Wolga, arten die Aufstände immer mehr aus. Die Aufständischen haben bereits Astrachan besetzt und sind im Vor- marsch auf Zarizyn. Von der Sowjetregierung sind dorthin grössere Truppenmassen detaschiert worden, welche sich in schweren Kämpfen mit den Aufständischen befinden, da diese gut bewaffnet und ausgerüstet sind. Jedoch auf die Zuverlässigkeit der roten Truppen kann sich die Sowjetregierung nicht mehr absolut verlassen. Jekaterinoslaw wurde z.B. 4 Mal von den Aufständischen genommen. Nach jeder Einnahme wur- den die Kommunisten auf fürchterliche Weise umgebracht und die fried- liche Bevölkerung, darunter hauptsächlich Juden, ausgeplündert. Nach- dem die Aufständischen Jekaterinoslaw zum 4.Male eingenommen hatten, gingen die Truppenteile der Roten Armee zu diesen über und beteilig- ten sich an der Plünderung der Stadt.
Die grössten Schwierigkeiten bereitete Antonoffs Aufstand der Sowjetregierung. Die Person Antonoffs wird vielfach mit einem
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anderen Antonoff verwechselt, denn es gibt zwei Antonoffs. Ein Antonoff ist Sozialrevolutionär und war vor den Bolschewiki Beamter im Gouvernement Tambow. Dieser war bei den Bolschewiki niemals im Dienst und begann nach der Auflösung der gesetzgebenden Versammlung den Kampf gegen die Bolschewiki, indem er unter der Beuernschaft Zentralrusslands agitierte. Der andere Antonoff ist der frühere Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte. Letzterer wurde Anfang dieses Jahres zur Unterdrückung der Bauernbürcher in die Gouvernements Tambow und Woronesh entsandte, schloss sich aber, anstatt die Unruhen zu unterdrücken, den Aufständischen an. Zur Zeit sind die Gebiete Powolshje, die Gouvernements Tambow, Woronesh, Samara, Kursk und ein Teil des Gouvernements Orel tatsächlich in den Händen der Aufständischen. Die örtlichen Behörden haben nichts Gemeinsames mit den Bolschewiki, die Beamten sind in der Mehrzahl parteilos. Nach Ueberwindung der augenblicklich dort herrschenden Weggelosigkeit werden schwere Kämpfe erwartet. Den Bolschewiki ist die Einnahme dieses Gebietes durch die Aufständischen insofern äußerst unangenehm, weil sie von dort den Hauptteil ihres Getreidevorrates bezogen. Die Eisenbahnstrecken sind dort augenblicklich nur mit Ver- achtung der zur Unterdrückung der Aufstände entsandten Strafabteilungen beschäftigt und die Verpflegungstransporte können infolgedessen nicht abgelassen werden.
Aus Charkow wird berichtet, dass die Lage dort äusserst kritisch sei, weil die Aufständischen Antonoffs ins Charkower Gouvernement eingedrungen sind und die Stadt Charkow selbst fast umzingelt haben. Die rote Garnison ist wahrscheinlich nicht stark genug, um den Aufständischen den nötigen Widerstand entgegenzusetzen. Teile der 8.und 9. Schützen-Division sind zur Entsetzung Charkows geschickt worden. Die Aufständischen haben einen Teil dieser Truppenteile jedoch xxxxi vernichtet und sie von ihrer Operationsbasis abgeschnitten. Auch die Kosaken in Donzgebiet haben sich der Antonoffschen Aufstandsbewegung angeschlossen und die Sowjettruppen bei der Station Lesowaja angegriffen.
In der Ukraine schreitet die Aufstandsbebewegung fort. Die gefangenen Kommunisten werden dort mit besonderer Grausamkeit umgebracht. Es wird vielfach behauptet, dass sie gekreuzigt werden, was bei dem Hass der ukrainischen Bevölkerung möglich ist. Oder es wurde zwei Mal
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in letzter Zeit von den Aufständischen mit Unterstützung der Matrosen
eingenommen. Nach jedem Fall wurde dort ausserordentlich streng vorge-
gangen. Es wird berichtet, dass in ganzcn bei den letzten Aufständen
fast 10 000 Personen umgebracht sind.
In Moskau ist vor kurzer Zeit eine kooperative Bank eingerich
tet worden.
Nach der Freigabe des Handels sind die Preise auf Lebensmit-
tel in den Städten gefallen, dagegen auf dem Lande gestiegen. Trotz der
Freigabe des Handels sind in Petersburg in den letzten Tagen mehrere
Mal die offenen Märkte durch Militär umstellt und alle dort befindliche
Personen verhaftet worden.
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23. April 1921.
VERSCHIEDENE NACHRICHTEN.
Aus Riga wird gemeldet, dass in letzten Militärkreisen darüber Nachrichten eingetroffen sind, dass die sowjetrussischen Streitkräfte augenscheinlich anders gruppiert werden. Als Grund werden die Unruhen in Südrussland angegeben. Es sind von Woronesch 11 Infanterieregimenter, 3 Kavallerieregimenter, 1 Feldartillerieregiment und mehrere schwere Batterien in den Raum Taschkent abtransportiert worden.
Die weißrussische Zeitung "Obschtscheje Delo" berichtet darüber, dass die Aufständischen im Süden Russlands ein Funkentelegramm aus Moskau an den Führer der 11. Armee in Wladikawkas aufgefangen haben, nach welchem sofort eine Infanterie Division zur Verstärkung der 8. Sowjetarmee entsandt werden sollte, um die 8. Armee bei den Kämpfen im Donezgebiet zu unterstützen. Als Grund dieser Massnahme wird angegeben, dass es augenscheinlich schwierig sei aus den Nordgebieten schnell Truppen nach dem Süden zu schicken wegen des allgemein herrschenden Heizmaterialmangels. Außerdem sollen 2 Korpskendivisionen von Budennij in das Donezgebiet geschickt werden.
Nach den Aussagen einer Ende März aus Omsk abgereisten Person sind augenscheinlich in den Bezirken Petropawlowsk, Ischim und Kurgan Aufstände der Bauernbevölkerung. Seit dem 8. Februar ist die Eisenbahnverbindung mit Zentralrussland so gut wie abgebrochen. Es sind bedeutsame Truppenmassen nach Sibirien zur Unterdrückung der Unruhen abgesandt worden. Die Bauern sind alle bewaffnet, teilweise allerdings nur mit Jagdgewehren. Der Hauptanführer ist General Baloff, der unter Kolt-schak diente.
Die "Moskowskija Iwwestij" vom 10.April schreibt über die innere Lage in Sowjetrussland und bekennt offen, dass überall Aufstände ausgebrochen sind. Die Weisgardisten, Sozialrevolutionäre und Menschewiki haben sich gegen die Sowjetsmacht verschworen. Diese versuchen auf jegliche Weise den Aufbau des Wirtschaftslebens zu verhindern. Der Kronstädter Aufruhr sei unterdrückt worden, dagegen sind die Aufstände in den südlichen Gouvernements mit neuer Kraft ausgebrochen. In der Ukraine operieren Machnos Anhänger. Die weisgardistische Gefahr wird also immer grösser.
Die "Derewenskaja Kommuna" vom 20.März veröffentlicht das Dekret der Sowjetregierung über Aufhebung der Requisitionen und Einziehung von Getreidesteuern der Bauern. Anstatt der 423 Millionen Pud Getreide, die in der Periode 1920/21 auf dem Gebiet der Republik ausser der Ukraine und Turkestan eingesammelt werden sollen, werden während derselben Zeit 215 Millionen Getreide eingesammelt werden.
Der Chef der russischen ausserordentlichen Kommission Poerchinskij ist zum Kommissar der Verkehrswegwe erneuert worden.
Ende März wurde eine Anzahl neu ernannter bolschewistischer Offiziere aus der Lefortowskij Kriegsschule in Moskau
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1917 gab. Die Anzahl der Offiziere sei augenblicklich 150 000, die Armee rechne nach Millionen. Alle Fabriken, welche für das Militär arbeiten, haben ihre Produktion im Jahre 1920 um 40% erhöht. Die roten Militärkurse hätten ausgezeichnete Offiziere entlassen. Die Kriegsakademie in Petersburg stände auf der Höhe. In diesem Sommer würde sie die Möglichkeit eines Feldzuges in Orient und eines Revanchekrieges gegen Polen untersuchen.
Laut "Petrogr. Prawda" vom 17.April will Petersburg in Finnland 100 000 Kubikfaden Brennholz aufkaufen.
Bei den am 18.April in Moskau stattgefundenen Wahlen der Delegierten zum Moskauer Sowjet wurden 739 Kommunisten und 65 Parteilose gewählt.
Aus Moskau wird vom 12.April gemeldet, dass Turkestan als autonome Republik proklamiert worden sei und ein Verbandesstaat Sowjetrusslands bilde.
"Iswestija" des Petersburger Sowjets von 11.April.
Die Heizmaterialzufuhr in der 2.Hälfte von 1920 und bis zum März 1921 nach Petersburg war folgende:
Zeit. Ausländische Moskauer Flüssiges Heiz-Holz.
Kohle, Donezkohle u. material.
und Uralkohle. Borowitschi-
kohle.
Durchschnittliche
Monatszufuhr 1920 ………… 460 000 Pud. 410 000 Pud 3500Wag
Januar 1921 …………….. 281 000 Pud 171 000 Pud 420 000 Pud 22184 Ki
Februar , …………………. 223 000 " 150 000 " 235 000 " 24659 "
März ………………………. 533 000 " 227 000 " 230 000 " 28815 "